„Identitäre“ griffen Medienhäuser an

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju)  in ver.di verurteilt die Angriffe auf mehrere deutsche Medienhäuser, darunter die taz und die Frankfurter Rundschau, durch Gruppen der Identitären Bewegung (IB) am heutigen Morgen (14.01.2019): „Dieser konzertierte Angriff zeigt, wie bedrohlich die Situation für die Kolleginnen und Kollegen mittlerweile ist“, sagte dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Berger.

„Für die Pressefreiheit gilt mindestens Alarmstufe Gelb. Da gibt es dringenden Handlungsbedarf aller beteiligter Kräfte“, forderte Berger. Sie zeigte sich entsetzt darüber, dass eine Journalistin der taz vor dem Berliner Verlagsgebäude körperlich angegangen wurde, während sie versuchte, mehrere Männer und eine Frau der IB daran zu hindern, Plakate am Haus anzubringen. „Sowas darf nicht passieren oder akzeptiert werden: Die Verantwortlichen dafür müssen umgehend ermittelt und ihr Vorgehen geahndet werden. Und Verlage, Rundfunkanstalten sowie Einsatzkräfte müssen prüfen, wie journalistische Arbeit besser geschützt werden kann. Dafür bringen wir als Gewerkschaft auch weiterhin unsere Expertise ein“, kündigte Berger an.

Am Morgen des 14. Januar waren Trupps der IB in mehreren Städten ausgerückt, um an  Gebäuden von Zeitungsverlagen, Sendern, Organisationen und Parteien mit Plakaten und Flyern ihre ethnopluralistische Politik zu propagieren. Vor dem Gebäude der taz stellte sich eine Mitarbeiterin den IB-Aktivisten mutig in den Weg und versuchte, die Aktivist*innen daran zu hindern, ihre Poster anzubringen. Es kam zu einer gewalttätigen Rangelei. „Einer der Täter drang ins Haus ein und warf einen Stapel Flugblätter in den Eingang. Augenzeuginnen beschreiben die Szene als hektisch, aggressiv und bedrohlich. Eine Kollegin rief die Polizei, die sofort kam. Da war die Gruppe bereits verschwunden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz“, heißt es im taz-Hausblog.

In Frankfurt am Main war die Polizei am Morgen mit einem großen Aufgebot vor dem Bürogebäude in der Mainzer Landstraße, in der auch die Frankfurter Rundschau ihre Redaktion hat, zur Stelle. Sie überprüfte einen Kleintransporter und mehrere Personen, die sich vor dem Verlag versammelt hatten. „Etwa zehn Personen wurden von der Polizei festgehalten, Koffer und Rucksäcke wurden durchsucht und Personalien überprüft. Auf dem Boden lagen Flyer und Plakate, von „Wann reden Sie über linke Gewalt?“ war zu lesen, das Logo der „Identitären Bewegung“ kennzeichnete die Urheberschaft; ein großes Transparent stand noch zusammengerollt auf einem Aufsteller. Der Pressesprecher der Polizei, Giovanni Filpi, bestätigte auf Nachfrage der FR, dass es sich um einen Einsatz gegen die „Identitäre Bewegung“ handelte. Man habe die Gruppe, bei der es sich zunächst um mehr als einem Dutzend Personen gehandelt haben dürfte, beim Plakate kleben gestellt und stelle nun die Personalien sicher. Es liege vermutlich ein Verstoß gegen das Versammlungsrecht vor, ein Plakat sei von der Polizei vom Gebäude entfernt worden“, heißt es in einem Online-Bericht der Frankfurter Rundschau. Inzwischen habe die Polizei mitgeteilt, dass „vorangegangene Ermittlungen“ zu dem Einsatz geführt hätten, der die „geplante Aktion der Identitären Bewegung verhinderte“.

Plakataktionen sollen auch vor der SPD-Bundeszentrale, der Zentrale der Grünen in Berlin, dem ARD-Hauptstadtbüro und vor dem Verlagsgebäude des Spiegel stattgefunden haben.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Israel vor der Parlamentswahl

Wenn nächste Woche in Israel die Wahllokale öffnen, stimmen rund 7,3 Millionen Wahlberechtige über mehr ab, als nur die Verteilung von 120 Parlamentssitzen. Es ist die erste Wahl nach dem Terrorangriff 2023. Seitdem wurde auch die Pressefreiheit erheblich eingeschränkt.
mehr »

Angriff auf die letzten kritischen Medien

Am Zeitungskiosk in Belgrads Innenstadt scheint mit der großen Auswahl an Magazinen und Zeitungen noch Medienvielfalt zu herrschen. Doch dieser Eindruck täuscht: Die meisten Printprodukte und Fernsehsender stehen Machthaber Aleksandar Vučić nahe. Unabhängiger Journalismus gerät zunehmend unter Druck.
mehr »

Auch Faktenchecker streichen Stellen 

Correctiv ist spätestens seit der Enthüllung zu einem Geheimtreffen von rechtsextremen Akteuren im November 2023 in Potsdam deutschlandweit bekannt. Die Faktenchecker aus Essen und Berlin haben in Folge der Berichterstattung über einen „geheimen Masterplan“, auch „zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“, gegen die es Unterlassungsklagen und Gerichtsurteile gibt, Massenproteste gegen die AfD, Ausgrenzung und Rassismus ausgelöst.
mehr »

ZDF: Mehr Barrierefreiheit dank KI

„Ein ZDF für alle“ – so lautet seit 2022 das Zielbild des öffentlich-rechtlichen Senders. Damit will das ZDF unter anderem auf die veränderte Mediennutzung, die digitale Transformation und eine zunehmend fragmentierte Öffentlichkeit reagieren. Dazu gehört auch, bis 2028 barrierefreie Angebote auszubauen. Dabei will das ZDF nun stärker auf KI setzen.
mehr »