Eine für Vier

Trotz Ausgliederungsverbot: MDS gründet Redaktionsgemeinschaft

Die Mediengruppe DuMont Schauberg (MDS) macht ernst: Die lange angekündigten „Synergieefekte“ nehmen Gestalt an. Am Freitag, den 29. Januar um 18 Uhr wurde den Redakteurinnen und Redakteuren von Berliner Zeitung, Frankfurter Rundschau, Kölner Stadtanzeiger und Mitteldeutscher Zeitung mitgeteilt, dass die DuMont Redaktionsgemeinschaft GmbH gegründet wird. Dort werden „etwa 25 Journalisten zusammen arbeiten, die künftig für alle vier Titel auf den Themenfeldern Politik, Wirtschaft und Gesellschaft schreiben“, heißt es in einer MDS-Mitteilung.


Die Redaktionsgemeinschaft mit der jetzigen Vizechefredakteurin der Berliner Zeitung, Brigitte Fehrle, als Chefredakteurin, und Robert von Heusinger, aktuell noch Ressortchef Wirtschaft der Frankfurter Rundschau als ihr Stellvertreter, soll Anfang April die Arbeit aufnehmen. Die Stellenausschreibung läuft, bis 18. Februar sollen die Bewerbungen eingegangen sein. Da noch nicht geklärt sei, auf welche Bedingungen sich die Bewerber für die Redaktionsgemeinschaft einlassen, moniert ver.di die Stellenausschreibungen und kurze Bewerbungsfrist. „Ein faires Verfahren sieht anders aus“, so die Gewerkschaft in einer Tarifinformation an die Beschäftigten.
„Es geht nur um eine dauerhafte Senkung der Kosten mit schleichendem Arbeitsplatzabbau, nicht um Qualitätssteigerung“, wertet ver.di-Tarifsekretär und MDS-Konzernbetreuer Matthias von Fintel die MDS-Pläne. Die „neue Zentralredaktion“ sei gesellschaftsrechtlich vom Verlag getrennt“ und damit zunächst ohne Tarifbindung. MDS wurde aufgefordert, mit ver.di „in den nächsten zwei Wochen“ Tarifverhandlungen aufzunehmen, „um noch im Entscheidungsprozess für oder gegen die Redaktionsgemeinschaft klare Bedingungen und verlässliche Regelungen ermöglichen zu können“.
Zudem macht ver.di darauf aufmerksam, dass mit dem Weg der Ausgliederung gegen das Redaktionsstatut der Berliner Zeitung verstoßen werde, demnach das Hauptstadtblatt eine „Zeitung mit Vollredaktion und eigenen überregionalen Ressorts“ sei. Auch der Haustarifvertrag der Frankfurter Rundschau verbiete solche Ausgliederungen. „Durch die Zentralredaktion werden die Ressorts Wirtschaft und Politik zumindest bei der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung faktisch aufgelöst“ stellt Matthias von Fintel fest.
Für Michael Ridder von epd-Medien ist die Gründung der MDS-Redaktionsgemeinschaft ein „Tabubruch“. Zwar gebe es solche Modelle bereits für Regionalzeitungen, doch auf der Ebene der überregionalen Zeitungen sei eine Vollredaktion so noch nicht entkernt worden. „Hier droht Einheitsbrei“ sagte Ridder im Deutschlandradio. Die Medienforschung würde belegen, dass jede Zeitung ihren individuellen Zuschnitt brauche und man Artikel nicht so ohne weiteres verpflanzen könne.
http://mds.verdi.de/

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Proteste beim Berliner Tagesspiegel

Mit Schildern wie „Tarifverträge einhalten“ haben sich am 20. Februar mehr als 100 Beschäftigte des Berliner Tagesspiegels vor dem Verlagsgebäude an einer aktiven Mittagspause beteiligt und damit klar gemacht: So nicht! Erst Ende 2022 hatten ver.di und DJV/jvbb nach zähen Verhandlungen und Protesten von Verlagsangestellten und Redakteur*innen mit der Geschäftsführung einen Haustarifvertrag abgeschlossen.
mehr »

Politik muss mehr für Tarifbindung tun

Zurzeit ringen die Gewerkschaften mit der Funke Mediengruppe um die Aufnahme von Tarifverhandlungen in Berlin und in NRW. Mit dem Austritt aus dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) zum Ende 2022 hatte Funke die Tarifbindung verlassen. Mit dieser Tarifflucht sind sie auch in der Medienbranche nicht die einzigen. Insgesamt arbeiten nur noch knapp die Hälfte aller Arbeitnehmer*innen in Deutschland in tarifgebundenen Betrieben. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert eine Tarifwende von der Politik.
mehr »

Umfragestart zum Fair Festival Award

Zum dritten Mal startet ver.di eine Umfrage unter Mitarbeiter*innen von Filmfestivals, um den Fair Festival Award und das Label „Faires Festival“ zu vergeben. Festival-Beschäftigte können dazu bis zum 25. Februar 2024 die Fairness ihres Filmfestivals bewerten. Ausgelobt wird der Preis von den Festivalarbeiter*innen in ver.di, um das Thema „gerechte Arbeitsbedingungen und faire Vergütung“ bei Festivalarbeiter*innen, Festivals und Förderinstitutionen nachhaltig ins Bewusstsein zu rücken.
mehr »

Hart verhandelt: Kein Film ohne uns

In der fünften Tarifverhandlungsrunde für die rund 25.000 Filmschaffenden zwischen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), der Schauspielgewerkschaft BFFS und der Produzentenallianz wurden erste Weichen gestellt. Dabei geht es neben den Löhnen auch um den Einsatz generativer KI, eine Vier-Tage-Woche und die Frage der Pensionskassen. Die Filmschaffenden erwarten auch einen Ausgleich für die Reallohnverluste in Zeiten hoher Inflationsraten.
mehr »