Klagen statt Investitionen

Tarifrunde für Zeitungsredakteure steht vor harter Auseinandersetzung

„Das wird eine harte Tarifrunde“: Das ist nicht das Fazit einer Tarifkonferenz der dju in ver.di, sondern die klare Ansage von BDZV-Verlegerpräsident Helmut Heinen. Mit Entschlossenheit wollen die Verleger in diesem Jahr alle tarifpolitischen Hebel in Gang setzen und mit ihren Forderungen nach deutlich niedrigeren Personalkosten noch weit über ihre Forderungen von 2011 hinaus gehen. Die Deutsche Journalistinnen und Journalisten-Union (dju) in ver.di fordert für die rund 14.000 Tageszeitungsredakteurinnen und -redakteure sowie für Freie und Pauschalisten 5,5 Prozent mehr Geld. Auch online-Journalisten sollen künftig nach den Redakteurstarifverträgen bezahlt werden.

Der BDZV will geringere Gehaltsentwicklungen für künftige Kolleginnen und Kollegen, weniger Urlaubstage und Urlaubsgeld bzw. Jahresleistungen für alle Redakteurinnen und Redakteure und keine oder niedrigere Tariferhöhungen in bestimmten Regionen in Norddeutschland oder dem Osten erzwingen. Wobei: Für Gehaltserhöhungen wie in anderen Branchen ist laut Meinung des BDZV-Verhandlungsführer Georg Wallraf sowieso kein Spielraum.
Es gebe nichts zu verteilen, ohne Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzen, so Wallraff. Allerdings erleben die insgesamt rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure, die für Tageszeitungen schreiben, dass trotz der Lohnzurückhaltung, die sie im vergangenen Jahrzehnt praktiziert haben, Stellen abgebaut wurden: Rund 15 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Die Löhne stiegen zwar um rund 18 Prozent im gleichen Zeitraum, sanken aber real bei einer Inflation von 23 Prozent. Gleichzeitig erwirtschaften die Gesellschafter von Verlagsunternehmen nach wie vor ansehnliche Renditen, die aber nicht reinvestiert werden, um die Zeitungen fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen „Unsere Mitglieder haben dazu jede Menge guter Ideen, denn sie kennen ihre Leser und sind ganz nah dran am viel beschriebenen Umbruch der Branche. Die Zukunft der Zeitung wird sich beispielsweise daran entscheiden, ob es gelingt, Online und Print, Abos und Bezahlinhalte miteinander zu verbinden Lokaljournalismus wieder erkennbar zu machen und junge Leser mit ansprechenden, inhaltlichen Angeboten zu begeistern“, sagte ver.di-Tarifsekretär Matthias von Fintel. Die Redakteurinnen und Redakteure betrachteten es als ihre Aufgabe, dem Leser zu zeigen, was Journalismus in der Region täglich aufs Neue überzeugend mache, der den Preis dafür auch wert sei.
„Die Verleger von heute, meist reine Verlagsmanager ohne eigenen publizistischen Anspruch, sehen nicht das Zukunftspotential ihrer Produkte und Redaktionen, sondern beklagen allein zu hohe Personalkosten, statt mit dem Knowhow der Kolleginnen und Kollegen neue publizistische Ansätze zu entwickeln“, kritisierte von Fintel. Jede Redaktion kenne Beispiele von jungen Journalistinnen und Journalisten, die sich nach dem Volontariat einen besser bezahlten Job suchten, was angesichts der Einkommenshöhe, die keineswegs Spitzengehälter darstelle, wie die Verleger gerne behaupteten, vielfach auch nicht weiter schwer sei. Noch schlimmer sei die Situation der freien Journalistinnen und Journalisten, die als Pauschalisten im Redaktionsdienst oder als Reporter und Bildjournalisten eingesetzt werden, bei ihnen wird an der Honorarschraube gedreht und sie haben dafür noch weniger Rechte als die „Festen“.
„Die Leser merken das längst und zwar, noch bevor sie durch Anzeigen in der eigenen Zeitung als Leserreporter angeworben werden sollen, in denen steht, journalistische Kenntnisse seien nicht nötig: Da sagt sich Otto-Normalleser, für so eine Zeitung ist der Preis aber auch nicht nötig. Dann schreibe ich doch gleich in mein soziales Netzwerk und werde mein eigener Verleger“, unterstreicht von Fintel:„Die dju in ver.di geht in diese Tarifrunde mit dem Anspruch, dass Profis, durch gute Tarif- und Arbeitsbedingungen und endlich auch mal durch echte Tariferhöhungen ihren Motivationsschub brauchen.“ Der Redaktionsalltag sei hart genug, auch wenn gerade keine Stelleneinsparungen oder Strukturveränderungen ausgerufen werden. Die Arbeit in den Redaktionen sei mit der vor 20 Jahren nicht mehr vergleichbar. Dem müsse durch eine entsprechende Tarifpolitik Rechnung getragen werden und nicht durch den Abbau von Tarifstandards. „Ja, es wird eine harte Tarifrunde: Zumindest in diesem Punkt wird der Verlegerpräsident Recht behalten“, kündigte von Fintel an.

 

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Drei freie Tage für Redakteure zusätzlich

Die Tarifkommission der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di hat dem erneuerten Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag für Tageszeitungen zugestimmt. Danach erhalten Redakteurinnen und Redakteure drei zusätzliche freie Tage bis März 2022. Für Freie wurde erneut ein Ausgleichshonorar in Höhe eines durchschnittlichen Monatshonorars aus 2019 vereinbart. Spätestens im November sollen die Tarifverhandlungen über Tariferhöhungen starten.
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Kieler Nachrichten reduzieren Honorare

Die „Kieler Nachrichten“ wollen ein neues Honorarsystem für ihre freien Mitarbeiter*innen einführen. Danach sollen die Freien künftig nach einem „Baukasten-System“ entlohnt werden. Im Vergleich zu bisherigen Regelungen bedeute das für die Freien generell eine Reduzierung ihrer Honorare, schätzen die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di und der DJV Schleswig-Holstein diese kritikwürdigen Pläne ein.
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SZ bezieht Onliner in Tarifbindung ein

Die „Süddeutsche Zeitung“ wird künftig den Flächentarifvertrag im Zuge der Zusammenführung von „SZ Print“ und „SZ Digitale Medien“ (SZDM) auch auf die weit über 100 Beschäftigten der Online-Redaktion ausweiten. ver.di begrüßt die Entscheidung von Geschäftsführung und Aufsichtsrat. Das sei „das richtige Signal der Wertschätzung, wenn künftig auch die Onlinerinnen und Onliner von den tariflichen Standards profitieren sollen“, erklärte das für Medien zuständige ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz.
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Auch intern unbequem

„Panorama“ ist nicht das erste, aber das älteste Politikmagazin im deutschen Fernsehen. Und es hatte eine schwere Geburt. Was da am 4. Juni 1961 auf dem Bildschirm in Schwarz-Weiß Premiere feierte, war ein ziemlich unverdaulicher Kessel Buntes aus aktueller Politik, Auslandsreportage und Unterhaltung. Doch schon bald hatte „Panorama“ seine erste Sternstunde.
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