Doku „Ithaka“ über den Kampf um Assange

Stella Assange in Münster bei der Filmfvorführung von "Ithaka" Foto: Frank Biermann

Julian Assange ist zum Sinnbild eines weltumspannenden juristischen Tauziehens um die Freiheit des Journalismus, um Regierungskorruption und ungesühnte Kriegsverbrechen geworden. Der über zwei Jahre in Großbritannien, Europa und den USA gedrehte Dokumentarfilm „Ithaka“, folgt dem 76-jährigen pensionierten Bauunternehmer John Shipton, bei seinem unermüdlichen Kampf zur Rettung seines Sohnes Julian Assange.

Stella Assange, Anwältin und Frau des inhaftierten Wikileaks-Gründers Julian Assange reist derzeit durch Deutschland, um die Dokumentation „Ithaka“ zu zeigen. Dieser Film zeigt über einen Zeitraum von zwei Jahren John Shipton, wie er sich für die Freilassung seines Sohnes engagiert. Im Rahmen ihrer Tour war Stella Assange auch in Münster, wo die regionale ver.di-Fachgruppe „Journalismus, Medien und Film“ Teil der Veranstaltergemeinschaft war.

In der Diskussion nach der Filmvorführung wies Stella Assange darauf hin, dass es trotz der zahlreichen juristischen Facetten des Falles, ein politischer Fall sei. Deshalb könne er letztlich auch nur politisch entschieden werden. Idealerweise würde das bedeuten, „das alles ganz schnell vorbei ist“ und der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks das Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Südosten von London verlassen könne. Seit dreieinhalb Jahren sitzt Julian Assange hier ein.

Die Anwältin begrüßte ausdrücklich eine Initiative der fünf Medien „New York Times“, „Guardian“, „Le Monde“, „Spiegel“ und „El País“, die vor ziemlich genau zwölf Jahren in Zusammenarbeit mit Wikileaks Enthüllungsgeschichten veröffentlicht haben, die weltweit Schlagzeilen machten. „An meinem Mann soll ein Exempel statuiert werden, er soll keine Nachahmer finden“, sagt Stella Assange. Wörtlich heißt es in dem Offenen Brief: „Die Anklage gegen Assange ist ein gefährlicher Präzedenzfall und ein Angriff auf die Pressefreiheit.“

In dem Dokumentarfilm „Ithaka“ stehen die eher persönlich-familiären Aspekte im Vordergrund. Die Zuschauer*innen erleben, wie Stella ihnen ein Fenster in das Privatleben mit Julian öffnet. Der Film zeigt Bilder der Überwachungskameras der CIA, die in der Wohnung von Wikileaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London angebracht waren. Sie zeigen ihre Versuche, mit dem Handy und Videos eine Beziehung zwischen den Kindern und ihrem isolierten Vater aufzubauen.

Der Held wider Willen des Films heißt John Shipton. Der einstige Bauunternehmer ist ein kluger Kopf der Aristoteles und die griechische Mythologie mag. Das Motiv für den 76jährigen, der in Melbourne lebt und der mit Anfang 70 noch einmal Vater geworden ist, ist klar: „Julian sitzt in der Scheiße und ich will ihn da rausholen.“

John Shipton mag die Medien eigentlich nicht. Aber wenn er mit Interviews seinem Sohn helfen kann, tut er das. „Julian kann nicht mehr für sich selbst sprechen, deswegen muss ich für ihn und seine Familie und seine Freunde sprechen.“ Wie zum Beispiel beim Anhörungsverfahren, wo es um die von der US-Regierung beantragte Ausweisung von Julian an die USA ging, als eine Entscheidung verkündet wurde. Die ging im Januar 2021* zwar zugunsten Julians aus. Die Begründung der Richterin: Assange leide an mittleren bis schweren Depressionen, er gilt als suizidgefährdet. Das macht John, in seiner Wohnküche in Melbourne sitzend zornig und wütend: „Es ist schon furchtbar und es wird noch furchtbarer werden. Julian ist jetzt schon 49.“ Stella Assange ist verwundert, wie sehr sich die Erzählweise von ihrem Schwiegervater und ihrem Mann ähneln. Ruhig, reflektierend, nicht auf billige Effekte abzielend.

Assange wird in dem Film von dem Journalisten Niels Ladefoge begleitet. Er war als Kameramann auch zwei Jahre lang mit John Shipton unterwegs. Der dritte im Bunde ist Craig Murray, ein Schotte mit Humor, Journalist und Ex-Diplomat im Dienste des Vereinigten Königreichs. Murray gilt mit seiner umfangreichen Berichterstattung über die Gerichtsverfahren gegen Assanges als einer der wichtigsten Unterstützer des Wikileaks-Gründers.

Über die Webpräsenz, etwa bei YouTube, kann man erfahren, wo und wann der Film zu sehen ist.

*Korrektur 08.12.2022 siehe Kommentar 

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Recherchen für die Demokratie

Die Uhr tickt – politisch und ökologisch. „Der Ton wird rauer, die Angriffe intensiver“, so NDR-Intendant Joachim Knuth im Begrüßungsgespräch mit Daniel Drepper, dem Vorsitzenden der Journalist*innenvereinigung Netzwerk Recherche (NR), die ihre Jahreskonferenz unter das Motto stellte: „Now is the time. Recherchen für die Demokratie“. Etwa 900 Teilnehmende trafen sich beim NDR Fernsehen in Hamburg zu Austausch und Debatte über die Rolle der Medien in Zeiten des politischen Rechtsrucks und der Klimakrise. 
mehr »

Renaissance einer Redaktion in Guatemala

Am 15. Mai 2023 stellte Guatemalas investigative Tageszeitung „elPeriódico“ ihr Erscheinen ein. Rund ein Jahr später sind die Köpfe hinter dem linken Leitmedium mit dem Online-Portal „eP Investiga“ wieder da. Die beiden Buchstaben eP erinnern an den alten Titel des Blattes, das sich dem Kampf gegen die Korruption verschrieben hatte. Offiziell gibt es keine Verbindung zur Familie Zamora und dem nach wie vor in Haft sitzenden Zeitungsgründer José Rubén Zamora. Allerdings tritt das investigative Portal für sein journalistisches Credo ein. 
mehr »

Buchtipp: Mediale Verzerrungen erkennen

In Zeiten von sinkendem Vertrauen in die Medien wirbt die Leipziger Medienforscherin Gabriele Hooffacker für mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Journalist*innen und ihrem Publikum, indem sie journalistische Standards und wahrnehmungspychologische Einflüsse auf die Berichterstattung anschaulich erklärt. 
mehr »

Reformstaatsvertrag: Zweifel am Zeitplan

Der Medienrechtler Dieter Dörr bezweifelt, dass es den Bundesländern gelingt, sich gemäß ihrer Planungen bis Ende Oktober auf einen Reformstaatsvertrag zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verständigen. Er halte „diesen Zeitplan, um es vorsichtig auszudrücken, für ausgesprochen optimistisch“, sagte Dörr auf M-Anfrage. Nach dem bisherigen Fahrplan sollte der Reformstaatsvertrag dann bei der Ministerpräsidentenkonferenz im Dezember 2024 unterzeichnet werden.
mehr »