Vor der Wahl: Streit um die TV-Duelle

Günter Herkel, Medienjournalist in Berlin Foto: Christian von Polentz

Duell zweier Kanzlerkandidaten oder gleichberechtigte Teilhabe auch der Opposition? Linke, Grüne und Liberale fordern vor der Bundestagswahl eine TV-Debatte mit den Spitzenkandidaten aller relevanten Parteien.

Alle vier Jahre finden Bundestagswahlen statt, das Hochamt der Demokratie. Wie schon vor vier Jahren wird auch der Wahlgang 2017 begleitet von Protesten der kleinen Oppositionsparteien gegen die Absicht der TV-Sender, am 3. September nur Kanzlerin Angela Merkel und den SPD-Herausforderer mit Fragen zu konfrontieren. Den kleineren Parteien wird gönnerhaft lediglich eine separate Sendung zugestanden, in der Grüne, Linke, FDP und AfD sich gegenseitig beharken können. Eine Regelung, die bei diesen Akteuren wenig überraschend keine große Begeisterung auslöst. Zu Recht. Erfahrungsgemäß stößt ein solcher Vierkampf auf weniger öffentliche Beachtung als ein Showdown der beiden einzigen realistischen (?) Kanzlerkandidaten. Auch mit einer Zusage der Sender, am 21. September zusätzlich eine gemeinsame Debatte aller im Bundestag vertretenen Parteien (samt FDP und AfD) zu organisieren, wollen und sollten die „Kleinen“ sich nicht abspeisen lassen. Aus der leidvollen Erfahrung, dass diese Runden bislang meist am Desinteresse der „Großen“ scheiterten. Denn die haben ganz offensichtlich keine Lust, sich knappe Sendezeiten – also mediale Aufmerksamkeit – mit der bisherigen inner- und außerparlamentarischen Opposition zu teilen.

Aus demokratischer Sicht erscheint es aber höchst problematisch, nur die Vertreter der GroKo untereinander diskutieren zu lassen, während die eigentliche Opposition der letzten vier Jahre am Katzentisch sitzt. Das müssten auch ARD und ZDF einsehen, wollen sie sich nicht dem Vorwurf aussetzen, allein aus Gründen der Dramaturgie die politische Willensbildung auf zwei Positionen zusammenschnurren zu lassen. Wer könnte besser Rechenschaft über die Politik der letzten Legislaturperiode einfordern als die bisherige Opposition? Gerade die öffentlich-rechtlichen Anstalten täten gut daran, sich im Wahlkampf nicht als privilegierte Plattform der bisherigen Großkoalitionäre instrumentalisieren zu lassen. Ob sich diese Einsicht durchsetzt? Eben erst wurde der dominante Einfluss speziell großer Parteien im ZDF-Fernsehrat durch den neuen ZDF-Staatsvertrag trickreich zementiert. Auch das mit RTL und Sat.1 erneut ausgekungelte Format „Vier Journalisten fragen, zwei Kandidaten antworten“ dürfte eher die Eitelkeit der „Alpha-Journalisten“ befriedigen als das Informationsinteresse der Zuschauer.

Was blieb haften vom TV-Duell im Wahljahr 2013? Dass ein ehemaliger Metzgergeselle in Journalistenverkleidung den SPD-Kandidaten Steinbrück verbal als „King of Kotelett“ entzauberte. Wenn es denn der Demokratie hilft…

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