dju in ver.di trauert um Eckart Spoo: Seine Stimme wird uns fehlen

Eckart Spoo Foto: Gabriele Senft

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di trauert um ihren langjährigen ehemaligen Vorsitzenden Eckart Spoo, der wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag in der Nacht zum 15.12.16 in Berlin nach schwerer Krankheit verstorben ist. „Wie kaum ein anderer hat Eckart Spoo das Selbstverständnis und den Anspruch unserer gewerkschaftlichen journalistischen Organisation geprägt“, würdigte dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß sein Wirken.„Ich bin Journalist geworden, weil ich dachte, man muss aufklären, man muss dazu beitragen, dass die Menschen die Wahrheit erfahren.“ Das war ihm Auftrag und Ansporn. In einer Zeit vielfacher gesellschaftlicher Umbrüche und Herausforderungen – von 1970 bis 1986 – hat er für die gewerkschaftlich organisierten Journalisten – damals in der IG Druck und Papier und auf dem Weg zur IG Medien – die Aufgabe und die Verantwortung übernommen, ihnen Stimme, Aufmerksamkeit und Gewicht – innergewerkschaftlich ebenso wie in der Öffentlichkeit –  zu verschaffen. Er gehörte zu einer neuen Generation von Journalistinnen und Journalisten, die neue Vorstellungen von der eigenen beruflichen Rolle und der Notwendigkeit gewerkschaftlicher Organisation entwickelten – und vertrat dies engagiert und vehement nach innen und außen.

Er selbst hat diese Aufgabe  2001 zum 50jährigen Bestehen der dju so beschrieben:
„In den Medien entscheidet sich täglich, ob sich Demokratie entwickelt oder ob das Volk, das doch herrschen soll, belogen, abgelenkt, verblödet, eingeschüchtert und verhöhnt wird. Eine gewerkschaftliche Organisation, die für uns Journalistinnen und Journalisten gut wäre, stelle ich mir so vor, dass sie möglichst viele von uns möglichst regelmäßig zum Gespräch über unsere beruflichen Erfahrungen und Interessen vereint. So würde sie uns (d.h. wüssten wir voneinander) befähigen, unsere Lage zu erkennen und selbstbewusst solidarisch zu handeln. So, als eine demokratische Organisation, die sich niemals vor einen nationalen oder parteipolitischen oder Unternehmer-Karren spannen lässt, könnte sie die Arbeitsbedingungen erkämpfen, die wir brauchen, um unsere öffentliche Aufgabe zu erfüllen.“

So war seine Zeit als ehrenamtlicher Vorsitzender der dju unter anderem auch geprägt von harten tarifpolitischen Auseinandersetzungen um Arbeitszeit und Arbeitsplatzsicherheit sowie die Neugestaltung journalistischer redaktioneller Tätigkeit angesichts neuer Technik wie Bildschirmarbeit und Ganzseitenumbruch in den Redaktionen. In diese Zeit fielen aber auch die Auseinandersetzungen um die Neuausrichtung des Presserats – für den er unter anderem die Aufnahme der Ächtung jeglicher journalistischer Kriegspropaganda in den Pressekodex forderte. Nicht zuletzt bestimmte sein unermüdlicher Einsatz für Pressefreiheit – der äußeren gegen Medienmonopole und Pressekonzentration ebenso wie der inneren Pressefreiheit, um Redaktionsstatute , redaktionelle Unabhängigkeit und Mitbestimmung – Politik und Ausrichtung der dju.

Aus der engagierten beruflichen und berufsethischen Bildungsarbeit der dju in diesen Jahren entstand so z.B. die Reihe „Medienbuch“ mit Titeln wie „Anspruch auf Wahrheit“, „Feindbilder – Wie man Kriege vorbereitet“, „Unheimlich zu Diensten – Medienmissbrauch durch Geheimdienste“.

Sein gewerkschaftliches wie sein publizistisches Engagement führte auch zu Konflikten mit Verlag und Herausgeber der „Frankfurter Rundschau“ , bei der er 1962 als Lokalreporter begonnen hatte,  bis zur Kündigung 1971 kurz nach seiner Wahl zum ehrenamtlichen dju-Bundesvorsitzenden Ende 1970. Dagegen wehrte er sich mithilfe seiner Gewerkschaft erfolgreich vor Gericht und blieb – zuletzt als Korrespondent in München und dann Hannover – bis 1997. Danach bestimmte weiter sein gesellschaftliches wie publizistisches Engagement sein Leben und seine vielfältige Tätigkeit – sei es als Mitbegründer und Herausgeber des jährlichen „Grundrechte-Reports“ als alternativem Verfassungsschutzbericht oder der Zeitschrift „Ossietzky“, einige Jahre auch noch als Kolumnist der dju-Zeitschrift M Menschen Machen Medien mit aktuellen berufsethischen Reflexionen.

Er war uns Vorbild und Mahner, Ansporn, Mitstreiter und Mutmacher. Seine Stimme wird uns fehlen.

 

Bilanz Eckart Spoos nach dem Ende seiner Tätigkeit für die Frankfurter Rundschau 1997

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

ver.di übt Kritik an ZDF-Intendant

Der Vorgang der Ausladung der Musiker Igor Levit und Danger Dan aus der 100. Ausgabe des Satire-Magazins „Die Anstalt“ (Sendetermin am 21. Juli 2026) wirft große Wellen. Der Auftritt wurde durch eine kurzfristige Entscheidung des ZDF-Intendanten Norbert Himmler verhindert. Daran übt auch der ver.di-Bundesvorstand starke Kritik.
mehr »

Politische Ausladung: ZDF sagt Auftritt ab

Ein neues Lied von Igor Levit und Danger Dan heißt "Keine Angst" und erscheint zum 17. Juli 2026. Es handelt vom möglichen Widerstand gegen eine zunehmende politische und gesellschaftliche Faschisisierung, wie sie weltweit und auch in Deutschland zu beobachten ist. Ein Auftritt der Künstler mit dem Song sollte ebenfalls für die 100. Sendung von "Die Anstalt" aufgezeichnet werden, die am 21. Juli 2026 erscheint. Dann lud das ZDF Danger Dan und Igor Levit kurzfristig aus.
mehr »

RSF: Kritik an Reform der Nachrichtendienste

Die Bundesregierung möchte dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) deutlich mehr Befugnisse einräumen, das hat sie am 14. Juli 2026 in einer 700-seitigen Stellungnahme dargelegt. Der Schutz von Journalist*innen und ihren Quellen wird darin systematisch abgebaut, kritisiert Reporter ohne Grenzen (RSF). Und das ist nur ein Kritikpunkt an der Reform, die an anderer Stelle als "unanständig" kritisiert wurde.
mehr »

Österreichs „Standard“ in Deutschland

Kann eine österreichische Tageszeitung im zehnmal größeren deutschen Markt bestehen? Während viele Medienhäuser bei Expansionsversuchen viel Geld investierten und scheiterten, verfolgt der Wiener „Standard“ seit Jahren einen anderen Weg. Die deutsche Website derstandard.de ist weniger Angriff auf etablierte Anbieter als vielmehr ein strategisches Versuchslabor. Dort testet der Verlag Technologien, Geschäftsmodelle und digitale Strategien – mit erstaunlichen Erkenntnissen.
mehr »