Editorial: Unauflösbare Widersprüche

Es ist paradox! Da sehen großmächtige Verlage nur in einem für sie neu definierten Leistungsschutzrecht die Rettung vor der Konkurrenz der Portale wie Google & Co. im Netz, um dann doch einzuknicken, wenn die wortlautgetreue Umsetzung droht.


Da heißt es bei der Echo Medien GmbH, man werde sich künftig auf das „Kerngeschäft” konzentrieren und verkündet im gleichen Atemzug die Halbierung der Belegschaft, die Redaktion eingeschlossen. Da tönt DuMont Schauberg von einem Zukunftsprogramm „Perspektive Wachstum”, bei dem man auf die Verzahnung der digitalen Welt baue und wofür eine Umstrukturierung notwendig sei. Konkret wird jedoch das Unternehmen zerstückelt, Tarife werden ausgehebelt, Redaktionen und Verlage weiter ausgedünnt. Da werden bei Gruner + Jahr in den nächsten Jahren 400 Stellen mit dem Vermerk „kann weg” versehen. Um den Verlag fit für den digitalen Wandel und die Zukunft auf den Zeitschriftenmarkt zu machen, ist die Begründung. Erste Beschäftigte der Stern-Redaktion bekamen im Oktober ihre Kündigung.

Das ist nicht nachvollziehbar! Müsste nicht angesichts des „Kerngeschäfts” professioneller Journalismus – auf allen Verbreitungswegen – gerade in Redakteure und freie Journalisten ebenso wie in technische Innovationen und neue Geschäftsmodelle investiert werden? Ein „längst überfälliger Schritt” ist für den stellvertretenden ver.di-Vorsitzenden Frank Werneke deshalb auch die Einbindung der Onliner in den Redakteurstarifvertrag. Seit dem 1. Oktober ist das nun so.

Umbau- und Sparpläne – leider wie im Zeitungswesen meist ohne die Beschäftigten erdacht – kursieren derzeit auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. M 5/2014 berichtete über den Crashkurs des WDR, dem 500 Stellen zum Opfer fallen sollen. Im aktuellen Titel wird die fragwürdige Kehrtwende der Deutschen Welle zu einem globalen Informationsanbieter beschrieben. Ein ehrgeiziges Ziel der Intendanz, für das es kein ausreichendes Budget gibt und das schon jetzt zu Lasten bisheriger Kompetenzen und zu einem beschäftigungspolitischen Kahlschlag bei den Freien führt.

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