Bedarf und Wirklichkeit

Alle reden von „lebenslangem Lernen“ und Journalisten schreiben auch darüber. Medien nutzen vielfältige Verbreitungswege oder sollten es tun, aus ihrem eigenen Interesse. Crossmediales Arbeiten ist angesagt. Das professionell und auf höchstem Niveau zu tun, ist unabdingbar für guten Journalismus – eigentlich keine neue Erkenntnis! Allerdings scheint sich das Engagement dafür vielerorts in Sonntagsreden zu erschöpfen. Kein Kongress, keine Veranstaltung, in der die Fahne des Qualitätsjournalismus – auch von Seiten der Verleger – nicht hoch gehalten wird. Derweil ist der geltende Volontärs-Tarifvertrag 22 Jahre alt. In den Redaktionen hat die Arbeitsdichte ungeahnte Ausmaße erreicht, nicht zuletzt aufgrund der Informationsflut und der vielfältigen Kontaktmöglichkeiten mit den Rezipienten durch das Internet. Aber anstatt in kluge Köpfe und gute Arbeitsbedingungen – Weiterbildung – zu investieren, wird an Personal gespart, an der Bezahlung „gestrichen“ durch Tarifflucht, Outsourcing, … . Es wird verkauft, gekauft, geschlossen – weil nicht gewinnträchtig. Die vorliegende M ist voll von Beispielen quer durchs Land. So fällt es vielen Redaktionen schwer, dem „enormen Schulungsbedarf“ nachzukommen, der in Studien verzeichnet wird. Die Freien bleiben oft außen vor – und es werden doch immer mehr, und die meisten Medien immer abhängiger von ihrer qualifizierten Zu- und Mitarbeit! „Wir brauchen eine Qualifizierungsoffensive“ sowohl in der Aus- als auch in der Weiterbildung, fordert deshalb die dju in ver.di. Auch tarifpolitisch besteht hier Handlungsbedarf. Die „inhaltlichen und technologischen Entwicklungen in der Medienbranche müssen jetzt im Volo-Tarifvertrag nachvollzogen und verbindlich verankert werden“, betont Vize-ver.di Frank Werneke.

Die journalistische Qualität, oder besser: der kritische Blick darauf, zieht sich wie ein roter Faden durch die vorliegende M-Ausgabe. Vom Medienmagazin „Zapp“, ein Solitär der Medienkritik im deutschen Fernsehen, über die Rolle der Medien in der Euro-Krise bis hin zur internationalen Berichtserstattung zum Beispiel über den Bürgerkrieg in Syrien oder verzerrte Bilder über in der Slowakei lebende Roma.

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Basiswissen und Verträge für Fotografen“. Zuge­geben, 109 Euro scheinen ein stolzer Preis zu sein. Die Investition lohnt sich aber für alle, die sich als professionelle Fotograf*innen verstehen. Der Preis wird sicherlich schnell kompensiert. Eine Steuererklärung, Einsparungen bei Sozialversicherungen, vermiedene Kosten für Nachverfolgung von Urheberrechtsverletzungen – es rentiert sich.
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