Amnesty International: Aktion für chinesische Reporterinnen

Im Vorfeld des G20-Gipfels in China Anfang September haben etwa 2.000 Menschen demonstriert, weil sie von den Behörden Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht fordern. Wer über dieses Thema berichtet, lebt allerdings gefährlich. Das bekamen auch mehrere Journalistinnen zu spüren, die kürzlich festgenommen wurden. Zwei von ihnen sind noch immer in Haft, von einer Reporterin fehlt seit Wochen jede Spur.

Bei den festgenommenen Reporterinnen handelt es sich sechs Mitarbeiterinnen des Online-Portals „64 Tianwang“ mit Sitz in der Provinz Sichuan. Während drei von ihnen nach mehreren Tagen Haft wieder freigelassen wurden, müssen zwei andere – Qin Chao und Yuan Ying noch im Gefängnis ausharren. Sie haben nach Angaben von Amnesty International keinen Zugang zu Rechtsanwälten und ihnen droht Folter.

Qin Chao aus Wugang in der Provinz Henan wird vorgeworfen, „Streit angefangen und Ärger provoziert“ zu haben. Sie wurde schon im Vorfeld des G20-Gipfels festgenommen. Die offizielle Inhaftierung erfolgte zehn Tage später am 8. September. Sie wird in einem Gefängnis in Pingdingshan festgehalten.

Yuan Ying ist in Chengdu inhaftiert. Sie hatte über die Kundgebung vor der Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei in Peking berichtet, auf der etwa 2.000 Menschen Wiedergutmachung verlangten, weil ihnen behördlicherseits Unrecht zugefügt wurde.

Völlig unklar ist die Lage ihrer Kollegin Lin Xiurong. Sie hatte in einem Artikel beschrieben, dass in Hangzhou, dem Tagungsort des G20-Gipfels, ein Stadion als Haftort für Menschen eingerichtet worden sei, die bei Behörden Petitionen eingereicht hatten und das öffentlich machen wollten. Seit dem 3. September fehlt von Lin Xiurong jede Spur. Die Website „64 Tianwang“ ist eine der wenigen Internetportale, die über Protestaktionen in China berichtet. Schon mehrfach wurden die zumeist ehrenamtlich für die Seite arbeitenden Mitarbeiter und Reporterinnen festgenommen und drangsaliert. Mindestens acht Journalist_innen von „64 Tianwang“ sind zurzeit im Gefängnis.

Was können Sie tun?

Schreiben Sie an den chinesischen Minister für Öffentliche Sicherheit und verlangen sie die sofortige Freilassung aller inhaftierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Internetportals „64 Tianwang“, weil diese lediglich ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und Berichterstattung wahrgenommen haben. Schreiben Sie auf Chinesisch, Englisch oder Deutsch an:

MINISTER FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT Guo Shengkun 14 Dong Chang’an Jie Dongcheng Qu, Beijing Shi 100741 VOLKSREPUBLIK CHINA E-Mail: gabzfwz@mps.gov.cn

Senden Sie eine Kopie Ihres Schreibens an:

BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA S. E. Herrn Mingde Shi Märkisches Ufer 54 10179 Berlin Fax: (030) 27 58 82 21 E-Mail: presse.botschaftchina@gmail.com

 

 

nach oben

weiterlesen

VG Wort: Ausschüttung im Juli gesichert

Die Hauptausschüttung für 2020 der Verwertungsgesellschaft Wort ist gesichert. Denn eine Mehrheit von rund 74 Prozent der Mitglieder hat schriftlich per Brief dem Jahresabschluss zugestimmt. Im Jahr 2020 hat die VG Wort 209,94 Millionen Euro aus Urheberrechten eingenommen. Im Vorjahr waren es 156,12 Millionen Euro. Das liegt an einer Nachzahlung für audiovisuelle Kopiergeräte in Höhe von rund 60 Millionen Euro für die Vorjahre.
mehr »

Wiki über die Klagen der Hohenzollern

Über 600 Interessierte waren am 15. Juni dabei, als der Verband der Historikerinnen und Historiker sein „Hohenzollern-Klage-Wiki“ vorstellte. Seit im November 2019 die Verhandlungen um mögliche Restitutionen öffentlich wurden, ging Prinz Georg Friedrich von Preußen in über 70 Fällen juristisch gegen Historiker*innen und Journalist*innen vor. Die Dokumentation bietet einen Überblick der historischen und juristischen Aspekte des Streits.
mehr »

Mehr Mitbestimmung für Freie in Sendern

Arbeitnehmerähnliche Personen bei den Rundfunkanstalten Deutsche Welle, Deutschlandradio, MDR und RBB erfahren mit dem am 15. Juni in Kraft tretenden, novellierten Bundespersonalvertretungsgesetz (BPersVG) eine Stärkung ihrer Mitbestimmungsrechte. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) begrüßt das als echten Fortschritt und als Erfolg der beharrlichen Forderungen von Gewerkschaften und Personalräten.
mehr »

Journalist*innen in Erbil festgehalten 

Mehrere Journalist*innen, die mit einer Delegation von Düsseldorf in den Irak unterwegs waren, wurden am 12. Juni in Erbil von irakischen Sicherheitsbehörden festgehalten. Die Deutsche Journalistinnen und Journalisten-Union (dju) in ver.di forderte eine umgehende Intervention durch deutsche Behörden. Nach jüngsten Informationen wurden die Journalist*innen, darunter vier dju-Mitglieder, am Folgetag zwar ausgeflogen, die Gewerkschaft sieht aber weiter Klärungsbedarf.
mehr »