Wo Sanierer den Ton angeben

„Süddeutsche Zeitung“ muss weiter sparen – NRW-Beilage gestrichen

Wie man sich wehrt, so geht man, könnte der neue Krisenslogan lauten. Denn: Unter Spardruck ihrer Verlage proben einige Redaktionen die Gegenwehr. Zwar ist die nicht immer auf Anhieb erfolgreich, doch sie stärkt das Rückgrat, verhilft zu aufrechtem Gang und – verhindert womöglich weitere Gemeinheiten.

Das ist allerdings ein Euphemismus angesichts der Einschnitte, die bei vielen überregionalen Zeitungen schon an die inhaltliche Substanz gehen. Nicht mehr die journalistische Qualität steht im Mittelpunkt, sondern „rentierliche Auflage“, geht es nach dem Willen der Verlagssanierer. Und die haben klar das Kommando übernommen, wie das Beispiel „Süddeutsche Zeitung“ zeigt. Bislang bestand das funktionierende Macht-Dreieck aus den Besitzern (fünf Familienclans), der Verlagsleitung und der Chefredaktion. Doch seit dem Einstieg der Südwestdeutschen Medien-Holding (SWMH) mit 18,75 Prozent gibt ein „Lenkungsausschuß“ den Ton an. Dieses dreiköpfige Gremium unter Vorsitz des SWMH-Vertreters Oliver Carsten Dubber fungiert quasi als operativer Aufsichtsrat und ersetzt offenbar ein einstimmiges Gesellschaftervotum.

Zumindest sollen die Altbesitzer für drei Jahre einen Teil ihrer Macht für einen dreistelligen Millionenbetrag an das Gremium unter Neubesitzer-Führung abgegeben haben. Das Geld wird dringend gebraucht, denn 2002 hat die „SZ“ 34 Millionen Euro Miese gemacht, die Fachpublikationen des Süddeutschen Verlages sogar noch mehr. „Die weiter zurückgehenden Erträge, insbesondere der sich fortsetzende Einbruch im Stellenmarkt hätten … zusätzliche ergebnisverbessernde Maßnahmen notwendig gemacht und letztlich keine andere Wahl als die Einstellung des Verlustbringers gelassen“, zitiert die „SZ“-Unternehmenskommunikation Zeitungsgeschäftsführer Hans Gasser.

Der verkündete am 13. März das sofortige Aus für die erst 14 Monate zuvor gestartete NRW-Beilage und damit die Entlassung der 20 Düsseldorfer SZ-Redakteure. Die Unruhe und Empörung der Münchner Redaktion entlud sich in der Wochenendausgabe in mehreren kritischen Artikeln in eigener Sache – erstmals wäre beinahe das fast 50 Jahre alte „Streiflicht“ auf Seite 1 ausgefallen. Grundtenor des Protestes: „Die Qualität darf nicht leiden!“. Chef-Sanierer Klaus Josef Lutz versprach in einem Interview, künftig nur „gemeinsam mit der Redaktion und dem Lenkungsausschuß“ ein Spar-Konzept zu erarbeiten. Offenbar waren auch einige der Gesellschafter dagegen, die NRW-Beilage einzustellen, wie ein Leserbrief (!) von Johannes Friedmann (die Familie ist zu 18,75 Prozent SZ-Mitbesitzer) zeigte.

Unter diesem Druck wird nun das existierende Sparkonzept der Unternehmensberatung Roland Berger nicht weiter – wie geplant – umgesetzt. Dort waren fürs Gesundschrumpfen in München auch die Einstellung des SZ-Magazins und der Wochenendbeilage vorgesehen. Nach den jüngsten Protesten beeilte sich der Lenkungsausschuss zu versichern, niemand habe Interesse, „die Redaktion kaputt zu sparen“. Trotzdem bleibt ein Fehlbetrag von fünf Millionen Euro für dieses Jahr. Der wird wohl doch noch auf dem Rücken der Redaktion ausgeglichen. Nach Entlassung von 900 Redakteuren, Layoutern, Technikern und Sekretärinnen im vergangenen Jahr und massiven Honorarkürzungen ist personell eigentlich das Ende der Fahnenstange erreicht. So bleibt nur noch ein zweiter Anlauf zum freiwilligen Gehaltsverzicht. Der könnte, so Insider – diesmal eine Mehrheit finden und bei „sechs bis acht Prozent“ liegen.

 

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