Paukenschlag für die Buchbranche

Bild: Pixabay

Die am Donnerstag bekanntgegebene Insolvenz des größten deutschen Buchgroßhändlers Koch, Neff & Volckmar (KNV) schlägt noch immer hohe Wellen in der Buchbranche. Erste Verlage berichten bereits von ausstehenden Zahlungen, Branchenexpert*innen befürchten Lieferengpässe bei den kurzfristigen Buchbestellungen im stationären Handel. In Gefahr sind aber auch die Arbeitsplätze von rund 1800 Beschäftigten an den Standorten Erfurt und Stuttgart.

KNV arbeitet an der Schnittstelle zwischen Buchproduktion und Buchverkauf und beliefert nach eigenen Angaben 5600 Buchhandelsfilialen mit Titeln von mehr als 5000 Verlagen. Das 1829 gegründete Unternehmen, zu dessen Kunden auch Amazon gehört, hatte bis zuletzt Verhandlungen mit einem Investor geführt, die jedoch am Abend des 13. Februar überraschend gescheitert waren. Verlage und Händler zeigten sich bestürzt über die Insolvenzankündigung.

Weil die Buchhandlungen vor allem kurzfristige Buchbestellungen ihrer Kund*innen in der Regel von Buchgroßhändlern wie KNV beziehen, befürchten Branchenexpert*innen nun Lieferengpässe. So wie der Geschäftsführer der Bonnier-Mediengruppe, Christian Schumacher-Gebler, der gegenüber der SZ von großen Problemen mit dem Barsortiment sprach, also jenen Titeln, mit denen KNV die „Über-Nacht“-Bestellungen von Kunden im Buchhandel bedient habe. „Wenn plötzlich etwa 40 Prozent des Marktes an Barsortimenten nicht mehr leistungsfähig wäre, dann bestünde ein großer Versorgungsengpass im Buchhandel“, so Schumacher-Gebler.

Doch selbst, wer seine kurzfristigen Buchbestellungen von den KNV-Konkurrenten Libri oder Umbreit bezieht, ist nun beunruhigt. Denn wenn letztere von jetzt an große Teile des Geschäfts unter sich aus machen, könnte das auch die Konditionen für die Buchhändler verschlechtern, so die Befürchtung der Branche laut Stuttgarter Zeitung.

Grund zur Sorge gibt es indes auch für die Verlage, vor allem für diejenigen, die größere Teile ihres Umsatzes durch Verkäufe an KNV erzielen. Dazu gehören vor allem die Kleineren. Offenbar würden nicht einmal die Einnahmen der letzten zwei Monate, zu denen auch das Weihnachtsgeschäft zählt, ausbezahlt, berichtet die SZ unter Berufung auf einen Bonner Kleinverleger.

Für die rund 1800 Beschäftigten der KNV-Gruppe heißt es nun abwarten. Der Insolvenzverwalter hat bereits am Freitag seine Arbeit aufgenommen.

nach oben

weiterlesen

„Katapult“ wird nun auch online gespannt

Mecklenburg-Vorpommern ist flach und dünn besiedelt. Gleiches gilt für die dortige Print-Medienlandschaft. Gerade mal drei Tageszeitungen versorgen die 2,5 Millionen** Einwohner*innen mit News und Unterhaltung. Ein Greifswalder Startup will jetzt für mehr Vielfalt sorgen. Nahezu zeitgleich mit den ersten Urlaubern schnellte Katapult MV, eine digitale Lokalzeitung für Mecklenburg-Vorpommern, seine ersten Botschaften ins ansonsten wenig aufregende mediale Flächengetümmel.
mehr »

Hundert Antworten für eine smarte Zukunft

Wir sitzen im goldenen Käfig und merken es nicht mal: Holger Volland gibt in seinem Buch „Die Zukunft ist smart. Du auch?“ hundert Antworten auf die wichtigsten Fragen zum digitalen Alltag. Im Interview spricht er über die Herausforderungen und Risiken der Digitalisierung und verdeutlicht, warum der Wandel nicht nur die Politik, sondern uns alle angeht: weil jede Nutzung sogenannter smarter Technologien ihren Preis hat.
mehr »

Ohne Kino: „Ben Hur auf der Armbanduhr“

Im Rahmen der Ausstellung „Die große Illusion“, mit der die Stadt Bielefeld seit September die Geschichte des Kinos würdigt, diskutierten am 11. Mai einheimische Kinobetreiber*innen mit dem langjährigen Berlinale-Leiter Dieter Kosslick über die Frage „Stirbt das Kino?“. Hintergrund des Gesprächs waren nicht nur die Schließungen aufgrund der Corona-Pandemie, sondern auch der scheinbar unaufhaltsame Siegeszug der Streamingdienste. Das Fazit war eindeutig: Das Kino wird überleben. Aber klar wurde auch: Einfach wird es nicht.
mehr »

Journalismus jenseits von Profit

Liegt die Zukunft des Journalismus jenseits von Profit? Noch ist spendenfinanzierter Journalismus in Deutschland die Ausnahme. Ein wesentlicher Grund: Bislang fehlen dafür die gesetzlichen Grundlagen. Nicht nur Aktivisten wollen, dass sich das ändert. Lässt sich die Politik im Bundestagswahlkampf dahin bewegen? Diese und andere Fragen stellten wir Oliver Moldenhauer, einem der Vorsitzenden des Forums Gemeinnütziger Journalismus, das Non-Profit-Organisationen im Medienbereich vereint.
mehr »