Hamburg: Warnstreik bei Computer Bild

Warnstreik bei Computer Bild in Hamburg am 13. Juli 2018
Foto: ver.di

„Faire Tarife – nicht nur für unsere Smartphones“ – dies ist das Motto des Warnstreiks bei der Computer Bild Digital GmbH in der Hamburger Hafencity am 13. Juli. Die Beschäftigten der bekannten Zeitschrift aus dem Springer-Konzern fordern einen Haustarifvertrag und wollen so bezahlt werden wie ihre Kolleg_innen in den tarifgebundenen Verlagen. Die Verhandlungen werden von der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union (dju) in ver.di und dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) geführt.

Der Warnstreik bei Computer Bild ist der erste Streik bei den mittlerweile zahlreichen tariflosen Tochterunternehmen von Axel Springer um einen Haustarifvertrag. Nach drei Verhandlungsrunden war kein wesentliches Entgegenkommen seitens des Konzerns erkennbar geworden. „Es wird Zeit, dass die Springer-Verantwortlichen ihre Mitarbeiter ernst nehmen“, sagte ver.di-Fachbereichsleiter Martin Dieckmann. „Über ein Angebot, das bis zu 40 Prozent unter den Flächentarifen liegt, kann man nicht ernsthaft verhandeln“, so Dieckmann und wies damit das bislang unterbreitete Gehaltsangebot der Konzernleitung zurück.

„Springer meldet Jahr für Jahr neue Gewinnsteigerungen. Der Konzertüberschuss allein in 2017 beträgt ca. 378 Millionen Euro. Wer wirtschaftlich so erfolgreich und so ertragsstark ist, kann seinen Mitarbeitern nicht erklären, warum er ihnen eine angemessene Bezahlung verweigert“, sagte DJV-Landesgeschäftsführer Stefan Endter.

Hamburg, 13. Juli 2018
Foto: ver.di

Die Beschäftigten forderten Axel Springer auf, zeitnah ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. „Wir wollen eine Lösung am Verhandlungstisch, aber dazu braucht es auf der Springer-Seite die Bereitschaft, für angemessene Rahmenbedingungen zu sorgen“, betonten die Verhandlungsführer Endter und Dieckmann.

Dass es sich bei der Belegschaft der Computer Bild durchaus um eine kämpferische Truppe handelt, hatte diese bereits 2012 bewiesen. Damals traten die knapp 90 Beschäftigten der Computer-Bild-Gruppe für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze in einen Warnstreik. Sie wehrten sich dagegen, dass ihre tarifgebundenen Arbeitsplätze in eine tariflose Tochtergesellschaft übergehen. Das zu verhindern, gelang ihnen nicht. Aber sie konnten eine unter diesen Umständen akzeptable Betriebsvereinbarung mit dem Arbeitgeber Springer durchsetzen. (M berichtete)

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Der SR lässt sich checken

Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen unter Spar- und Reformdruck. Die Politik verlangt den Abbau von Mehrfachstrukturen und eine Profilierung des Programmauftrags. Die meisten Anstalten sind bereits im Umbau. Angesichts dieser Herausforderungen lässt der Saarländische Rundfunk (SR) derzeit seine Organisationsstrukturen von externen Beratern überprüfen.
mehr »

Filmtipp: Sie glauben an Engel, Herr Drowak? 

Schwarzweißbilder, höchst originell gestaltet und herausragend gut gespielt mit Luna Wedler und Karl Markovics - "Sie glauben an Engel, Herr Drowak?" erzählt die Tragödie eines verpfuschten Lebens. Im Debütfilm von Nicolas Steiner offenbart ein nihilistischer Trinker im Rahmen eines Sozialprogramms dank der Beharrlichkeit einer Germanistik-Studentin ein enormes literarisches Talent. Doch dann wird der Mann von den Dämonen seiner Vergangenheit eingeholt.
mehr »

ÖRR als Public Open Space?

Der Reformstaatsvertrag eröffnet neue Wege für die Infrastruktur öffentlicher Kommunikation, befindet Jan Christopher Kalbhenn in einer Kurzstudie, die er für die Friedrich-Ebert-Stiftung verfasst hat. Denn die demokratische Öffentlichkeit, so Kalbhenn, steht angesichts der Machtkonzentration bei digitalen Plattformen vor einer grundlegenden ordnungspolitischen Herausforderung.
mehr »

Mehr Regionalität bei WDR und NDR

WDR und NDR gehen neue Wege bei der der regionalen Berichterstattung. Beim WDR sollen demnach zum 1. Januar 2027 die bisherigen Programmbereiche Aktuelles und Landesprogramme zu einem neuen Programmbereich mit dem Arbeitstitel "NRW" zusammengelegt werden - sofern die WDR-Gremien dem Vorhaben zustimmen. Der NDR startet ein neues Format für Jüngere bei YouTube.
mehr »