Perspektive gesucht

Lange hat es gedauert, aber jetzt haben sich die drei Tarifpartner im Rahmen der Initiative „Qualität im Journalismus“ darauf geeinigt, dass der Volontärstarifvertrag zur Ausbildung an Tageszeitungen, der seit 1990 unverändert in Kraft ist, dringend einer Aktualisierung bedarf. Seither hat es nicht nur eine rasante technologische Entwicklung gegeben, es sind auch neue Arbeitsgebiete wie der Datenjournalismus und Soziale Medien entstanden.


Doch wie soll die Reform des Volotarifvertrags aussehen? Um dies zu diskutieren hatte die Initiative Qualität am 3. März nach Bonn zur Deutschen Welle eingeladen: „Die Besten gewinnen: Markt und Möglichkeiten“. „Kommen Ihnen die Besten abhanden?“, fragte IQ-Sprecherin Ulrike Kaiser eingangs BDZV-Vertreter Hans-Joachim Fuhrmann, der zugab, dass die zeitige Umorientierung zur PR bei Studierenden sehr groß sei. Ulrich Janßen, dju-Vorsitzender, betonte, dass die einfache zeitliche Verlängerung des Volontariats keine Lösung sei, sondern auch eine inhaltliche Überarbeitung notwendig sei. DJV-Vorsitzender Michael Konken lobte, dass es nach etlichen Einzelvorschlägen („Flickschusterei“) endlich eine gemeinsame Initiative gebe, nach zeitgemäßen Standards zu suchen.
Eine Umfrage zur aktuellen Ausbildungssituation in den Redaktionen hatten die Professoren Beatrice Dernbach und Klaus Meier in den Wochen vor der Veranstaltung organisiert. Ein Ergebnis war, dass sich Ausbildungsredakteurinnen mehr um ihre Weiterbildung zum „Trainer“ kümmern als die Männer mit dieser Aufgabe. Details wird die Dokumentation der IQ-Veranstaltung bieten.
Der Personalberater und frühere Leiter der Burda-Journalistenschule Bernhard Rosenberger stellte in seinem Vortrag „Die Besten erreichen – Personal mit Planung“ fest, dass Kritik am mangelnden Weitblick der Verlage unverändert gültig sei. Im Branchenvergleich sieht er die Medienbetriebe im unteren Drittel bei der Personalentwicklung. Es herrsche „Gutsherrenart“ und „Gießkannenprinzip“. „Die Jungen wollen Herausforderungen, aber auch eine gute Vergütung als Teil der geforderten Wertschätzung.“ Der Drang zu „Irgendwas mit Medien“ allein ziehe nicht mehr, die Verlage müssten aus ihrem „Dornröschenschlaf“ aufwachen, um guten Nachwuchs zu rekrutieren.
An vier Ständen stellten Verlage, Hochschulen, Akademien und Journalistenschulen ihre Journalistenausbildungen vor und mussten viele, auch kritische, Fragen der rund 100 Teilnehmer beantworten. Die Zusammenfassung samt eigenem Kommentar hatten vier junge Leute unter dem Titel „(Wie) Für uns geschaffen?“ übernommen: Miriam Scharlibbe und David Gillengerten von der dju sowie Helene Pawlitzki und Gregor Landwehr vom DJV. Dabei wurde deutlich, dass es nicht reicht, eine interessante Ausbildung anzubieten, um die „Besten“ für die Redaktionen zu gewinnen. „Denen muss man auch etwas bieten“, erklärte Miriam Scharlibbe. „Wir sind bereit, alle geforderten Dinge mitzubringen, aber gebt uns irgendwie eine Aussicht auf eine Perspektive.“

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In einer juristischen Auseinandersetzung mit Georg Friedrich Prinz von Preußen hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Berufung beim Kammergericht Berlin eingelegt. Damit wehrt sich ver.di gegen eine auf Antrag des Prinzen von Preußen erlassene Einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin. Gegenstand ist eine Äußerung in einem Artikel des ver.di-Medienmagazins „Menschen Machen Medien“ vom Juli 2020.
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