Mitbestimmung – das A und O

Kurz vor M-Andruck wurde öffentlich bekannt, dass Kersten Artus, Betriebsratsvorsitzende der Bauer Programm GmbH und Vorsitzende des Konzernbetriebsrats der Yvonne Bauer Redaktions KG fristlos gekündigt werden soll. Kersten ist in ver.di als engagierte Gewerkschafterin bekannt, sie ist ehrenamtlich in verschiedenen Vorständen aktiv. Außerdem ist sie Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Seit 28 Jahren arbeitet Kersten Artus für den Bauerverlag, dabei war sie fast die ganze Zeit im Betriebsrat.
150 Seiten umfasst das Schreiben, das dem Betriebsrat von der Personalabteilung vorgelegt wurde mit der Bitte, einer fristlosen Kündigung von Kersten Artus zuzustimmen. Sie melde sich nicht immer korrekt für „angeblich erforderliche Betriebsratsarbeit“ ab, lautete der Vorwurf. „Bauer will sich mit dieser Methode einer unliebsamen und aktiven Betriebsrätin entledigen. Das Vorgehen des Arbeitgebers zeigt, wie wenig er Interessenvertretung und Mitbestimmung im Betrieb respektiert. Kersten Artus hat die volle Unterstützung ihrer Gewerkschaft“, versichert ver.di-Landesbezirksleiter Wolfgang Rose in einer Pressemitteilung. M wird ausführlich darüber berichten.

„Öffentlichkeit und Demokratie“, Mitbestimmung im weitesten Sinne, war das Thema eines ambitionierten Kongresses Anfang Oktober in Berlin. Mit unter den Organisatoren die dju in ver.di. Nachgegangen wurde der These von der „unterschlagenen Wirklichkeit“. Und wer die Strukturen der politischen Öffentlichkeit analysiert, kommt an den Massenmedien nicht vorbei, mit deren Glaubwürdigkeit es derzeit nicht zum Besten steht. Medienkonzerne, Medienkonzentration, schwindende Vielfalt in der Zeitungslandschaft, Politikberichterstattung waren ebenso Diskussionsgegenstand wie Barrieren des Informationszugangs und deren Überwindung sowie Bürgerinitiativen und soziale Bewegungen, die sich einmischen.
Nahtlos fügt sich hier der aktuelle M-Titel mit seiner Betrachtung und Bewertung des sich wandelnden Journalismus ein. Es geht ihm „sprichwörtlich an den Kragen“, wenn er sich den Veränderungen nicht offen stellt. Die „Gretchenfrage“ dabei: Ist das Internet gut oder schlecht für den Journalismus? Was bedeutet das für das Kerngeschäft – die Recherche?. „In die Tiefe“ gehen und eine Debatte über die Unabdingbarkeit journalistischer Recherche will auch der 24. Journalistentag der dju am 27. November führen. Anmeldungen ab sofort!
Um Mitbestimmung und Mitwirkung geht es ebenfalls bei der Leserumfrage zu unserer Zeitschrift M, die in der Mitte dieser Ausgabe eingeheftet ist. Je mehr sich beteiligen, je besser und moderner können wir den zukünftigen Weg von M gestalten. Zeitgleich wird diese Umfrage auch zu den anderen Publikationen des Medienressorts Druck + Papier sowie Kunst + Kultur durchgeführt.

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Die dju – ein Angebot zur Mitgestaltung

Mit dem neuen Jahrtausend kam auch für die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di einiges an Neuem. Noch bevor sie ihren 50. Geburtstag feierte, knackte sie im Jahr 2000 die 20.000-Mitglieder-Marke. 2001 kam ver.di und die dju feierte ihr halbes Jahrhundert im Retro-Look im Kölner Gürzenich. Zur 60-Jahr-Feier waren die Kolleginnen und Kollegen von Rundfunk, Fernsehen und audiovisuellen Medien in der neuen Fachgruppe Medien mit dabei. Und nun, zum 70. Geburtstag, steht der dju in ver.di wieder etwas Neues ins Haus: Ein Feiertag in Pandemiezeiten.
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Aus für Freelancer in Presse und Kultur

Clasificador Nacional de Actividades Económicas (CNAE), Register für ökonomische Aktivitäten, heißt die Liste mit 2110 Tätigkeiten, die in Kuba seit dem 5. Februar für die freiberufliche Arbeit erlaubt sind. Eine Reform mit revolutionärem Potenzial, denn bislang durften nur 127 Berufe selbständig ausgeübt werden. Auf der vier Tage später erschienenen Verbotsliste sind jedoch jedwede freiberufliche Presse-Arbeit sowie etliche Berufe in der unabhängigen Kunstszene der Insel aufgeführt.
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Schon entdeckt? Qamar

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Aktion für Sherwan Sherwani, Nordirak

Am 7. Oktober 2020 kamen gleich sechs Polizeifahrzeuge zum Haus des Journalisten Sherwan Sherwani in Erbil. Die kurdischen Sicherheitskräfte durchsuchten das Haus, stellten den Laptop des Reporters, eine Kamera, sein Telefon und einige Dokumente sicher. Dann zerrten sie ihn in Handschellen und mit vorgehaltener Pistole aus dem Haus.
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