Leserbrief: Ein Haken bei der Sache

Kolumne: „Reform statt Springer“ in M 02 – 03/2006

Günter Herkel verteilt Lob und Tadel an verschiedene Organisationen, die eine Rolle im Ringen um den versuchten Einstieg Springers bei ProSieben spielten. Lob bekommt u. a. auch Haim Saban dafür, dass er die angeschlagene ProSieben-Gruppe „aus dem Schlamassel“ gezogen hat.

Daraus schließt Herkel, es gebe also keinen Grund, vor Heuschrecken zu warnen – schließlich gebe es auch unter den deutschen Medienkönigen Plattmacher und Renditejäger. So möchte uns Herkel die Globalisierung schmackhaft machen. Allein es gibt einen Haken bei der Sache, der nichts mit „völkisch“ zu tun hat: Die von Herkel und von verdi aufgestellte Forderung nach „klaren und überprüfbaren Regeln“ („Kriterien und Verfahren müssen transparenter gemacht werden – auf Länder- wie auf Bundesebene“) sind nun einmal leichter im Rahmen des nationalen Rechts durchzusetzen, als im EU- oder globalen Rahmen. Länder- und Bundesebene sind transparenter und zugänglicher, als die globale Ebene, auf der die Heuschrecken agieren. Standorttreue ist ihnen unbekannt, während Bertelsmann sich nicht so schnell aus Güters­­loh verabschieden wird – das muss­te schon Herr Middelhoff erfahren. Die Forderung nach Transparenz wird man nun einmal bei den Heuschrecken gar nicht oder sehr viel schwerer durchsetzen können, da hat die nationale Ebene eben einen Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte: Man kennt die Spieler und die Regeln, man weiß, wohin die Steuern und die Gewinne fließen (sollen), auch wenn es an der Durchsetzung oft hapert, weil die Macht zwischen Politik und Kapital auch im nationalen Rahmen asymmetrisch verteilt ist. Die Asymmetrie nimmt aber nicht ab, wenn man „Heuschrecken“ statt heimischer Schrecken bevorzugt, das übersieht Herkel. Es macht doch keinen Sinn, die eh schon schwachen politischen Lenkungspotentiale aufzugeben, nur um sich von irgendeinem Wahlkämpfer in Hessen abgrenzen zu wollen oder irgendjemand an der Londoner Börse political correctness beweisen zu wollen.

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Zwiespältig: Springer und die Plattformen

„Totale Transparenz endet immer totalitär“ – mit diesem starken Spruch warb Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner Ende Januar bei EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen um Unterstützung gegen Google, Amazon, Facebook & Co. Sein Anliegen: Europa müsse die Daten-Absaugerei der US-amerikanischen (und chinesischen) Tech-Giganten stoppen. Kritiker registrierten schon da eine gewisse Widersprüchlichkeit in Döpfners Begehr.
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Die dju – ein Angebot zur Mitgestaltung

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Aus für Freelancer in Presse und Kultur

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