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#Krassmedial: Medientage am Wannsee

Die Zukunft des kritischen Journalismus ist Kooperation statt Konkurrenz“, gab der Journalist Harald Schumann den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der 9. ver.di-Medientage mit auf den Weg. Am Berliner Wannsee ging es ein Wochenende lang um journalistisches Arbeiten mit Handwerk und Haltung, wenn Stress und Druck herrschen, Klicks und Quoten zählen – und die Glaubwürdigkeit des Berufsstands von Teilen der Gesellschaft in Zweifel gezogen wird.

Die große Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten verbreite nur noch affirmativ die Verlautbarungen der Mächtigen, so Schumann, Redakteur beim Tagesspiegel und Gründer des europäischen Journalist*innen-Netzwerks „Investigate Europe“. Schuld daran seien vor allem die Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssten. Trotzdem: „Wir sind nicht die vierte Gewalt, aber wir sollten unbedingt versuchen es zu sein.“ Denn nur kritischer und aufklärerischer Journalismus, der unbequeme Fragen stellt und bekanntmacht, was die Mächtigen lieber für sich behalten hätten, rechtfertige auch journalistische Privilegien wie etwa das Recht auf Quellenschutz.

Was es braucht, um einen solchen Journalismus möglich zu machen, erfuhren die Medienschaffenden unter anderem von BuzzFeed News-Reporter Marcus Engert, für den die Polizei keine privilegierte Quelle mehr ist, oder Thomas Wiegold, der als freier Journalist und Autor des Blogs augengeradeaus.net weiß, wie man sich Akzeptanz verschafft, auch wenn keine große Medien-marke hinter einem steht. Wie Journalistinnen und Journalisten dabei auch noch auf der sicheren Seite bleiben, erklärten dagegen der juristische Direktor des MDR, Prof. Dr. Jens-Ole Schröder, und Rechtsanwalt mit Schwerpunkt IT- und Medienrecht Jasper Prigge. Der empfahl: Nichts sei nachhaltig wirkungsvoller, als die eigenen Rechte mit allen Mitteln einzufordern, denn „Klagen haben einen disziplinierenden Effekt“.

Klare und zugleich ermutigende Worte fand zum Abschluss der Journalist und Leitartikler der Frankfurter Rundschau Stephan Hebel, der dazu aufforderte, „aus Haltung heraus zu berichten“. Doch stehe die privatwirtschaftliche Organisation von Medien in einem Widerspruch zur ihrer Rolle als kritische Wächter der Demokratie. Als „Lieferant diskursiver Energie, ohne die der Staat schwer beschädigt zu werden droht“, könnte Journalismus ebenso wie die Wasser-, Strom- und Gasversorgung als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge gesehen werden. Doch „das geht nur mit einem Journalismus, der die Welt mit eigener Haltung betrachtet“.

 

 

 

 

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