G20: Alternatives Medienzentrum

„FC/MC“ – unter diesem Kürzel wird am 4. Juli in Hamburg ein neuartiges Medienzentrum eröffnet, um die Proteste gegen den dortigen G20-Gipfel zu begleiten. Das Konzept richtet sich nicht nur an Protestierende, die sich ihre eigenen Kanäle schaffen wollen. Alle Medien dürfen die Infrastruktur im Stadion des FC St. Pauli nutzen. In der Nacht zu Mittwoch waren schon über 330 Menschen aus 15 Ländern akkreditiert, ungefähr je zu einem Drittel in den Kategorien Medienaktivist_innen (die größte Gruppe), Freiberufler_innen und Festangestellte (etwa von der Zeit, Arte, dem ORF oder der New York Times).

Das FC/MC hat sich die „Neuerfindung des kritischen Journalismus“ auf die Fahnen geschrieben. Ein entsprechendes Manifest ist unter www.fcmc.tv zu finden. Die Online-Plattform soll Beiträge aller Medienschaffenden bündeln, um so eine „unabhängige Nachrichtenagentur“ zu schaffen. Während das „MC“ im Namen für „Media Center“ steht, kann das „FC“ laut den Veranstaltern verschiedene und auch wechselnde Bedeutungen haben, je nach dem Blickwinkel und je nachdem wie sich der G20-Gipfel entwickelt. Als Beispiele genannt werden etwa „Free Critical“ oder „For Context“.

Ein paar Hundert Arbeitsplätze sollen geschaffen werden, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Auch Fernseh- und Radiostudios entstehen. Pressekonferenzen verschiedener Protestgruppen sollen auf der Südtribüne des Stadions stattfinden. Hauptschauplatz solle der Ballsaal Süd werden, der 1000 Leute fasse und von dem erwartet werde, dass er auch voll wird. Rund 200 Leute werden bis zum 9. Juli die Infrastruktur aufrechterhalten, der professionelle Sicherheitsdienst allerdings nicht mitgezählt.

Der G20-Gipfel findet am 7. und 8. Juli statt, Proteste und Gegengipfel beginnen am 5. Juli.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Umfragen, die ins Weltbild passen

Junge Männer wollen, dass Frauen ihnen gehorchen? Meinungsforschungsinstitute vermarkten geschickt ihre zweifelhaften Umfrageergebnisse - und Medien folgen unkritisch der vorgegebenen Interpretation. Wie sich Geschlechterrollen auch in der Berichterstattung verfestigen können.
mehr »

Kritisch, regional und investigativ

„Regionaljournalismus – wichtiger denn je“ war das Forum der Initiative Qualität im Journalismus im Presseclub Nürnberg überschrieben. Die Initiative, bei der auch die dju in ver.di mitarbeitet, diskutierte über die in der Region besonders große Dichte von Privatradios, das Berichten über Rechtsextremismus und Deepfakes.
mehr »

Tschüss Papier, hallo Pixel

Ab heute ist die überregionale Tageszeitung nd-Der Tag, nach 80 Jahren, nur noch online zu lesen. Die gedruckte Wochenendausgabe bleibt bestehen. Seit dem 1. Januar 2022 hat die Zeitung die Rechtsform einer Genossenschaft.
mehr »

Immer Ärger mit der Obrigkeit

In seinem aktuellen Buch „Meinungsfreiheit“ analysierte Ronen Steinke deren aktuellen Zustand. Der promovierte Jurist und leitende Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung spricht mit M über seine Schlussfolgerungen.
mehr »