Hoffnungsschimmer für einige

Sozialplan für KirchMedia abgeschlossen

Die Aufräumarbeiten bei der insolventen Kirch-Gruppe ziehen sich hin. Bis Ende September zeichnete sich noch keine Lösung für den Verkauf des Herzstücks KirchMedia ab. Immerhin haben sich dort Geschäftsführung und Betriebsrat auf einen Sozialplan geeinigt.

„Trotz des laufenden Insolvenzverfahrens“, so heißt es in einer Mitteilung der KirchMedia, werde das Unternehmen sein Kerngeschäft „mit dem größten Teil der Mitarbeiter aufrechterhalten“. Ein Hoffnungsschimmer für knapp 400 Kirch-Beschäftigte. Die schlechte Nachricht: 151 der bislang noch 544 KirchMedia-Mitarbeiter verlieren in zwei Kündigungswellen bis Ende 2003 ihren Job. Eine erste Welle traf 82 Beschäftigte, die das Unternehmen bereits zum 30. September verlassen haben. Mit der Auflösung ihrer Arbeitsverträge wurde den Betroffenen über den Eintritt in eine Transfergesellschaft die Teilnahme an einer dreimonatigen Sozialplanmaßnahme angeboten. Das Angebot umfasst Coaching, Out-Placement sowie Vermittlungshilfe und wird gefördert vom bayerischen Landesarbeitsamt. Durch diese Qualifizierungsmaßnahme können nach optimistischer Schätzung von KirchMedia „die Chancen einer zeitnahen Reintegration auf dem Arbeitsmarkt genutzt werden“. Die Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft war eine zentrale Forderung der „Interessengemeinschaft der Betriebsräte aus der Kirch-Unternehmensgruppe“. Zu dieser IG 2002 zählten Ende September neben dem Betriebsrat von KirchMedia die Personalvertretungen von sechs weiteren Kirch-Unternehmen mit insgesamt 2200 Beschäftigten. Die Chancen einer „zeitnahen Reintegration“ beurteilt Sandra Goldschmidt, Münchner Projektleiterin bei connex-av als „durchwachsen“. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt der bayerischen Metropole sehe „ziemlich schlecht“ aus, wobei qualifizierte Kräfte selbstverständlich bessere Karten hätten.

Nebel liegt auch noch über der künftigen Eigentümerstruktur der KirchMedia. Nach mehrfachem Verschieben der Bieterfristen lagen zuletzt vier potentielle Käufer in Lauerstellung: die Commerzbank – selbst Kirch-Gläubigerin gemeinsam mit dem US-Major Columbia, der Hamburger Bauer-Verlag gemeinsam mit Springer, dem Spiegel-Verlag sowie der Hypo-Vereinsbank, der französische TV-Konzern TF 1 mit US-Milliardär Haim Saban sowie eine Gruppe aus den KirchMedia-Altgesellschaftern Lehman Brothers, Rewe und dem saudischen Prinzen Al Waleed. Die Gebote lagen nach Presseberichten zwischen 1,6 und 2 Milliarden Euro. Von der Idee eines „integrierten Medienunternehmens“ mit eigenem Filmlager, Sportrechtehandel, TV-Produktion und einer Reihe von Sendern am Ende der Verwertungskette waren Interessenten und Konkursverwalter dem Vernehmen nach zuletzt abgerückt. Statt dessen zeichnete sich eine Zerschlagung des einst so stolzen Kirch-Imperiums ab. So deutete sich eine Herauslösung des in der KirchSportAG gebündelten Sportrechtehandels aus der KirchMedia an. Sowohl das KirchSport-Management um Alt-Profi Günter Netzer als auch Pleitier Leo Kirch höchst selbst hatten dafür Offerten abgegeben. Sogar ein direkter Einstieg bei einzelnen TV-Sendern der ProSiebenSat1Media AG wurde nicht gänzlich ausgeschlossen. Für diesen Fall sah Sandra Goldschmidt schwarz für die Zukunft der KirchMedia-Restbestände. Dann, so die connex-Projektleiterin, könnte das Interesse der Bieter „auf Null sinken“.

 

nach oben

weiterlesen

„Katapult“ wird nun auch online gespannt

Mecklenburg-Vorpommern ist flach und dünn besiedelt. Gleiches gilt für die dortige Print-Medienlandschaft. Gerade mal drei Tageszeitungen versorgen die 2,5 Millionen** Einwohner*innen mit News und Unterhaltung. Ein Greifswalder Startup will jetzt für mehr Vielfalt sorgen. Nahezu zeitgleich mit den ersten Urlaubern schnellte Katapult MV, eine digitale Lokalzeitung für Mecklenburg-Vorpommern, seine ersten Botschaften ins ansonsten wenig aufregende mediale Flächengetümmel.
mehr »

Hundert Antworten für eine smarte Zukunft

Wir sitzen im goldenen Käfig und merken es nicht mal: Holger Volland gibt in seinem Buch „Die Zukunft ist smart. Du auch?“ hundert Antworten auf die wichtigsten Fragen zum digitalen Alltag. Im Interview spricht er über die Herausforderungen und Risiken der Digitalisierung und verdeutlicht, warum der Wandel nicht nur die Politik, sondern uns alle angeht: weil jede Nutzung sogenannter smarter Technologien ihren Preis hat.
mehr »

Ohne Kino: „Ben Hur auf der Armbanduhr“

Im Rahmen der Ausstellung „Die große Illusion“, mit der die Stadt Bielefeld seit September die Geschichte des Kinos würdigt, diskutierten am 11. Mai einheimische Kinobetreiber*innen mit dem langjährigen Berlinale-Leiter Dieter Kosslick über die Frage „Stirbt das Kino?“. Hintergrund des Gesprächs waren nicht nur die Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie, sondern auch der scheinbar unaufhaltsame Siegeszug der Streamingdienste. Das Fazit war eindeutig: Das Kino wird überleben. Aber klar wurde auch: Einfach wird es nicht.
mehr »

Journalismus jenseits von Profit

Liegt die Zukunft des Journalismus jenseits von Profit? Noch ist spendenfinanzierter Journalismus in Deutschland die Ausnahme. Ein wesentlicher Grund: Bislang fehlen dafür die gesetzlichen Grundlagen. Nicht nur Aktivisten wollen, dass sich das ändert. Lässt sich die Politik im Bundestagswahlkampf dahin bewegen? Diese und andere Fragen stellten wir Oliver Moldenhauer, einem der Vorsitzenden des Forums Gemeinnütziger Journalismus, das Non-Profit-Organisationen im Medienbereich vereint.
mehr »