Schlösser und Gärten frei fotografieren

Park Sanssouci, Blick über den Stichgraben und Figurenrondell zum Schloss Foto: Hans Bach/SPSG

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) gibt sich eine neue Foto- und Filmrichtlinie. Sie vereinfacht die zustimmungsfreie Veröffentlichung und Vermarktung von Aufnahmen der Parkanlagen und Gebäude. Die Öffnung der Direktive für professionelles Bildmaterial ist unter anderem „Ergebnis eines konstruktiven Dialogs zwischen SPSG und dem Bundesverband professioneller Bildanbieter (BVPA)“, vermeldet die Interessenvertretung für deutsche Pressebild-Agenturen und Bildarchive in einer Presseinformation.

Die neue Richtlinie vom 3. Juni 2021 über Foto-, Film- und Fernsehaufnahmen vom Äußeren und Inneren ihrer Gebäude sowie sonstiger Kunstschätze und ihrer Gartenanlagen gestattet grundsätzlich das Fotografieren und Filmen auf dem Stiftungsgelände. Bis dahin galt die Regelung von 1998, nach der das Fotografieren und Filmen in den Schlössern und Parkanlagen und die spätere Veröffentlichung und Nutzung der Aufnahmen nur mit einer vorherigen schriftlichen Zustimmung der SPSG gestattet war.

„Treiber der positiven Entwicklung war unter anderem ein konstruktiver Dialog zwischen SPSG und BVPA“, so der BVPA-Vorstandsvorsitzende Torsten Hoch. Der BVPA habe den Kontakt seit der Entscheidung „Sanssouci“ des Bundesgerichtshofs im Dezember 2010, die eine Einschränkung der professionellen Bildverwertung zur Folge hatte, nicht abreißen lassen. Die gemeinsame Suche nach lösungsorientierten Ansätzen führte nun zu einem Erfolg. „Die Nachfrage nach professionellem Bildmaterial zum Thema SPSG kann nun wieder leichter gedeckt werden“, so Hoch.

Durch die Neuausrichtung wird die Veröffentlichung und kommerzielle Verwertung professioneller Bilder durch Bildagenturen und Fotografen enorm erleichtert. Fotografien und Videomaterial, die keiner zusätzlichen Technik (wie Leiter, Scheinwerfer, Reflektorschirme o.ä.) und keines weiteren Personals (wie Models, Darsteller, Protagonisten, Visagisten, Stylisten, Assistenten o.ä.) bedürfen, können ohne vorherige Zustimmung aufgenommen und veröffentlicht werden, wenn dies der Richtschnur des respektvollen Umgangs mit den Kulturgütern entspricht. Dazu gehört auch die Veröffentlichung auf Social-Media-Kanälen.

Die SPSG betreut rund 300 Gebäude, tausende Kunstschätze sowie fast 800 Hektar historische Park- und Gartenanlagen in Berlin und Brandenburg, die zu großen Teilen auf der UNESCO-Welterbeliste stehen. Aufgabe der SPSG ist es, dieses Kulturerbe zu schützen. Gleichzeitig sollen die Bau- und Kulturdenkmäler der Öffentlichkeit zugänglich und die Auswertung für die Allgemeinheit möglich sein.


M berichtete über jahrelange Streitigkeiten um das Fotografieren in den Preußischen Schlössern und Gärten

https://mmm.verdi.de/medienpolitik/nur-gegen-knipsgebuehr-1531

https://mmm.verdi.de/beruf/urteil-gegen-freie-fotografie-444

https://mmm.verdi.de/medienpolitik/kein-burgfrieden-2841

https://mmm.verdi.de/beruf/fotogebuehr-gekippt-3824

https://mmm.verdi.de/beruf/angriff-auf-die-freie-fotografie-11533

 

 

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Die SPD will eine Digitalsteuer

Digitale Plattformen sollen zahlen. Das fordert nun auch die SPD. Das Präsidium der Partei beschloss am Montag eine medienpolitische Grundsatzvorlage, die die Einführung einer Digitalsteuer vorsieht. Der Beschluss trifft bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf Zustimmung. Die Gewerkschaft erwartet von der SPD, dass die Initiative bald zum Gesetz wird.
mehr »

Meta ignoriert Transparenzvorgaben

Leicht wahrnehmbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar: So müssen etwa Social-Media-Plattformen offenlegen, nach welchen Kriterien sie Inhalte auswählen, anzeigen und sortieren. Auch der Einsatz von Algorithmen muss verständlich erklärt werden. Das schreibt der Medienstaatsvertrag vor. Weil Facebook sich nicht daran hielt, griff die Medienaufsicht ein. Doch gegen die Beanstandung klagt der Meta-Konzern. Vor Gericht geht es um grundsätzliche Rechtsfragen.
mehr »

Arbeit und Ausbeutung im Dokumentarfilm

Am Anfang des Symposiums der Dokumentarfilminitiative dfi im Filmbüro NW stand die Frage nach Begrifflichkeiten: Was gilt als Arbeit, wie prägt sie Leben und Alltag? Wer bestimmt, was produktiv ist? In einem Programm aus Vorträgen, Panels, Screenings und Filmgesprächen wurde unter verschiedenen Schwerpunktsetzungen diskutiert. Parallel ging es darum, wie der Dokumentarfilm Arbeit abbildet, verhandelt und dadurch erst sichtbar macht.
mehr »

Superreiche gefährden die Demokratie

Günter Wallraff, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Gabor Steingart und Gesine Schwan – sie kamen diese Woche auf dem Kölner Forum für Journalismuskritik zusammen, um den Stand der Dinge zu besprechen: „Was bleibt von der Freiheit? Wenn Mächtige unsere Welt neu ordnen.“ Fazit: Nachgeben ist keine Option.
mehr »