Mediengruppe DuMont vor Zerschlagung

Nicht nur symbolisch für die Beschäftigten bei DuMont an allen Standorten: Die Ampel zeigt auf Rot vor dem einstigen DuMont-Verlagsgebäude am Berliner Alexanderplatz. Foto: Christian von Polentz/ transitfoto.de

ver.di: „Unerträgliche Gleichgültigkeit gegenüber den Beschäftigten“

Es scheint nun „amtlich“ zu sein, was seit Monaten in der Branche vermutet wird. Die Mediengruppe DuMont soll zerschlagen werden. Für alle Regionalmedien werden Käufer gesucht.  Betroffen sind sowohl der Kölner Stadt-Anzeiger und der Express am Stammsitz in Köln als auch die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier in der Hauptstadt, ebenso die Mitteldeutsche Zeitung in Halle sowie die Hamburger Morgenpost – und dazu alle Druckereien, zentralen Services und Anzeigenblätter.

Vermeldet von Horizont soll DuMont die Goetzpartners Corporate Finance GmbH in München beauftragt haben, potenzielle Interessenten zu suchen. In Unterlagen, die der Zeitschrift vorliegen, werde aufgefordert, ein unverbindliches Angebot zu übermitteln und darüber hinaus auch die Einzelposten zu bewerten, was eine Zerschlagung der Mediengruppe bedeuten würde. Gegenüber Horizont sprach eine DuMont-Sprecherin dagegen von Gerüchten, zu denen man „grundsätzlich keine Stellung“ beziehe.

ver.di fordert die Leitung des Verlagshauses DuMont auf, „die Belegschaft und die Öffentlichkeit unverzüglich und umfassend über eine geplante Zerschlagung der Mediengruppe zu informieren“. Der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke nannte es „unerträglich, mit welcher Gleichgültigkeit die Gesellschafter des Unternehmens mit den Existenzen tausender Beschäftigter umgehen“. Weder die Betriebsräte noch die Gewerkschaften seien über solche Pläne informiert worden. Das traditionsreiche Verlagshaus DuMont, das stolz von der 12. Verlegergeneration spricht und aktuell auf Rang sechs der größten deutschen Verlagsgruppen geführt wird, müsse sich zu seinem Kurs erklären, verlangte Werneke in einer Medieninformation.

Es ist kaum fünf Monate her, als sich das Verlagshaus DuMont mit Madsack in einer Hauptstadtredaktion zusammentat. Die erst 2017 in ein neues Redaktionsgebäude in Berlin-Kreuzberg umgezogene DuMont-Redaktionsgemeinschaft wurde dafür geschlossen. Alle Titel beider Verlage werden seither mit Beiträgen aus den überregionalen Themenfeldern Politik und Wirtschaft durch das RedaktionsNetzWerk Berlin GmbH (RND) beliefert. 17 Beschäftigte haben damals bei DuMont ihren Arbeitsplatz verloren. Immerhin durften sie sich auf zehn Stellen in der RND bewerben. Es sollte angesichts dieser „Zusammenlegung“ verwundern, wenn Madsack nicht unter den nun zu erwartetenden Kauf-Interessenten auftaucht.

Nur ein weiteres Jahr zurückgedreht im Niedergang des Berliner Verlagshauses unter DuMont-Ägide sei an den April 2017 erinnert, als am Alexanderplatz die Lichter ausgingen. 85 Mitarbeiter*innen aus Verlag und Redaktion waren gekündigt worden. Dabei wedelte man mit dem DuMont-Papier „Neubeginn“ herum. Was für ein Hohn angesichts der offenbar von langer Hand geplanten Verkaufsbestrebungen!


Aktualisierung am 27.2. 2019

Erklärung der Betriebsräte der DuMont Mediengruppe

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