Berlin: Ausstellung zur Pressefreiheit

Ausstellung "Unter Druck - Journalisten im Visier - das Beispiel Türkei" in der MedienGalerie in Berlin: Journalisten bei Auseinandersetzungen mit der Polizei auf einer Demo in Istanbul
Foto: Christian von Polentz

Mit einem Appell für Meinungsfreiheit in der Türkei wurde am 15. März in der hauptstädtischen ver.di-MedienGalerie die Ausstellung „Unter Druck – Journalisten im Visier. Das Beispiel Türkei“ eröffnet. Die von der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) Berlin-Brandenburg initiierte Schau zum Thema Pressefreiheit läuft nun bis 18. Mai und wird von thematischen Veranstaltungen begleitet.

Zur Vernissage erinnerte Andreas Köhn, ver.di-Landesfachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie, an eine langjährige gewerkschaftliche Tradition, regierungskritische, demokratische Medien in der Türkei zu unterstützen. So sei der Erlös des Solidaritätsbasars der Berliner Medienschaffenden 1997 der Redaktion von Emek, einer Zeitung der linken türkischen Opposition in Istanbul überbracht worden. Heute sei Solidarität und Unterstützung für inhaftierte Journalist_innen nötiger denn je, erklärte Joachim Legatis in seiner Eröffnungsansprache. Der hessische dju-Sprecher hat seit 2012 mehrfach als Prozessbeobachter in der Türkei Verfahren gegen angeklagte Journalist_innen verfolgt. Manche Kollegen säßen seit acht Jahren in Haft. Nach dem gescheiterten Putschversuch vom Juli 2016 habe sich die Lage weiter zugespitzt. 2016 seien unter Erdogan 778 Presseausweise eingezogen, 19 Fernsehsender geschlossen und 129 Medienerzeugnisse verboten sowie 76 Websites zensiert worden. Legatis erinnerte an die erst Mitte Februar verhängten lebenslangen Haftstrafen für drei Journalisten. Es werde immer schwieriger, unparteiisch Informationen aus der Türkei zu erhalten, etwa über die aktuelle Militäroffensive im Norden Syriens.

Eröffnung der Ausstellung „Unter Druck – Journalisten im Visier – das Beispiel Türkei“ in der MedienGalerie: Joachim Legatis von der dju in ver.di plädiert für noch mehr Solidarität mit den verfolgten türkischen Journalist_innen
Foto: Christian von Polentz

Kampagne in Hessen gestartet

Doch, so der Redner, beeinflussten die despotischen Zustände unter Erdogan „zunehmend auch die freie Rede in Deutschland“. Bestimmte Symbole oder Bilder dürften bei Demonstrationen auf deutschen Straßen und Plätzen nicht gezeigt werden. Die dju Hessen hat gemeinsam mit dem Landesverband Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS), dem Bund türkischer Journalisten in Europa und weiteren Partnern als Aktionsbündnis eine Resolution für Meinungsfreiheit in der Türkei initiiert. Legatis forderte die Ausstellungsbesucher auf, diese zu unterstützen und sich an Postkartenaktionen für Inhaftierte in der Türkei zu beteiligen.

Die von der dju Berlin-Brandenburg gestaltete Schau vollzieht Schicksale einzelner türkischer Journalistenkolleg_innen nach, dokumentiert aber auch die bedrückende Liste von mehr als 150 Inhaftierten – beginnend bei Mustafa Erkan Acar, Nachrichtenchef der aufgelösten Tageszeitung Bugün, der seit dem 30. Juli 2016 im Gefängnis sitzt, endend mit Erol Zavar, Chefredakteur der kurdischen Zeitschrift Odak, der seit 2001 hinter Gittern und zu lebenslanger Haft verurteilt ist. Die Ausstellung zeigt Karikaturen zur aktuellen Situation und gibt einen kleinen historischen Rückblick. Sie weist aber auch darauf hin, dass Deutschland im weltweiten Reporter-ohne-Grenzen-Ranking der Pressefreiheit „nur auf Platz 16“ liegt. Fotos von polizeilichen Übergriffen auf Journalisten oder von Behinderung der Pressearbeit hierzulande sprechen für sich.

Begleitprogramm in der MedienGalerie

Alle Bilder in der Schau seien von den beteiligten Fotografen unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden, die Schau ausschließlich in ehrenamtlichem Engagement entstanden, betonte Constanze Lindemann für die MedienGalerie. Sie wies auf zwei Begleitveranstaltungen hin: Am 19. April 2018, 18 Uhr, wird Aziz Tunc (Verband der Schriftsteller VS Berlin-Brandenburg) aus seinem Buch „Töte du mich“ lesen und über die derzeitige Situation in der Türkei sprechen. Am 3. Mai 2018, zum Tag der Pressefreiheit, ist um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Christian Mihr (Reporter ohne Grenzen), Antonia von der Behrens (Rechtsanwältin und Prozessbeobachterin) sowie einer Redakteurin der taz gazete geplant. Man werde versuchen, auch den zur Eröffnung leider erkrankten Öczan Mutlu (MdB a.D.) noch in das Programm einzubinden.

Die Ausstellung kann montags und freitags von 14 bis 16 Uhr, dienstags von 17 bis 19 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr in der MedienGalerie Dudenstr. 10, 10965 Berlin, nahe dem U-Bahnhof Platz der Luftbrücke besucht werden.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Mehr Regionalität bei WDR und NDR

WDR und NDR gehen neue Wege bei der der regionalen Berichterstattung. Beim WDR sollen demnach zum 1. Januar 2027 die bisherigen Programmbereiche Aktuelles und Landesprogramme zu einem neuen Programmbereich mit dem Arbeitstitel "NRW" zusammengelegt werden - sofern die WDR-Gremien dem Vorhaben zustimmen. Der NDR startet ein neues Format für Jüngere bei YouTube.
mehr »

Für faire digitale Teilhabe

„Digitale und gesellschaftliche Teilhabe gehören zusammen!“ erklärt die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Gilda-Nancy Horvath auf der Jahrestagung des Netzwerks Medienethik in München. Teilnehmende aus Wissenschaft, Politik und Praxis diskutierten über die wachsende Bedeutung digitaler Medien und Künstlicher Intelligenz (KI) für die soziale Teilhabe in der demokratischen Gesellschaft.
mehr »

Spanien droht Musk mit Strafen

Für Elon Musk, Chef der Online-Plattform X ist der spanische Regierungschef ein „Tyrann“ oder ein „Faschist“. Pedro Sanchez will "Tech-Oligarchen" wie Musk persönlich strafrechtlich für Inhalte auf ihren Plattformen und für Manipulationen an Algorithmen verantwortlich machen und ein Social-Media-Verbot für junge Menschen einführen.
mehr »

Mehrsprachig gegen Desinformation

Die Organisation der Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM) hat einen Forderungskatalog vorgelegt, mit dem Desinformation wirksamer bekämpft werden kann. Schwerpunkt ist dabei unter anderem der Ausbau mehrsprachiger öffentlich-rechtlicher Angebote. Verlässliche Informationen dürften nicht nur auf Deutsch zugänglich sein, so NdM.
mehr »