Leserbrief: Kein Feigenblatt

Billige Reporter“ in M 9 / 06

Die Ansicht des Autors von „Billige Reporter“, die er den Offenen Kanälen zukommen lässt, indem er der Beurteilung als „medienpolitisches Feigenblatt“ als „nicht ganz unzutreffend“ zustimmt, kann ich absolut nicht teilen.

Zumindest für Sachsen-Anhalt trifft dies nicht zu. Und was das Nischendasein betrifft, so teilen dieses Schicksal nicht nur die Offenen Kanäle, sondern wohl der Großteil aller Fernsehsender, wenn man von einer Handvoll Marktführer absieht. Allerdings muss man auch sehen, dass das Nischendasein politisch meist so gewollt ist bzw. aufgrund der finanziellen Situation in den Bundesländern zumindest so hingenommen wird, egal wie stark die Landesmedienanstalten sich machen. Einige Offene Kanäle haben es zumindest geschafft, sich und ihre Sendungen sogar per Live-Stream im Internet zu etablieren, andere veröffentlichen wenigstens einen Teil der Sendungen oder einzelne Beiträge im Internet. Für mich persönlich, der ich aktiv beim Offenen Kanal Magdeburg mitarbeite, ist der Offene Kanal eine hervorragende Möglichkeit, als arbeitsloser TV-Journalist (55) nicht ganz die Verbindung zum Medium Fernsehen zu verlieren, sondern immer am Ball zu bleiben, technische Neuerungen hautnah mitzubekommen und nicht zuletzt Verbindungen zu vielen Menschen weiter pflegen zu können. … die Mitarbeiter dort sind auch nicht böse, dass ich sie ein wenig mit meiner Erfahrung unterstützen kann, und wir haben das Wohlwollen der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt, was nicht unwichtig ist.

 
nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

ARD: scharf, aber respektvoll im Bürgerparlament

In zentralen gesellschaftlichen Problemen – Corona, Migration, Arm und Reich – erleben viele Menschen die Gesellschaft als gespalten. Seit Amtsantritt der Ampelkoalition hat sich nach einer Infratest dmap-Umfrage im Auftrag der ARD der gesellschaftliche Zusammenhalt sogar noch verschlechtert. Mit ihrer Themenwoche „WIR gesucht – Was hält uns zusammen?“  will die ARD gegensteuern. Neue Formate wie „Das Bürgerparlament“ sollen den direkten Dialog mit dem Publikum fördern. Auftakt gelungen.
mehr »

Der Bärendienst eines Privatmanns

Tom Buhrows Rede im Hamburger Übersee-Club liefert der Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk neuen Zunder – von unerwarteter Seite. Er gibt vor, als Privatperson und damit auf „eigenes Risiko“ zu sprechen, was systemisch und in der aktuellen Debattenlage schwer möglich ist und nach prominentem Abdruck in der FAZ wohlfeil daherkommt. Vielmehr leistet er dem Gedanken eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks, gelinde gesagt, einen Bärendienst.
mehr »

Raus aus der Empörungsspirale

Wenn zwei in den Medien regelmäßig präsente Publizisten wie Richard David Precht und Harald Welzer ein medienkritisches Buch vorlegen, ist erhöhte Aufmerksamkeit gewiss. Die Aufregung, die das Werk „Die Vierte Gewalt“ ausgelöst hat, erscheint jedoch so maßlos und überdimensioniert, dass darüber die Substanz der von den Autoren vertretenen Hauptthesen fast schon in den Hintergrund getreten ist. Möglicherweise hat dazu der provokative Untertitel „Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist“ beigetragen.
mehr »

Eine einzig(artig)e öffentliche Plattform

Schon vor der „Causa Schlesinger“ gab es in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten – auch im RBB – und darüber hinaus, Diskussionen, wie deren Aufgaben und Funktionen als Entitäten im digitalen Raum neu und zeitgemäßer zu definieren seien. Als ein digitaler Akteur muss man sich grundlegenden Herausforderungen im Bereich des Datenmanagements und der Personalisierung digitaler Inhalte stellen. Darüber wurde jedoch bislang wenig intensiv diskutiert.
mehr »