Gefälle darf nicht noch größer werden

Zentrale Verhandlungen zur Anpassung der Altersversorgung

Mit ihren Aktionen und Streiks konnten die Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ARD und ZDF) im vergangenen Jahr verhindern, dass die Verhandlungen über die Gehaltserhöhung mit der Forderung der Arbeitgeber nach Einschnitten in der Altersversorgung verknüpft wurde. Auf Grund der politischen Lage erklärten die Gewerkschaften sich jedoch bereit, mit den Anstalten über die Folgen des Riesterschen Rentenreformgesetzes zu sprechen. Nach mehreren Gesprächsrunden mit ARD und ZDF im vergangenen Jahr, an denen auch immer Vertreter aller Anstalten beteiligt waren, hat der Tarifausschuss öffentlich-rechtlicher Rundfunk nun auf seiner letzten Sitzung am 15. / 16. April in Mainz beschlossen, unter ganz bestimmten Voraussetzungen zentrale Verhandlungen über eine Anpassung unserer Altersversorgungen aufzunehmen.

Voraussetzung für diesen Beschluss war, dass zum einen ARD und ZDF aus politischen Gründen weiterhin auf eine Veränderung der Altersversorgung (alt = Gesamtversorgung) dringen würden, auch wenn wir jetzt nicht zentral verhandeln. Zum anderen würde dann wieder bei den nächsten Tarifverhandlungen ein solcher Druck in den einzelnen Sendern ausgeübt, dass kleinere Anstalten dann mögliche größere Einschnitte nicht verhindern könnten, was einen Folgeeffekt auch für die größeren hätte.

Bliebe unsere Altersversorgung unangetastet, müssten alle Sender nach dem Gesamtversorgungsprinzip auch die „Riester“-Lücke schließen; das heißt, sie müssten die dann fehlenden 4 Prozent an der BFA-Rente auffüllen. Der 4 Prozent-Abschlag von der gesetzlichen Rente (zur Anregung einer teilweise begünstigten privaten Zusatzversicherung) würde aber voll zu Lasten der VTVler gehen – also der Kollegen, die nach dem neuen Versorgungsmodell (mit Eintritt ab Anfang der 90er Jahre) ihre Altersversorgung erhalten. Diese sogenannten VTVler müssten selbst schauen, wie sie ihre Lücke von 4 Prozent bei der BFA-Rente auffüllen.

Von daher haben wir uns zu Gesprächen bereit erklärt, um das Gefälle von „alt“-Versorgten zu den VTVlern nicht noch größer werden zu lassen. So werden wir über diese beiden Altersversorgungsmodelle nur gleichberechtigt und zusammen verhandeln. Ziel ist es, Verbesserungen beim VTV im Bezug auf die Riester-Rente zu erreichen. Die Verhandlungen sollen so bald wie möglich beginnen und zügig zu einem für beide Seiten tragbaren Ergebnis führen. Die einzelnen Senderverbände werden unsere Kollegen immer über den jeweiligen Stand informieren.


 

Andreas Reichstein ist
Vorsitzender des Tarifausschusses öffentlich-rechtlicher Rundfunk

nach oben

weiterlesen

Chor des NDR vor Neuausrichtung

Der NDR und die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) einigten sich auf eine Neuausrichtung des Chors der Rundfunkanstalt. Der traditionsreiche Klangkörper, der im Herbst dieses Jahres sein 75. Jubiläum feiert, wird in den kommenden Jahren zu einem Ensemble aus 21 festangestellten Sängerinnen und Sängern umgebildet. Die tarifliche Einigung zwischen dem NDR und dem Berufsverband der Musikerinnen und Musiker sichert bestehende Arbeitsverhältnisse in vollem Umfang, zukünftige Neueinstellungen erfolgen in Teilzeit (60 Prozent).
mehr »

Wissenstransfer und Transparenz beim ZDF

Thomas Wagner ist neuer Personalratsvorsitzender beim ZDF, der jüngste überhaupt in der Geschichte des Senders, und noch keine 100 Tage im Amt. Er hatte als ver.di-Spitzenkandidat auf einer gemeinsamen Liste mit dem DJV kandidiert, die für Erneuerung und mehr Transparenz steht. Vor der Interessenvertretung stehen wichtige Aufgaben wie Wissenstransfer beim Generationswechsel, Diversität, aber auch Honorargerechtigkeit, sagt er.
mehr »

Neuer Tarifvertrag für Filmschaffende

Nach fünfmonatigen Verhandlungen gibt es einen Tarifabschluss für die rund 25.000 Filmschaffenden in Deutschland, der ab September gilt. Die ver.di FilmUnion erreichte gemeinsam mit der Schauspielgewerkschaft BFFS in Verhandlungen mit der Produzentenallianz Verbesserungen bei Arbeitszeiten, Freizeitphasen während der Dreharbeiten, Zuschlägen am Wochenende und bessere Bedingungen für Arbeitsverträge von Schauspieler*innen. Außerdem soll ab September über die Erhöhung der Gagen verhandelt werden.
mehr »

RBB-Freie: „Ohne uns wird‘s langweilig“

Am Tag der Arbeit demonstrierten mehr als 300 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Berliner Masurenallee vor dem Sendezentrum des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Denn sie wollen ihre Arbeit behalten, sie wollen Bestandsschutz, faire Honorare und Respekt für ihren qualifizierten Beitrag zum Programm der Zwei-Länder-Anstalt, die mal wieder den Rotstift ansetzt. Ganze Sendeformate sollen wegfallen. 75 Freien der Sendung „ZiBB“ wurde bereits das Ende ihrer Mitarbeit angekündigt.
mehr »