Zeitschriften weiter ein boomender Markt

Zeitschriftenverkauf in Berlin
Foto: Christian von Polentz

Auch in der Zeitschriftenbranche herrscht der digitale Wandel. Während die klassischen Geschäftsfelder Anzeigen und Vertrieb schrumpfen, nimmt der Anteil der Digitalerlöse und des sonstigen Geschäfts am Umsatz rasant zu. Allen Unkenrufen zum Trotz werde in der Branche “immer noch Geld verdient“, bekräftigte Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) bei der Jahres-Pressekonferenz in Berlin.

Die Innovationskraft der Branche sei ungebrochen, frohlockte Scherzer. Als Beleg führte er die Gesamtzahl von 1.625 Publikumszeitschriften an, die 2018 erschienen sei – immerhin ein Plus von 38 Prozent gegenüber 2001. Mit rund 20 Magazinen pro Einwohner habe Deutschland weltweit den stärksten Zeitschriftenmarkt. Neben dem Dauerbrenner Landzeitschriften boomen in jüngster Zeit vor allem Segmente wie Personality- oder Influencer-Magazine (Barbara, JWD, Boa), aber auch Titel der Bereiche „Good Living“: Gastronomieblätter oder Wohnzeitschriften sowie Lifestyliges. In einer hochdigitalen Welt, so Scherzer, seien die Leser auf der Suche nach einem  „Anker“, nach Marken, die ihnen Orientierung lieferten. Auch in der Zeitschriftenbranche sei die Zeit der „großen Leuchttürme“ abgelaufen. Während selbst einstige Verlagsflaggschiffe wie Spiegel, Stern und Focus schwächeln, wachse die Bedeutung von Nischenproduktionen für spezielles Publikum.

20,6 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete die Branche im vergangenen Jahr (2017: 14,8 Mrd.) Hinter dieser ungewöhnlich hohen Steigerungsrate steckt allerdings vor allem eine modifizierte Berechnungsmethode der Fachzeitschriftenverlage, in deren Folge mehr Titel mit ihren Umsätzen berücksichtigt werden. Nach einer verbandsinternen Umfrage rechnen die Verleger 2019 mit einem Wachstum des Digitalgeschäfts von knapp zehn Prozent. Die sonstigen Produkte – Content Marketing, Konferenzen, Messen, Seminare, etc. – sollen um etwa vier Prozent zulegen. Dagegen dürften die Umsätze in den Bereichen Anzeigen und Vertrieb mit einem Minus von 4,2 bzw. 3,5 Prozent weiter zurückgehen. Beim Digitalvertrieb wird  mit einem Umsatzplus von 14,5 Prozent gerechnet. So hat der Umsatz mit E-paper in den letzten fünf Jahren um 135 Prozent zugelegt.

Auch künftig wollen viele Verlage mit Digitalinnovationen beim Publikum punkten. Fast jedes vierte deutsche Zeitschriftenhaus beabsichtigt, neue journalistische Produkte auf den Markt zu bringen.  Nach wie vor liegt die größte „Herausforderung“ der Branche im Bereich Monetarisierung, also der Fahndung nach funktionierenden digitalen Geschäftsmodellen. Hoffnung schöpfen die Zeitschriftenverleger aus Ergebnissen einer Studie von Pricewaterhouse Coopers. Demnach nimmt die Bereitschaft beim Leser zu, für digitale Inhalte zu zahlen. Besonders aufgeschlossen seien die Digital Natives. So haben 39 Prozent der 18- bis 29-Jährigen bereits einmal für Online-Medien bezahlt. Über Streaming-Dienste wie Spotify oder Netflix seien diese User mittlerweile auch gewöhnt, mit digitalen Zahlungssystemen umzugehen.

Von der Politik erwarten die Zeitschriftenverleger eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. So forderte VDZ-Geschäftsführer Scherzer eine zügige Umsetzung des neuen europäischen Urheberrechts in der deutschen Rechtsprechung. Außerdem müsse die Politik sicherstellen, dass die Verlage mit der gegenwärtig debattierten E-Privacy-Richtlinie nicht schlechter gestellt würden als große US-Internetplattformen. Die aktuellen Entwürfe bedrohten mindestens 30 Prozent der Werbeeinnahmen journalistischer Internetangebot der Verlage. Zwecks Abbau von Wettbewerbsnachteilen müsse der reduzierte Mehrwertsteuersatz  auch auf digitale Zeitschriften, Zeitungen und Bücher ausgedehnt werden. Zu in jüngster Zeit geforderten Subventionen im Zeitungsvertrieb äußerte sich Scherzer reserviert. Im Falle einer sogenannten „Infrastrukturförderung“ müssten allerdings Zeitungen und Zeitschriften aus Wettbewerbsgründen gleichgestellt werden. Bei den Zeitungsverlegern hatte sich BDZV-Präsident unlängst eindeutig gegen eine direkte staatliche Förderung von Presseprodukten positioniert. Döpfner: „Lieber Insolvenzen bei Zeitungen als der Verlust ihrer Unabhängigkeit durch Subventionen.“

nach oben

weiterlesen

Buchtipp: Presse und Profit

Im Namen von Pressefreiheit und Medienvielfalt sollte 1989/90 in der DDR das politische Monopol der SED aufgebrochen werden. Doch stattdessen entstanden neue wirtschaftliche Monopolstrukturen. Die vielen Reformprojekte erlebten nur einen kurzen „Pressefrühling“ und wurden durch „eine marktgesteuerte Pressereform ignoriert oder plattgemacht“, so Mandy Tröger, die in ihrem Buch gängige Erklärungen für das Pressesterben in Ostdeutschland hinterfragt.
mehr »

Die DEFA: Keine Wende ohne Ende

„Die Geschichte ist ein Drehbuch von miserabler Qualität“, sagte einst Regisseur Norman Mailer. Auf keine Geschichte trifft dieser Satz wohl so wenig zu wie auf die des Studios Babelsberg in Potsdam. Vor 30 Jahren stand man dort nicht zum ersten Mal an einem Wendepunkt. Er markierte das Ende der ostdeutschen DEFA und zugleich den Beginn von etwas Neuem. Doch der Weg zu alter Größe war beschwerlich. Auf der Strecke blieben wie nicht selten: die Menschen.
mehr »

Zu wenig Frauen in den Medien-Spitzen

Sitzen sie immer noch fest auf dem Pavianfelsen namens Chefredaktion, die Herren Chefredakteure? Oder kommen die Journalistinnen mittlerweile auch in angemessener Anzahl an die Spitze der Medien? Nein, offenbar nicht! Der Verein ProQuote Medien hat jetzt den zweiten Teil seiner Studie veröffentlicht, in dem die Geschlechterverteilung in journalistischen Führungspositionen untersucht wurde. Schwerpunkt der Untersuchung waren Presse und Onlinemedien.
mehr »

Axel Springer: Konzern im Umbaumodus

Springer baut um. Nach dem Einstieg des Finanzinvestors KKR wird die Transformation zum digitalen Konzern forciert. Neben einem ehrgeizigen Investitionsprogramm von 100 Millionen Euro werden auch Einsparungen von bis zu 50 Millionen Euro anvisiert. Auch bisherige „heilige Kühe" wie Bild und Welt sind nicht länger tabu. Allmählich sickert durch, was das für die Beschäftigten bedeutet.
mehr »