Rote Karte für Verleger: Erneut Streiks in Tageszeitungen

Auf der Streikkundgebung in Ulm zeigen die Redakteur_innen den Verlegern vor der 5. Verhandlungsrunde für Tageszeitungsjournalist_innen die Rote Karte
Foto: Rudi Kleiber

Im Vorfeld der fünften Verhandlungsrunde für die über 14.000 Tageszeitungsjournalist_innen am 29. Juni 2016 in Berlin ist heute erneut in fünf Bundesländern gestreikt worden. Für den Verhandlungstag wurde eine Ausweitung der Streiks auch auf weitere Länder angekündigt. Auf einer zentralen Streikkundgebung in Ulm, an der sich rund 600 Redakteur_innen aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen beteiligten, haben die Streikenden den Verlegern die Rote Karte gezeigt und ihre Forderung nach angemessenen Tariferhöhungen und Wertschätzung bekräftigt.

Uli Janßen, Bundesvorsitzender der dju in ver.di redet auf der Ulmer StreikkundgebungFoto: Joe E. Röttgers
Uli Janßen, Bundesvorsitzender der dju in ver.di, spricht auf der Ulmer Kundgebung zuden streikenden Redakteur_innen
Foto: Joe E. Röttgers

Der dju-Bundesvorsitzende Ulrich Janßen bezeichnete das Verhalten der Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in seiner Rede auf der Ulmer Kundgebung als gezielten Angriff gegen die festen und freien Journalist_innen an Tageszeitungen. Von Wertschätzung werde zwar pausenlos geredet, aber in der Sache Geringschätzung geübt. Eine Geringschätzung, die sich, so kritisierte Janßen scharf, vor allem in der Verlegerhaltung zu Honorarerhöhungen für Pauschalist_innen und Freie zeige. Diese sollen nach dem Vorschlag des BDVZ erst später als ihre fest angestellten Kolleg_innen von den Einkommenserhöhungen profitieren: „Was für eine Ohrfeige gegen die Pauschalistinnen und Pauschalistinnen, gegen die arbeitnehmerähnlichen Freien“, so Janßen. Eine solche Differenzierung sei betriebswirtschaftlich durch nichts zu rechtfertigen. Es sei deshalb gut, dass die Bewegung 2016 in der Tarifrunde 2016 so breit gestreut ist. Die Tageszeitungsjournalist_innen würden damit gegenüber den Verlegern deutlich machen, dass sie nicht vorhaben, sich wegzuducken, sondern zu kämpfen.

Die zentrale Streikkundgebung in Ulm, an der sich rund 600 Redakteur_innen aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen beteiligtenFoto: Rudi Kleiber
Die zentrale Streikkundgebung in Ulm, an der sich rund 600 Redakteur_innen aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen beteiligten
Foto: Rudi Kleiber

In Bayern werden aktuell 14 Redaktionen, darunter die Süddeutsche Zeitung, die Augsburger Allgemeine, die Nürnberger Zeitung und die Nürnberger Nachrichten sowie der Münchner Merkur bestreikt. Die Mehrzahl der streikenden Redakteur_innen nimmt an der Großkundgebung auf dem Ulmer Marktplatz teil. Aus Baden-Württemberg beteiligen sich rund 20 Redaktionen am Streik, darunter die Südwest Presse, die Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten, der Mannheimer Morgen sowie die Rhein-Neckar-Zeitung. In Hessen befinden sich heute Redakteur_innen der Frankfurter Neuen Presse und ihrer Lokalausgaben sowie des Darmstädter Echos und seiner Lokalausgaben im Warnstreik. Eine 30-köpfige Delegation hat sich zudem an der Streikkundgebung in Ulm beteiligt. Auch in Nordrhein-Westfalen haben Zeitungsjournalist_innen in etwa 20 Redaktionen ihre Arbeit niedergelegt.

Die dju in ver.di fordert für fest angestellte und freie Tageszeitungsjournalistinnen und -journalisten eine Erhöhung der Honorare und Gehälter um fünf Prozent, mindestens aber um 200 Euro. In der vierten Verhandlungsrunde am 15. Juni hatten die Verleger hingegen lediglich 4 Prozent verteilt über 36 Monate Laufzeit angeboten, wobei die jeweiligen Erhöhungsschritte noch nicht einmal beziffert wurden. Zudem sollen Freie und Pauschalist_innen die Erhöhungen erst zu einem späteren Zeitpunkt bekommen.

Die fünfte Verhandlungsgrunde beginnt am 29. Juni 2016 um 12 Uhr im Maritim proArte Hotel in Berlin. Zwischen 12 und 14 Uhr wird in der Friedrichstraße eine Protestkundgebung mit Streikenden aus drei Bundesländern stattfinden.

Mehr Informationen auf der Website der dju in ver.di

nach oben

weiterlesen

Einnahmen von Plattformen sprudeln

Die Statistik von PwC besagt, dass die Umsätze der deutschen Medienwirtschaft 2021 erst das Niveau von 2017 erreicht haben. Für 2022 wird dagegen ein neuer Rekord vorausgesagt. Die Verluste waren vorrangig bei Printmedien und Kinos zu verzeichnen. Fernsehen und Digitalmedien konnten deutlich zulegen. Die Einnahmen aus Nutzungsgebühren sprudeln bei den Streaming-Plattformen. Bei gedruckten Periodika steigen sie zwar auch, können die Printverluste aber nicht ausgleichen. Der Buchmarkt war 2021 leicht im Plus, aber die Leserzahl geht beim jüngeren Publikum zurück.
mehr »

Buchtipp: Ostdeutsche Regisseurinnen in der Nachwendezeit

Die Sichtweisen auf die Zeit nach der Wende sind vielschichtig – doch für viele davon ist im gängigen Narrativ der Wiedervereinigung bis heute kein Platz. Vor diesem Hintergrund ist das Buch „Was wir filmten“ entstanden. In Essays und Gesprächen beschäftigen sich Filmemacherinnen aus drei Generationen mit Filmen von ostdeutschen Regisseurinnen nach 1990. Den Impuls gab das Internationale Frauen Film Fest Dortmund/Köln.
mehr »

Facebook News von dpa kuratiert

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) übernimmt ab 1. April das Kuratieren journalistischer Nachrichten auf Facebook. dpa-Redakteur*innen sorgten demnach für Auswahl und Pflege von Inhalten aus deutschen Medienhäusern auf Facebook News. Vertragspartner seien Meta und die dpa-Tochter dpa Infocom, teilten beide Unternehmen mit. dpa als Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Medien sei für diese Aufgabe „prädestiniert“, so der Geschäftsführer der Nachrichtenagentur.
mehr »

Corona und kein Ende: Neustarthilfen 2022

Soloselbstständige, Freiberufler und kurz befristet beschäftigte Künstler*innen können seit dem 14. Januar für das erste Viertel des neuen Jahres Gelder aus der bundesweiten Neustarthilfe 2022 beantragen. Wenn die wirtschaftliche Tätigkeit corona-bedingt weiter eingeschränkt ist und der Umsatzeinbruch mindestens 30 Prozent beträgt, werden für den Zeitraum Januar bis März bis zu 4500 Euro gewährt. So gefördert werden insbesondere Soloselbständige, die nur geringe betriebliche Fixkosten haben.
mehr »