Hassbotschaften im Netz aktiv entgegnen

Facebook gab gestern die Gründung einer „Initiative für Zivilcourage Online“ bekannt. Der Internetriese will nun nicht nur Hassbotschaften im Netz zügig löschen, sondern in einem Netzwerk Online-Extremismus aktiv bekämpfen. Zu den Partnern gehört die Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung. Fragen an Anetta Kahane, die Vorsitzende der Stiftung, die Initiativen für Zivilgesellschaft und demokratische Kultur bündelt.

Anetta Kahane Foto: Peter van Heesen
Anetta Kahane Foto: Peter van Heesen

Frau Kahane, die Amadeu-Antonio-Stiftung wurde neben zwei Forschungseinrichtungen angesprochen, in der Initiative mitzuarbeiten. Wegen Ihrer Projekterfahrungen auf diesem Gebiet?

Ja, wir setzen uns ja seit langem in Projekten gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein. Verstärkt betrifft das auch das Internet, speziell die sozialen Netzwerke. Vorstellungen, dass sie als großer Tummelplatz für alle Nutzer gesehen werden konnten, sind von der Wirklichkeit überholt. Die digitale Zivilgesellschaft steht vor der riesigen Herausforderung, dem Hass auch im Netz entgegenzutreten. Wir haben bereits Projekte wie „netz gegen nazis“ entwickelt und auch in der Task Force des Bundesjustizministeriums zum Umgang mit Hass- und Gewaltbotschaften im Internet mitgearbeitet. Wir kennen unsere jetzigen Initiativpartner also aus längerer Zusammenarbeit.

Gibt es bereits konkrete Absprachen über Aufgaben, Strukturen und Konzept?

Nein, es wurde gestern erst beschlossen, wer genau dabei sein wird. Es geht nicht darum, zusätzliche Organisationsstrukturen zu etablieren, sondern darum, ein praktisches Vorgehen zu entwickeln. Wir sind uns einig, dass die angekündigten Sanktionen gegen Hate Speech allein nicht ausreichen. Wir müssen Tools und Strategien entwickeln, die Counter Speech, also aktive Gegenrede, zu einem erfolgreichen Instrument gegen Hass werden lassen. Da stehen wir noch ziemlich am Anfang, aber das ist die eigentliche Aufgabe.

Womit wollen Sie beginnen?

Wir werden systematisch darüber nachdenken, welche effektiven Instrumente man für die sozialen Netzwerke erarbeiten kann. Wir sammeln jetzt Vorschläge, wer alles mitarbeiten und uns aktiv unterstützen soll. Ich denke an Künstlerinnen, Internetaktivisten, Technikexperten, aber auch Pädagogen. In diese Richtung haben wir schon gearbeitet und werden uns weiter konzentrieren. Es geht darum, neue Formen der Ansprache, entsprechende Bildungsangebote und eine Kultur im Netz zu etablieren. Das schließt verantwortungsvolle Firmenpolitik, gesetzliche Rahmenbedingungen, aber auch die Zivilgesellschaft insgesamt ein.

Es ist von einer Million Euro zur Förderung der Initiative die Rede?

Die Zahl habe ich auch gehört. Aber ob das alles Geld für wissenschaftliche oder NGO-Projektarbeit ist oder auch einen Werbeetat beinhaltet, muss sich erst herausstellen. Zuerst brauchen wir ohnehin die zündenden Ideen, was konkret auf die Beine gestellt werden soll. Die Mittel dafür werden wir dann auch einfordern… (Fragen: Helma Nehrlich)

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