Synchron-Gagen unangemessen niedrig

Die Justitia auf dem Römerberg in Frankfurt am Main Foto: Hermann Haubrich

Nach dem wegweisenden Urteil im Fall des Synchronschauspielers Marcus Off hat nun auch sein Kollege Johannes Raspe seinen Anspruch auf Nachvergütung erfolgreich durchgesetzt. Das Landgericht München urteilte am 12. Juli, dass die Vergütung der deutschen Stimme von Robert Pattinson in den Filmen der Twilight Saga im Vergleich zum Verwertungserfolg der Kinofilme zu niedrig war. Außerdem bewertete das Gericht die Gagen von Synchronschauspielerinnen und –schauspielern auch grundsätzlich als unangemessen niedrig.

Geklagt hatte Raspe, der in allen fünf Twilight-Filmen die Hauptfigur Edward Cullen, gespielt von Robert Pattinson, synchronisierte, gegen die Tele München Gruppe. Die Streitfrage in dem rund drei Jahre dauernden Prozess war, ob Raspes Leistung für die produzierten Kinofilme im Vergleich zum Verwertungserfolg angemessen vergütet wurde. Grundlage für die Klage war der § 32a des Urheberrechtsgesetzes (UrhG), wonach ein Künstler eine Nachforderung geltend machen kann, wenn zwischen der vereinbarten Gegenleistung und den Erträgen aus der Nutzung des Werkes ein auffälliges Missverhältnis besteht. Das Gericht gab allerdings nicht nur Raspes Anspruch auf Nachvergütung statt, sondern stellte auch fest, dass die in der Synchronbranche allgemein üblichen Gagen seit jeher derart niedrig sind, dass sie nicht als angemessen angesehen werden können und nicht mit dem verfassungsrechtlich geschützten Eigentumsrecht der Synchronschauspielerinnen und -schauspieler im Einklang stehen.

Der InteressenVerband Synchronschauspieler e.V. (IVS), der sowohl Offs als auch Raspes sowie weitere Nachvergütungsverfahren finanziert und unterstützt, wertete das Urteil als Teilerfolg und forderte eine deutliche Erhöhung der Gagen. IVS-Vorstand Till Völger: „Seit Mitte der 60er Jahre hat sich die Höhe der Gagen kaum verändert. Obwohl das Auswertungsvolumen und damit die Gewinne der Produzenten seither explodiert sind, wurde unsere Vergütung nie angepasst. Berechnet man die Inflation ein, ist sogar ein drastischer Gagenverfall zu erkennen – und das bei Pauschalabgeltungen ohne Berücksichtigung des Nutzungserfolges.“ Er verwies zudem auf den gültigen NDR-Tarifvertrag, dessen Gagen für Synchronschauspieler_innen rund 300 Prozent über den derzeit branchenüblichen liegen. „Es wird allerhöchste Zeit, dass die Synchronproduzenten hier endlich ein Einsehen haben und die Voraussetzungen schaffen, damit über einen Tarifvertrag angemessene Gagen etabliert werden können“, so Völger. Der IVS fordere die Synchronproduzenten schon seit einigen Jahren zur notwendigen Gründung einer Arbeitgebervertretung als Verhandlungspartner auf, was von den Produzenten allerdings abgelehnt werde.

Im Fall von Raspe werden der Synchronschauspieler und der IVS allerdings trotz des positiven Urteils in Berufung gehen, denn „die darauf aufbauende Berechnungsgrundlage des LG München für die Beurteilung eines Übererfolges der Filme ist für uns nicht nachvollziehbar“, erklärte Volger.

nach oben

weiterlesen

Filmtipp: „Be Natural – Sei du selbst“

Eines Tages sah die amerikanische Regisseurin und Produzentin Pamela B. Green einen Film über Pionierinnen des Kinos, darunter auch Alice Guy. Green wunderte sich, dass ihr der Name überhaupt nichts sagte. Sie hörte sich bei Kolleginnen und Kollegen um und erhielt überall die gleiche Antwort: nie gehört. Wie konnte es sein, dass eine offenbar derart wichtige Figur aus der Frühzeit des Films völlig unbekannt ist? Sie begann zu recherchieren. Am Ende steht im Originaltitel: „Be Natural – The Untold Story of Alice Guy-Blanché".
mehr »

Das Boot: Kameramann nimmt Vergleich an

Im Rechtsstreit über eine angemessene Vergütung hat sich der Chefkameramann des international erfolgreichen Filmklassikers „Das Boot“, Jost Vacano, mit den ARD-Anstalten geeinigt. Der 87-Jährige und der im Streit mit acht Anstalten federführende Südwestrundfunk (SWR) nahmen den Anfang Juli vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart vereinbarten Vergleich fristgerecht an, wie jetzt eine Gerichtssprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte.
mehr »

Algerien zieht gegen freie Presse zu Felde

Meinungs- und Pressefreiheit stehen in Algerien so heftig unter Druck wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Journalist*innen werden eingeschüchtert, systematisch an ihrer Arbeit gehindert, gar verhaftet und strafrechtlich verfolgt. Seit 2019 ließ die Regierung den Zugang zu mindestens 16 regimekritischen Nachrichten-Websites sperren und verabschiedete Gesetze, die als Frontalangriff auf die freie Presse bewertet werden. Entspannung ist nicht in Sicht.
mehr »

Werbebranche erholt sich nur langsam

Nicht zuletzt die deutsche Werbebranche widerspiegelt das Pandemiegeschehen: Während das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 um 5,1 Prozent schrumpfte, ging das Marktvolumen der Werbewirtschaft um sieben Prozent auf 45 Milliarden Euro zurück. Eine Stabilisierung wird ab dem dritten Quartal 2021, eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau erst ab 2022 erwartet. Und beim neuen Urheberrecht gilt: Das Beste ist, dass es überhaupt beschlossen wurde. Diese und andere Erkenntnisse in den aktuellen Quartalsberichten aus der Medienwirtschaft.
mehr »