WDR-Journalist seit Jahren kaltgestellt

WDR Gebäude

WDR-Funkhaus in Köln Foto: 123rf/gehapromo

Viele Jahre galt er als „programmprägender Journalist“ des WDR und Redakteur mit Expertise auf dem Energiegebiet. Drei Jahre war er Korrespondent und Studioleiter der WDR-Hörfunkredaktion in Moskau. Nach seiner Rückkehr 2002 übernahm er im WDR das Fachgebiet Energie. Seine kritischen Kommentare und investigativen Recherchen stießen bald auf heftige Reaktionen in Politik und Wirtschaft. Es folgten Einschränkungen in seiner Arbeit von Seiten des WDR. Inzwischen ist er kaum noch auf Sendung. Das will sich Jürgen Döschner nicht länger gefallen lassen und reichte Klage beim Arbeitsgericht Köln ein.

Nur noch fünf Stunden ist Döschner derzeit im Monat im WDR zu hören und das bei einem Jahresgehalt von 100 000 Euro. Brachliegendes Potenzial in Zeiten des Ukrainekrieges und der Debatten um die Unabhängigkeit von russischen Energieträgern. Noch von 2011 bis 2017 offiziell als „Energie-Experte“ der ARD ausgewiesen, reiste der fließend russisch sprechende Journalist 2014 nach der russischen Militärinvasion in die Ostukraine für eine Reportage über das Atomkraftwerk Saporischschija.

Aufgrund seines „profunden Wissens“ könne Döschner nach wie vor dem WDR einen „erheblichen Mehrwert“ in der Energie-Berichterstattung bieten, befindet Rechtsanwalt Jasper Prigge. Stattdessen ziehe es der Sender vor, „die vorhandenen Ressourcen ungenutzt zu lassen und den Kläger fortwährend nicht zu beschäftigen“. Seit 2019 betreibe der WDR „eine systematische Demontage des Klägers, der trotz seiner Fähigkeiten nicht als Redakteur/Reporter eingesetzt wird und damit faktisch kaltgestellt ist“, begründet Prigge den Gang vor Gericht und fordert für seinen Mandanten „Schadenersatz wegen Nichtbeschäftigung“. Der Streitwert liegt bei 75 000 Euro.

Auch von Machtmissbrauch wird die Rede sein. Denn bereits produzierte Beiträge wurden ohne Begründung aus dem Programm genommen oder gar kurz vor Ausstrahlung gestoppt. Fragen des Redakteurs blieben unbeantwortet. Für die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) bei ver.di, Monique Hofmann, gehe der „Fall Döschner“ weit über den individuellen Konflikt hinaus. Man müsse sich erneut fragen, „wie es im WDR inzwischen eigentlich um den Umgang mit Machtmissbrauch bestellt ist? In einem Sender, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, mit besonderem Vorbild in Sachen Machtmissbrauch voranzugehen, stößt der unangemessene Umgang mit einem renommierten Journalisten doppelt auf“, wird Hofmann im „Kölner Stadtanzeiger“ und bei correktiv.org zitiert. Beide Medien berichteten am 28. Oktober ausführlich über den Fall, der für Monique Hofmann „mit Blick auf Vorfälle in anderen Landesrundfunkanstalten aber auch deshalb von höchster Aktualität und Brisanz ist, weil er ein Schlaglicht wirft auf die Frage, wie gut Journalistinnen und Journalisten in den öffentlich-rechtlichen Sendern eigentlich in ihrer Berichterstattungsfreiheit geschützt sind.“

 

 

 

 

 

 

 

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