Was du nicht willst, das man dir tu …

Die Entscheidung der Mitgliederversammlung der VG Wort für einen rechtskonformen Verteilungsplan ist ein positives Signal nach monatelangen Querelen, die den Fortbestand der Verwertungsgesellschaft ernsthaft infrage gestellt haben. Der neue Verteilungsplan ist letztlich ein klassischer Kompromiss. Er setzt das Urteil des Bundesgerichtshofs konsequent um, wonach Autor_innen  grundsätzlich 100 Prozent aus den gesetzlichen Vergütungsansprüchen zustehen.

Er lässt jedoch auch so viel Spielraum, dass all jene Urheber_innen, die dies ausdrücklich wünschen, ihren Verlagen einen Anteil an diesen Geldern zukommen lassen können – allerdings mit einem Verteilungsschlüssel, der zugunsten der Kreativen verändert wurde.

Die freiwillige Verlegerbeteiligung trägt dem immer wieder geäußerten Wunsch vieler Autor_innen Rechnung. Mehr als 26.000 von ihnen haben deshalb inzwischen schon ausdrücklich für diese Option gestimmt. Es verwundert kaum, dass unter ihnen allerdings nur wenige Journalist_innen sind, die für Zeitungs- und Zeitschriftenverlage arbeiten. Das zeigt, wie zerrüttet in diesem Bereich inzwischen das Verhältnis zwischen Urheber_innen und Verwertern ist. Dass die Kolleginnen und Kollegen so vehement auf dem Prinzip „Alles für mich, nichts für den Verlag“ bestehen, haben sich die Verlage und ihre Spitzenverbände selbst zuzuschreiben: Wegen der immer weiter um sich greifenden Tarifflucht bei den festangestellten Redakteur_innen, vor allem aber wegen der in vielen Zeitungsredaktionen häufig beschämend niedrigen Honorare für die Freien – beides untrügliche Zeichen, dass die Arbeit von Journalist_innen von deren Arbeit- und Auftraggebern nicht wertgeschätzt wird.

Wohlmeinende, die zuletzt trotzdem noch erwogen hatten, die Zeitungsverlage zumindest teilweise an den Erlösen der VG Wort zu beteiligen, wurden spätestens Anfang März dieses Jahres eines Besseren belehrt. Damals kündigte der BDZV die mit den Gewerkschaften vereinbarten Gemeinsamen Vergütungsregeln für freie Journalist_innen, deren Anwendung die meisten Verlage ohnehin verweigert hatten.

Vertragstreue sieht anders aus. Kein Wunder, dass die Freien den Verlagen nun die kalte Schulter zeigen.

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Neuer Tarifvertrag für Filmschaffende

Nach fünfmonatigen Verhandlungen gibt es einen Tarifabschluss für die rund 25.000 Filmschaffenden in Deutschland, der ab September gilt. Die ver.di FilmUnion erreichte gemeinsam mit der Schauspielgewerkschaft BFFS in Verhandlungen mit der Produzentenallianz Verbesserungen bei Arbeitszeiten, Freizeitphasen während der Dreharbeiten, Zuschlägen am Wochenende und bessere Bedingungen für Arbeitsverträge von Schauspieler*innen. Außerdem soll ab September über die Erhöhung der Gagen verhandelt werden.
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RBB-Freie: „Ohne uns wird‘s langweilig“

Am Tag der Arbeit demonstrierten mehr als 300 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Berliner Masurenallee vor dem Sendezentrum des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Denn sie wollen ihre Arbeit behalten, sie wollen Bestandsschutz, faire Honorare und Respekt für ihren qualifizierten Beitrag zum Programm der Zwei-Länder-Anstalt, die mal wieder den Rotstift ansetzt. Ganze Sendeformate sollen wegfallen. 75 Freien der Sendung „ZiBB“ wurde bereits das Ende ihrer Mitarbeit angekündigt.
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Aus’m Maschinenraum der Kulturarbeit

Ich bin Percussionist. (Hä?) Ok, ich bin Musiker. Und seit 2005 ver.di-Mitglied im Fachbereich Medien, Kunst und Industrie in Hamburg. Seit über dreißig Jahren professioneller Musiker, war ich 16 Jahre sogenannter Principal in Musical Orchestern, etwa bei Disneys „Tarzan“. Genauso lange war ich Freischaffender, hab etwa 250 CD-Produktionen gemacht, drei davon mit Ulrich Tukur.
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Aus‘m Maschinenraum des Journalismus

Es gibt gar keinen Professor Börne, klar, wissen alle. Nur: „Die-Medien-und-die-Politik“ gibt es auch nicht, und das sollten auch alle langsam wissen. Zumindest alle, die, wie Jan Josef Liefers vor einer Woche im Video „Die-Medien-und-die-Politik“ als eine Art Sammelbegriff nutzen. Schon lange und jetzt erst recht zeigt sich in Debatten, dass es einfacher ist, zu pauschalisieren, als sachlich zu diskutieren. Das mag ich so nicht mehr hinnehmen.
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