Warnstreik bei der FR

Gegen Tarifflucht und Betriebszerschlagung

Im Kampf gegen die Zerschlagung des Druck- und Verlagshauses Frankfurt am Main und für den Erhalt der Bindung an die Branchentarife sind die Beschäftigten der Druckerei und des Verlages der Frankfurter Rundschau (FR) am 11. Juni 2008 in einen befristeten Warnstreik getreten.

Damit sollte der Druck auf die Geschäftsführung des Unternehmens erhöht werden, mit ver.di über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Der Tarifvertrag soll insbesondere betriebsbedingte Kündigungen ausschließen und die tariflichen Standards der Zeitungsindustrie für die Beschäftigten sichern, die von Ausgliederungen betroffen sind.
Auslöser für die ver.di-Forderungen war die Gründung einer „FR-Design GmbH“, in der auch bisher bei der FR beschäftigte Verlagsangestellte und Redakteure arbeiten sollen. In dem neuen Betrieb sollen nach dem Willen der Geschäftsführung nicht mehr die Tarife der Zeitungsindustrie, sondern des Großhandels gelten. Damit würde das Tarifniveau um 20 bis 30 Prozent sinken. Weitere Ausgründungen, zum Beispiel im Bereich der Regionalredaktionen, stehen möglicherweise unmittelbar bevor.
Einen bereits vereinbarten ersten Verhandlungstermin am 29. Mai hatte das Druck- und Verlagshaus kurzfristig abgesagt und kurze Zeit später generell Verhandlungen abgelehnt. Das hatte unter den Beschäftigten zu großer Empörung geführt, weil die FR mit dieser Absage offenbar den Bruch einer langen Tradition des konstruktiven Dialogs mit der Gewerkschaft beabsichtigt. ver.di und das Druck- und Verlagshaus hatten sich in den letzten Jahren vor dem Einstieg der Kölner Neven Dumont-Gruppe im Jahr 2006 mehrfach auf Sanierungstarifverträge verständigt, die das Überleben der seinerzeit schwer angeschlagenen Zeitung überhaupt erst möglich machten.
Die Auswirkungen des Warnstreiks waren gravierend: Im Druckzentrum Neu-Isenburg wurde in der Nacht zum 12. Juni kein einziges Exemplar der FR gedruckt. Nur mit Hilfe von Streikbruch durch eine Druckerei in Luxemburg gelang es Chefredaktion und Geschäftsführung, eine stark reduzierte Ausgabe zu produzieren. Davon, dass ihre Zeitung in Luxemburg gedruckt wurde, erfuhren die FR-Leser nichts. Den von ver.di geforderten Abdruck eines entsprechenden Hinweises in einer der nächsten Ausgaben lehnte die Chefredaktion der FR ab.


nach oben

weiterlesen

Kaum Menschen mit Behinderung im Film

Diversität ist das Schlagwort der Stunde. Menschen mit dunkler Hautfarbe spielen Anwälte oder Ärztinnen, es gibt Serien über Personen, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen, und selbst bei ARD und ZDF sind homosexuelle Paare mittlerweile fast selbstverständlich. Eine Gruppe ist jedoch vergessen worden: Prominente Ausnahmen wie die kleinwüchsige Schauspielerin Christine Urspruch können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen nach wie vor kaum auftauchen. 
mehr »

ARD-Beschäftigte im Warnstreik

Die Beschäftigten von Norddeutschem und Westdeutschem Rundfunk wollen sich nicht mit der Verzögerungstaktik der ARD in der laufenden Tarifrunde abfinden. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, folgten viele dem ver.di-Aufruf zu einem  Warnstreik am 24. Mai. Denn gesellschaftliche Wertschätzung bedeute auch einen angemessenen Inflationsausgleich. Bei galoppierender Inflation bräuchten die Beschäftigten jetzt ein Angebot, dass den Namen verdiene, so ver.di. Und wollten sich nicht weiter hinhalten lassen.
mehr »

SWMH: Der Kahlschlag der Knauser

Sparplan erfüllt: Die Redaktion der „Stuttgarter Zeitung“ (StZ) und der „Stuttgarter Nachrichten“ (StN) verliert fast ein Viertel ihrer Leute, darunter den Leiter des Berliner Büros. Der Kompetenzverlust ist dramatisch. Auch beim Flaggschiff „Süddeutsche Zeitung“ gehen die Leute von Bord. Für den Konzern Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) ist das bedrohlich, für die Kundschaft ebenso.
mehr »

Kino: Tariferhöhungen in zwei Stufen

Die Kinobeschäftigten gehören nach wie vor zu den Geringverdienern noch dazu mit unsteten Arbeitszeiten. Bei CinemaxX bekommen sie nun mehr ins Portemonnaie. Nach fünf Verhandlungsrunden mit dem Kinokonzern hat die ver.di-Tarifkommission heute dem erreichten Tarifergebnis für die 1200 Beschäftigten zugestimmt. Danach werden die Löhne in zwei Schritten ab Mai um 8 Prozent und ab Oktober dieses Jahres gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit um weitere 7 bis 14 Prozent erhöht. Neu im Entgelttarifvertrag ist die Ausbildungsvergütung, da CinemaxX jetzt und in Zukunft Veranstaltungskaufleute ausbildet.
mehr »