Frauen erfolgreich in der Medientechnologie

Foto: Hermann Haubrich

Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin wurde zum achten Mal der ARD/ZDF Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ verliehen. Mit dem Preis werden Arbeiten junger Wissenschaftlerinnen aus den Disziplinen Technik-, Ingenieurs und Medienwissenschaften mit Bezug zur Medientechnologie ausgezeichnet. Anlass des Förderpreises ist die Tatsache, dass Frauen in Radio und Fernsehen nach wie vor unterrepräsentiert sind, vor allem in den Produktions- und Technikbereichen. Der Preis ist ein Gemeinschaftsprojekt der ARD-Anstalten, des ZDF und der Deutschen Welle.

Den mit 5.000 Euro dotierten 1. Preis gewann Melanie Matuschak für ihre Masterarbeit „A Study on the Applicability of the Interoperable Master Format (IMF) to Broadcast Workflows“. In dieser Arbeit beschäftigt sich Matuschak (Jahrgang 1990) mit dem neuen Master-Format IMF für audiovisuelle Inhalte. Im Vordergrund steht die Frage, wie der TV-Broadcastbereich von einem angepassten IMF-Standard aus dem Kinobereich profitieren kann. Denn auch Broadcaster sehen sich in ihren Workflows im Hinblick auf UHD und unterschiedliche Distributionskanäle ständig neuen Herausforderungen gegenüber. Zurzeit arbeitet Matuschak im Bereich des Workflowconsulting bei der Firma Qvest Media in Köln.

Die Preisträgerinnen Anna Hilsmann - 2. Preis , Melanie Matuschak - 1. Preis und Katrin-Marie Schnell 3. Preis (v.l.n.r.). Foto: Hermann Haubrich
Die Preisträgerinnen Anna Hilsmann – 2. Preis , Melanie Matuschak – 1. Preis und Katrin-Marie Schnell 3. Preis (v.l.n.r.).
Foto Hermann Haubrich

Anna Hilsmann erhielt für ihre Doktorarbeit „Image Based Approaches for Photo Realistic Rendering of Complex Objects“ an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät II der Humboldt Universität Berlin den mit 3.000 Euro dotieren 2. Preis. In dieser Dissertation befasst sich Hilsmann (Jahrgang 1982) mit alternativen Darstellungsmöglichkeiten für komplexe Objekte. Am Beispiel von Kleidung entwickelt sie einen Bild-basierten Ansatz zur Animation komplex verformter Objekte. Aktuell leitet Hilsmann am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Berlin die Forschungsgruppe „Computer Vision&Graphics“.

Den mit 2.000 Euro dotierten 3. Preis gewann Kathrin-Marie Schnell (Jahrgang 1984) für ihre Masterarbeit „Remote Production – Evaluierung technischer Möglichkeiten für den Einsatz im Bereich Fußball-Live-Übertragung“ im Studienfach Zeitabhängige Medien – Sound/Vision an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Der Grundgedanke dieser „Produktion aus der Ferne“ besteht darin, kostengünstige Technik an wiederkehrenden Veranstaltungsorten fest zu installieren und mitsamt der Übertragung von Video- und Audiosignalen über das Internet fernzusteuern. Eine Technik, die es erlaubt, mit möglichst wenig Personal Live-Übertragungen und Highlight-Zusammenschnitte zu produzieren und online zur Verfügung zu stellen. Geeignet vor allem für Sportereignisse, die nur ein kleines Publikum ansprechen. Seit dem Studienende arbeitet Schnell als Produktionsingenieurin in der Außenübertragung Fernsehen beim NDR in Hamburg.

ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab, Anna Hilsmann - 2.Preis, Radio Bremen-Intendant Jan Metzger, Moderatorin Anja Koebel, Melanie Matuschak - 1. Preis, Katrin-Marie Schnell - 3. Preis und Ulrich Liebenow, Vorsitzender der Produktions- und Technikkommission (PTKO) von ARD und ZDF (v.l.n.r.). Foto: Hermann Haubrich
ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab, Anna Hilsmann – 2.Preis, Radio Bremen-Intendant Jan Metzger, Moderatorin Anja Koebel, Melanie Matuschak – 1. Preis, Katrin-Marie Schnell – 3. Preis und Ulrich Liebenow, Vorsitzender der Produktions- und Technikkommission (PTKO) von ARD und ZDF (v.l.n.r.).
Foto: Hermann Haubrich

„Ich habe den Eindruck, dass in Produktionsberufen Frauen stark im Kommen sind“, konstatierte Jan Metzger, Intendant von Radio Bremen. Dennoch sei die Veranstaltung von Wettbewerben und Preisverleihungen zur Frauenförderung offenbar noch nötig. Der diesjährige Schirmherr Metzger wünschte den Preisträgerinnen, „dass sie mit ihren Ideen und ihrem Engagement auch wirklich in den Organisationen, in denen sie arbeiten, gut landen können“. Auch ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab plädierte dafür, die öffentliche Aufmerksamkeit weiterhin auf dieses Thema zu lenken. Zwar mache der Anteil von Frauen in den Landesrundfunkanstalten bereits mehr als 50 Prozent aus. Allerdings bestehe noch Nachholbedarf bei der Quote in Führungspositionen. Ein Preis könne eine Möglichkeit sein, Anreize zu setzen. Noch wichtiger aber sei es, die Rahmenbedingungen so zu organisieren, dass es Frauen leichter falle, sich für eine Karriere zu entscheiden. Den Preisträgerinnen wünschte sie neben dem erforderlichen Idealismus auch die Fähigkeit, in ihrem Berufsfeld „ihr Standing zu festigen und auf diese Weise noch ein Stück weiter zu kommen“.

Der ARD/ZDF Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ wird seit 2009 vergeben. Er prämiert herausragende praxisrelevante Abschlussarbeiten von Frauen aus dem Bereich der Medientechnologie. Gesucht werden Abschlussarbeiten von Frauen, die an deutschen, österreichischen und schweizerischen Hochschulen die Fächer Technik- und Ingenieurswissenschaften, Medienwissenschaften sowie andere Fachgebiete mit Bezug zur Medientechnik studieren. Die Schirmherrschaft des Preises wird im jährlichen Wechsel von Intendantinnen und Intendanten der öffentlich-rechtlichen Anstalten übernommen. Die Bewerbungsfrist für den Preis 2017 – unter der Schirmherrschaft von ZDF-Intendant Thomas Bellut – beginnt am 1. November 2016 und endet am 28. Februar 2017.

 

 

nach oben

weiterlesen

Kaum Menschen mit Behinderung im Film

Diversität ist das Schlagwort der Stunde. Menschen mit dunkler Hautfarbe spielen Anwälte oder Ärztinnen, es gibt Serien über Personen, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen, und selbst bei ARD und ZDF sind homosexuelle Paare mittlerweile fast selbstverständlich. Eine Gruppe ist jedoch vergessen worden: Prominente Ausnahmen wie die kleinwüchsige Schauspielerin Christine Urspruch können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen nach wie vor kaum auftauchen. 
mehr »

SWMH: Der Kahlschlag der Knauser

Sparplan erfüllt: Die Redaktion der „Stuttgarter Zeitung“ (StZ) und der „Stuttgarter Nachrichten“ (StN) verliert fast ein Viertel ihrer Leute, darunter den Leiter des Berliner Büros. Der Kompetenzverlust ist dramatisch. Auch beim Flaggschiff „Süddeutsche Zeitung“ gehen die Leute von Bord. Für den Konzern Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) ist das bedrohlich, für die Kundschaft ebenso.
mehr »

Spotify aktiver auf dem Podcast-Markt

Podcast boomen in Deutschland, auch jene mit journalistischen Anspruch. Ein Grund für den bisherigen Musikdienst Spotify, sich auch als Medienplattform für ernsthafte Inhalte zu positionieren. Dafür hat Spotify erstmals zu einer All-Ears-Konferenz eingeladen. 1000 Besucherinnen und Besucher der Branche kamen am 5. Mai in die „Wilhelm Hallen“, eine hippe, alte Industrieanlage im Norden von Berlin. Im Vordergrund standen aufwändig produzierte und investigative journalistische Formate und die Abkehr vom einfachen Talk-Format.
mehr »

Hängepartie beendet – Fusionsfrage offen

Die deutschen Zeitschriftenverleger sehen die Branche in einer dramatischen Krise. „Wenn die aktuelle Entwicklung so weitergeht, sind bis 2024 über 2.000 Titel gefährdet“, warnte Philipp Welte, Vorstandssprecher des unlängst neu gegründeten Medienverbands der freien Presse (MVFP) am 26. April auf der Jahrespressekonferenz. Die eigenen Prognosen eher düster, blieb das Verhältnis zum Zeitungsverlegerverband vage gehalten. Coronabedingt wurde die Konferenz aus dem Web-TV-Studio der Bundespressekonferenz übertragen.
mehr »