ProQuote erhöht den Druck auf 50 Prozent

Eigentlich wollte die Journalist_innen-Initiative ProQuote Medien den Anteil von Frauen in den Chefsesseln deutscher Medienhäuser bis zu diesem Jahr um 30 Prozent erhöhen und ihren Verein wieder auflösen. Das Ziel wurde nicht erreicht, aber die streitbaren Medienfrauen und -männer lassen sich nicht entmutigen, sondern machen noch mehr Druck. In einer Pressemitteilung fordern sie jetzt die Hälfte der Macht. Eine Bilanz mit Ausblick.

ProQuote legt die Latte höher
Gif: ProQuote Medien e.V.

„Ein fauler Muskel muss trainiert werden, damit er sich kraftvoll bewegt“, so ProQuote-Vorsitzende Maren Weber, die es sportlich nimmt: „Deswegen legen wir die Latte höher: 50 Prozent.“ Bei der jüngsten Befragung der mittlerweile 200 Mitglieder hätten über 90 Prozent dafür gestimmt, dass der Verein weitermacht, erläutert sie auf Nachfrage von M. „Auflösen bringt auch gar nichts, weil das Ziel nicht erreicht ist“, so Weber und ergänzt: „Wir sind übrigens auch von vielen Nichtmitgliedern gebeten worden, uns nicht aufzulösen. Es gab dazu Stimmen aus den Medien, aus der Politik, aus der Medizin, die meisten aus der Wirtschaft.“

ProQuote veröffentlicht regelmäßig Zahlen zu Frauen in Führungspositionen – 2013 als Tortendiagramm, jetzt als interakive Animation, die bis 2012 zurückreicht. In Form eines Kamelrennens für Printredaktionen und eines Straußenrennens für Onlinemedien ermittelt Pro Quote als erste Institution regelmäßig den Machtfaktor in deutschen Medienhäusern, das heißt auf welchen Hierarchiestufen Frauen vertreten sind und wie viel Personalverantwortung sie haben.

Der sportliche Wettkampf gestaltete sich folgendermaßen: 2013 lag die taz mit ihrer Chefredakteurin Ines Pohl bei den Printmedien vorn – dicht gefolgt von der Zeit mit einem Frauenanteil knapp über 30 Prozent auf den Führungsetagen. Die Wochenzeitung konnte ihr gutes Ergebnis kontinuierlich steigern auf nunmehr 36,4 Prozent. Die Bild-Zeitung, die 2013 mit 16,4 Prozent Führungsfrauen startete, kommt jetzt nach einigem Auf und Ab auf 32,2 Prozent. Der Spiegel hatte mit einem Frauenanteil von 14,3 Prozent eine noch schlechtere Ausgangslage, überholt das Boulevardblatt jetzt aber mit stolzen 34,7 Prozent.

Die drei Spitzenreiter liegen vorn, weil ihre Chefredakteure Giovanni di Lorenzo (Zeit), Klaus Brinkbäumer (seit 2015 Spiegel-Chef) und Ex-Bild-Chef Kai Diekmann „schneller als andere begriffen haben“, so Weber, dass zeitgemäßer Journalismus nur möglich ist, wenn auch Frauen mitentscheiden. Dann veränderten sich die Themenauswahl und der Umgangston, Arbeitskulturen würden moderner.

Während Zeit, Spiegel und Bild das 30-Prozent-Ziel in den vergangenen fünf Jahren gut erreichten, liegt die Mehrheit der Printmedien nach Auskunft von Pro Quote „teilweise beschämend weit unter dieser Minimalforderung“: FAZ 13,9 Prozent, SZ 19,6 Prozent, und bei den Regionalzeitungen verharrt die Frauenquote bei mageren 5 Prozent. „Wir wären gerne überflüssig, aber wir sind es leider nicht“, so ProQuote-Vorsitzende Weber, und: „Wir müssen auch für junge Journalistinnen weitermachen, die sich oft an uns wenden.“  Sie hoffe, dass „die Chefredakteure und Verlagschefs die 50 Prozent als Ansporn nehmen.“ Mit „etwas Mühe und gutem Willen“ könnten sie das schaffen.

Erfreulich entwickle sich der Frauenmachtanteil bei den Onlinemedien – möglicherweise, weil die Strukturen hier oft „noch nicht in Beton gegossen“ seien. Damit werde es etwas leichter für Frauen, an die Spitze zu kommen. So würden mittlerweile auch zwei von acht Chefredaktionen von Frauen geleitet: Barbara Hans bei Spiegel Online und Julia Bönisch bei sz.de. Der Süddeutsche Verlag komme damit das erste Mal in die Nähe der Führungsriege (mit einem Sprung von 21,3 auf 26,6 Prozent). „Ein Vorbild, das die Kollegen in der Printredaktion sicher motiviert“, sagt Weber. Seit der letzten Zählung im Januar 2017 habe neben Zeit Online (35,7 Prozent) und stern.de (34,6 Prozent) auch Spiegel Online die 30 Prozent-Hürde um gut zwei Punkte übersprungen.

ProQuote habe „viele gute Frauen zusammengebracht, vielen neue Perspektiven eröffnet. Ein starkes Netzwerk von Frauen wird helfen, Frauen in Führungspositionen zu hieven“, zeigt Maren Weber sich optimistisch und verspricht: „Wir werden noch mehr Druck erzeugen können. Wir bereiten gerade unsere nächste große Kampagne vor.“

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