Leserumfrage: Medienpolitik auf Platz 1

Kritik und Vorschläge: Leserinnen und Leser bewerten M Menschen Machen Medien

Im letzten Quartal 2010 wurde für ver.di Publik sowie für die drei Fachmedien M – Menschen Machen Medien, Druck+Papier, Kunst+Kultur eine Leserbefragung telefonisch und per Online- und Offline Fragebogen durchgeführt. ver.di wollte wissen: Wie bewerten, wie nutzen die Leserinnen und Leser ihre Publikationen. Dabei wurden folgende Themenbereiche genauer betrachtet: die Lese- und Nutzungsintensität der Fachmedien, die Themen-/Rubrikenbewertung, die Mediennutzung im allgemeinen, das Zusammenspiel Online / Print und die Strukturdaten der Leser (Aufgabenbereiche, Branche). Als Quotierungsmerkmal wurde die Altersstruktur der Mitgliedsdatei herangezogen. Pro Erhebung der Nutzer wurde eine Netto-Fallzahl von 300 rekrutiert (bei M: 177 Fragebögen online und 123 auf Papier); der telefonischen Erhebung der Nichtnutzer liegen jeweils 100 vollständige Interviews zugrunde. Insgesamt füllten 523 Leser einen M-Fragebogen aus: Schade, dass es nicht mehr waren.


An dieser Stelle sollen vor allem die Ergebnisse für M – Menschen Machen Medien zusammengefasst werden, mitunter mit einem Blick auf Publik und die beiden anderen Publikationen des Fachbereiches Medien, Kunst und Industrie. So lässt sich zunächst sagen, dass insgesamt die Leserbindung aller vier Publikationen positiv bewertet wird. Ähnlich gleich ist in allen Fachgruppen bzw. bei den Lesern die Altersverteilung. Den größten Teil finden wir bei 50 Plus (M 50%, D+P 59%, K+K 62%). Bis 39 Jahre sind es dagegen bei M nur 21 % (D+P 14%, K+K 12%).
Publik und M erschienen bisher neun Mal im Jahr. Hier gaben bei Publik 68% und bei M 81% an, alle Ausgaben zu lesen. Gelesen wird überwiegend zu Hause. Mitleser gibt es kaum. Die Lesedauer liegt – alle vier zusammen genommen – zwischen 33 und 52 Minuten, bei M sind es 43 Minuten. 64% geben an von M fast alle Seiten zu lesen, 23% lesen etwa ein Viertel.

Grafik 1
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Während 85% der Befragten das Magazin-Format von M hoch einschätzen (Note 1,7) gibt es für die Verständlichkeit, den Informationswert die Länge der Beiträge und die journalistische Qualität nur die Note zwischen 2,3 und 2,5. Die Politische Tendenz, das Themenangebot und der Nutzen für den beruflichen und betrieblichen Alltag kommen auf die Note 2,7. Die Prägnanz der Beiträge erhält eine 2,9. Exklusivität, Neuigkeitswert und Aktualität liegen bei 3,1 bzw. 3,0 – Titelseite ebenfalls bei 3,0 und optische Aufmachung und Design auch bei 3,1. Gering wird der Unterhaltungswert mit der Note 3,9 eingeschätzt. So ergibt sich im Durchschnitt eine Note von 2,6 für M. Das ist kein schlechtes Ergebnis. Schaut man sich jedoch für M wichtige Bereiche wie Nutzen für den beruflichen und betrieblichen Alltag, Prägnanz, Exklusivität oder auch die Gestaltung an, zeichnen sich deutlich Steigerungsmöglichkeiten ab (vgl. 1. Grafik).

Grafik 2
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Interessant sind auch die Ergebnisse der Inhalte-Bewertung bei M. Auf die Frage: Wie wichtig sind für den Einzelnen die behandelten Inhalte, steht an erster Stelle Medienpolitik, es folgen Berufspolitik, Rechtspolitik, Tarifpolitik, Gewerkschaftspolitik und Service-Seiten (2. Grafik unten). 49% der Befragten wünschen sich mehr medienpolitische Themen. Bei der Berufspolitik, der Tarifpolitik, der Gewerkschaftspolitik und der Rechtspolitik sagen zwischen 57 und 61%, dass die Menge der Inhalte optimal sei, zwischen 11,7% (Gewerkschaftspolitik) und knapp 25 % wünschen sich mehr davon. Für 46% der Leser ist die Menge an Service-Seiten optimal, nur 15,8% würden gern mehr davon haben.

Zahlreiche Anregungen bringen die Antworten auf die Frage: Gibt es andere Themen, über die M berichten sollte? Einige Beispiele der aufgeführten Anmerkungen:

  • Akteure vorstellen, mehr aktuelle Interviews, allgemeine Essays zum Thema Medien, Testberichte
  • Freischaffende bei Bühne/Film/Fernsehen (Stab, d.h. Techniker, Handwerker, Dienstleister, Künstler) statt Schwerpunkt Journalismus
  • weniger über irgendwelche Podiumsdiskussionen und geschraubte Gewerkschaftsprosa, mehr aus dem journalistischen Alltag
  • mehr über Medienpolitik in anderen Ländern wie Schweden, Kanada, Norwegen. Also „normale“, gibt es Zensur, Druck usw.
  • Ich würde ab und an Porträts von freien Medienschaffenden, die in außergewöhnlichen Feldern tätig sind, begrüßen; bislang waren die meisten Porträts von Betriebsräten oder sonstigen Festangestellten
  • Ressortabstufungen, z.B. mehr Wissenschaft, Berichte über Nachwuchsjournalisten – über die Werbelandschaft, Agenturen etc. Das wird leider komplett ignoriert
  • Porträts von (Zeitungs-)verlagen aus Gewerkschaftssicht.

Das Image von M sehen die Befragten eher kritisch. Lediglich 49% „halten M für eine gute Werbung“ für ver.di (D+P 66%, K+K 59%) und demnach bejahen nur 44% die Aussage, dass ihnen ohne ihre Fachbeilage etwas fehlen würde. (D+P 73%, K+K 65%). Gering insgesamt ist die Bereitschaft für die Fachbeilage etwas zusätzlich zu zahlen, bei M nur 7%, bei D+P 12% und bei K+K 14%.
Der Vorschlag eines Online-Angebotes anstelle des gedruckten Mediums oder gar eines Newsletters als Ersatz, ist in allen drei Zielgruppen nicht gewünscht. Auch eine Auslage in den Betrieben trifft bei den Lesern auf ganz wenig Zustimmung.
Die Online-Affinität liegt in allen Zielgruppen im positiven Bereich: M 92%, D+P 66%, K+K 74%. Und obwohl das Internet intensiv genutzt wird, ist das Internetangebot der einzelnen Fachbeilagen entweder nicht bekannt oder wird äußerst selten genutzt. In der Abfrage, welche ver.di-Seiten am stärksten genutzt werden, punkten verdi.de, dju.verdi.de, mediafon.net und druck.verdi.de.

Grafik 3
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Mehr als 13% der an der Umfrage Beteiligten sind seit mehr als 40 Jahren in der Gewerkschaft, 13% zwischen 5 und 10 Jahren. Dazwischen bis 20, 25, 30, 35 Jahre jeweils zwischen 7 und 12%. 19,3% aller Teilnehmer/innen an der Umfrage haben gewerkschaftliche oder betriebliche Funktionen inne.
In der telefonischen Erhebung der Nichtnutzer (Bezieher, die ihre Fachbeilage zwar zur Kenntnis nehmen, aber nur ganz wenige Ausgaben nutzen) wurde nach den Gründen der „Verweigerung“ gefragt. Dazu heißt es in der Auswertung des Instituts unter anderem: Auch in diese Zielgruppe trifft der Informations-Overflow, sodass die mangelnde Zeit von allen drei Befragtengruppen am häufigsten als

Grafik 4
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Grund der Nichtnutzung genannt wird. Bedenklich allerdings sind die Aussagen „die dort behandelten Themen interessieren mich nicht“ (28% over all), die „Publik-Themen haben zu wenig mit meiner Arbeits- und beruflichen Situation zu tun“ (50 over all) und „Infos zu den dort behandelten Themen hole ich mir aus anderen Quellen“ (46% over all). Damit attestieren die Nichtnutzer den erhobenen Medien einen zu geringen Nutz- und Informationswert.

Im Detail wird bei M vor allem das Format (85%), die Verständlichkeit (66%), der Informationswert (65%), die Länge der Beiträge (62%) und die politische Tendenz (61%) auf die ersten 5 Plätze gewählt. Bei der Betrachtung der Themenerwartungen zeigt sich auch hier im Wunschprofil ein klares Votum für Medienpolitik (84%, Note 1,7) und die Berufspolitik (71%, Note 2,2). Danach kommen die Rechtspolitik (54%), Tarifpolitik (54%) und die Gewerkschaftspolitik (47%). Unterm Strich gibt es trotz relativ großer Akzeptanz und positiver Leserbindung also jede Menge zu verbessern in M!
Die Leserbefragung wurde im Auftrag von ver.di vom PMF Public Marketing, Würzburg/München durchgeführt.

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