Ippen übernimmt auch FR und Neue Presse

Die Frankfurter Rundschau - nur bis 2003 ganz aus eigenem Antrieb unterwegs.
Foto: Wikimedia/Philipp Gross

Die Monopolisierung des hessischen Zeitungsmarkts geht weiter. Am 9. Februar 2018 gab die FAZIT-Stiftung bekannt, dass sie sowohl die Frankfurter Rundschau (FR) und die Frankfurter Neue Presse (FNP) inklusive ihrer Lokalausgaben als auch die Frankfurter Societäts-Druckerei an die Zeitungsholding Hessen (ZHH) verkaufen wird. ver.di fordert, dass die Arbeitsplätze und die redaktionelle Unabhängigkeit beider Blätter erhalten bleiben.

Bei den Verkaufssondierungen in den vergangenen Monaten habe „die nachhaltige Zukunftssicherung der Titel“ im Vordergrund gestanden, erklärte Andreas Barner, Geschäftsführer der FAZIT-Stiftung, die auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung herausgibt. Doch ob die Zukunft von Rundschau und Neuer Presse durch diesen Schritt sicherer wird, darf bezweifelt werden. Denn die Ippen-Verlagsgruppe – die neben der MDV-Mediengruppe Eigentümer des Käufers ZHH ist – ist bekannt dafür, durch Übernahmen „Synergien“ anzustreben. Mit der neuerlichen Expansion baut der Münchner Verleger Ippen nun seine Vormachtstellung auf dem hessischen Zeitungsmarkt weiter aus. In Nordhessen hat der Verlag der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) ohnehin bereits ein Quasi-Monopol. Und vor ziemlich genau einem Jahr übernahm Ippen die Mehrheitsanteile am Mittelhessischen Druck- und Verlagshaus, in dem die Gießener Allgemeine, die Wetterauer Zeitung und die Alsfelder Allgemeine erscheinen.

Manfred Moos, Leiter des ver.di-Fachbereichs Medien in Hessen, kritisierte, die Betriebsräte seien erst am Vormittag über die Pläne informiert worden und bei den Verkaufsverhandlungen nicht einbezogen gewesen. Er forderte eine umfassende Sicherung der Arbeitsplätze in Redaktionen und Druckerei. Gut die Hälfte der 800 betroffenen Beschäftigten ist in der Societäts-Druckerei angestellt. „Zusammen mit den Betriebsräten werden wir dafür kämpfen, dass die Arbeitsplätze erhalten werden“, kündigt Moos an. „Außerdem muss sichergestellt werden, dass die beiden Tageszeitungen Neue Presse und FR als unabhängige Stimmen erhalten bleiben und keine Zusammenlegung der Redaktionen erfolgt.“

Rundschau und Neue Presse sprächen eine sehr unterschiedliche Leserschaft an, erläuterte Moos. Würde der neue Eigentümer versuchen, durch die Zusammenlegung von Redaktionstätigkeiten zu sparen, „wäre das für beide Zeitungen fatal“. Solche Versuche würden daher mit Sicherheit auf den Widerstand der Redaktionen stoßen.

Sollte die redaktionelle Unabhängigkeit der beiden Frankfurter Blätter tatsächlich in Frage gestellt werden, wäre das ein weiterer schwerer Schlag für die Vielfalt der Medienlandschaft in Hessen. De facto teilen Ippen und die Mainzer Mediengruppe VRM den Markt an Regionalzeitungen fast komplett unter sich auf. Auch der Wiesbadener Landtag hatte sich bei einer Anhörung im Sommer 2015 mit dem Problem befasst, allerdings ohne Maßnahmen zu ergreifen.

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