Ungeliebte Helden der Nacht

Berliner Zeitungszusteller: In Berlins Westen wird die Zeitung auch noch auf die Fußmatte in der 4. Etage getragen. Schlüssel sind ein unentbehrliches Arbeitsmittel.
Foto: Christian von Polentz

„Sozialkrimi“ mit Zustellern in der Hauptrolle

Wenn neues Personal gesucht wird, gelten sie schon mal als „Helden der Nacht“, in der Regel dürfen sie in ironischer Selbstdarstellung „Schuften wie ein Pferd“, werden jedoch „bezahlt wie ein Pony“. Die Zusteller_innen als Letzte und Schwächste in der Zeitungsproduktionskette sind in den vergangenen Jahren mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Für ihre Arbeitgeber bleiben sie im schwindsüchtigen Printmarkt vor allem eines: Sparpotenzial.

Als „Frechheit“ angesichts des harten Jobs sahen es Betroffene und Gewerkschaften, ausgerechnet die Zusteller_innen vom gesetzlichen Mindestlohn auszunehmen. ver.di-Aktive, etwa bei Funke Logistik, rechneten seinerzeit vor, dass von 360 Euro, die ein Zeitungsabonnement kostete, „gerade mal 20 bei den Zustellern hängen“ bleiben. Redakteur_innen könnten sich wund schreiben, Drucker rotieren und Ver­lage ausliefern: „Wenn der Zusteller nicht läuft, ist alles umsonst.“ Solche Argumente verhallten.

Noch kurz vor Verabschiedung des Mindestlohn-­Gesetzes im Sommer 2014 gelang es den Zeitungsverlegern – dank intensiver Lobbyarbeit, sogar die Pressefreiheit ins Feld führend – eine Ausnahme durchzusetzen, nach der die Zeitungszustellung bis Ende 2017 geringer als mit dem geltenden Mindestlohn vergütet werden darf. Dieser abgesenkte Mindestlohn (2015 lag er bei 6,38, ab 2016 bei 7,23, jetzt beträgt er 8,50 Euro) ist allerdings nur anwendbar, wenn ausschließlich ­periodisch erscheinende Zeitungen, Zeitschriften und redaktionelle Anzeigenblätter ausgetragen werden. Sobald „Hybrid“zusteller auch anderes erledigen – Prospekte einlegen, Briefe austragen – oder reine Werbung verteilen, haben sie Anspruch auf den „vollen“ Mindestlohn. Da war Streit vorprogrammiert. Es gab und gibt ihn vielerorts, beginnend bei der Umrechnung von Stücklohn in Zeitlohn. Der volle Mindestlohn ließ sich mitunter – wie im Fall eines Zustellers aus Gera, der mit gewerkschaftlichem Rechtsschutz klagte – nur gerichtlich erstreiten, Nachzahlungen inbegriffen. Inzwischen sind die Schrauben, mit denen die Firmen den Verdienst ihrer Zusteller_innen – oft Geringverdiener, auch Rentner oder sogenannte Aufstocker – zu drücken versuchen, noch vielfältiger geworden. „Wegeoptimierung“ per GPS, Geschacher um Rüstzeiten, Feiertags- oder Nachtzuschläge gehören dazu, die für nächtliche Zeitungszustellung bis zu 30 Prozent betragen müssten. Vielerorts werden Sollvorgaben mit einem Geo-Informationssystem am grünen Tisch errechnet. „Wir hören von Betriebsräten immer wieder, dass die Zeit, die der Arbeitgeber vorgibt, nicht richtig ist“, sagt Rachel Marquardt von ver.di. So werde versucht, den Mindestlohn zu drücken.

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Nah am Geschehen

Er mag seinen Job sehr. Das merkt man am Enthusiasmus, mit dem Caspar Sachsse über ihn spricht: „Es gibt immer Abwechslung, ich reise viel, halte mich dabei selten länger an einem Fleck auf und ich sehe unübliche Orte. Ich war schon mal in einer Ketchup-Fabrik, wer kann das schon von sich sagen?“ Das merkt man aber auch am Eifer, mit dem er über das Drumherum spricht: „Ich erwarte mehr Verständnis von Politik und Behörden, dass unser Status endlich als solcher akzeptiert wird und die Rahmenbedingungen sich ändern!“
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