Elektronische Pressespiegel II:

Redakteurinnen und Redakteure der Nachrichtenagenturen fordern Lizenzrecht der VG Wort

Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) soll auch für elektronische Pressespiegel die den Urhebern zustehenden Vergütungen einziehen. Diese Klarstellung im Urheberrechtsgesetz hat der Tarifausschuss Nachrichtenagenturen der IG Medien gefordert, nachdem das Kölner Oberlandesgericht die Zuständigkeit der VG Wort für Lizenzverträge mit Herausgebern solcher Pressespiegel bestritten hat (Az.: 6 U 151/99, vgl. Meldung M 1-2/2000). Dem Urteil zufolge kann die VG Wort aufgrund des Urheberrechtsgesetzes lediglich Vergütungen für klassische (Papier-)Pressespiegel verlangen und an die Autoren ausschütten.Agenturjournalisten sind besonders betroffen, weil sie schon bisher aufgrund der meist fehlenden Namensnennung bei Veröffentlichung ihrer Arbeiten in klassischen Pressespiegeln leer ausgehen. Die Verweigerung der Lizenz für die VG Wort bei den elektronischen Pressespiegeln trifft aber alle Journalistinnen und Journalisten. Sollte das Urteil Bestand haben, würden sie weitgehend ihrer zum Teil sogar tarifvertraglich geregelten Ansprüche auf Vergütung beraubt. Nur eine klare Regelung des Gesetzgebers zur Gleichstellung von elektronischen mit klassischen Pressespiegeln könne die Enteignung der Urheber verhindern, sagte ein Sprecher des Tarifausschusses Nachrichtenagenturen in Stuttgart. Dem Tarifausschuss gehören Redakteurinnen und Redakteure aller großen Nachrichtenagenturen an.

Weiter verschärfen wird sich die Situation, wenn die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger wie angekündigt über eine eigens gegründete Gesellschaft selbst elektronische Pressespiegel auf den Markt bringen. Bisher verweigern die Verleger jede Beteiligung der Journalistinnen und Journalisten an den erwarteten Gewinnen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

ORF: Jetzt reden die Mitarbeitenden

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk Österreichs (ORF) steckt in einer tiefen Krise. Es geht demnach um mutmaßliche sexuelle Belästigung seitens des ehemaligen Generaldirektors, um ein toxisches Arbeitsklima, politische Einflussnahmen. Nach der Aktion "Nicht mit uns" fordern in der Aktion "Mit uns" nun zahlreiche Mitarbeitende Maßnahmen hin zu einer nachhaltigen und tiefgehenden Veränderung.
mehr »

DW: Mehr Protest gegen Kürzungen

Nun hat auch der Fachbeirat der Deutsche Welle Educational Programs (DW Deutsch lernen) laut dwdl.de in einer Stellungnahme die geplanten Kürzungen im Deutsch-Angebot des Auslandssenders kritisiert und vor massiven Schäden für den Sender gewarnt. Die DW hatte angekündigt, das Budget halbieren zu wollen, was zu großen Protesten geführt hatte.
mehr »

Medien-Appell: „Lasst uns nach Gaza“

In einem offenen Brief an die israelischen Behörden, unterschrieben von etwa 30 Medienvertreter*innen, darunter von „Le Monde“, fordert die International Press Association erneut den Zugang von Journalist*innen zur palästinensischen Enklave, die seit dem 7. Oktober 2023 geschlossen ist, sowie deren Schutz im Gazastreifen.
mehr »

Was bringt der Pressekodex?

Eine Anwältin wird in einer Boulevardzeitung identifizierend an den Pranger gestellt – obwohl sie nichts Unrechtes getan hat. Die Folge: Bedrohungen, eine rechtsextreme Kundgebung vor ihrer Kanzlei, Polizeischutz. Der Deutsche Presserat spricht Monate später eine Rüge aus. Der Schaden ist aber angerichtet.
mehr »