Schon entdeckt? cooppa

Screenshot der cooppa-Startseite

Schon entdeckt?

Engagierte Medien abseits des Mainstreams gibt es zunehmend mehr. Sie sind hoch­interessant, aber oft wenig bekannt. Deshalb stellt M in jeder gedruckten Ausgabe und monatlich auf M Online eines davon vor.

Die Mediengenossenschaft cooppa wurde im Frühjahr in Wien gegründet. „Wir sind Teil der neuen Bottum-up-Initiativen“, sagt der Berliner Wissenschaftsjournalist Manfred Ronzheimer. Für das redaktionelle Konzept zuständig, verortete er die „kooperative Presseagentur“ zwischen „Perspective Daily“ und „Krautreporter“. Ziel sei es, Themen „des gemeinsinnigen Wirtschaftens sowie der globalen Nachhaltigkeitsziele im Sinne eines positiven und konstruktiven Journalismus einer breiten Öffentlichkeit multimedial zugänglich zu machen.“ Das „Dezentralorgan einer neuen Bewegung“ soll mit seiner Webseite den gesamten deutschsprachigen Raum erreichen.

Neben Ronzheimer ist der Wissenschaftler Friedrich Hinterberger Gründer von Cooppa. Sein Wiener Forschungsinstitut Sustainable Europe SERI startete 2015 mit dem Projekt N21 ein werbefreies Onlinemedium, um Themen rund um nachhaltige Entwicklung in die Breite zu tragen. Aus N21 ging Cooppa hervor. Mitglieder der Genossenschaft können Journalist_innen, gemeinnützige Unternehmen und Organisationen sowie Leser_innen werden. „Wir haben zurzeit 15 Journalist_innen als Vollmitglieder und ein Recyclingunternehmen. Im August und September wollen wir noch einige Genossenschaften gewinnen“, so Ronzheimer.

Von der heterogen Mitgliederschaft sollen alle Beteiligten profitieren. Journalist_innen erhalten bezahlte Aufträge, über Nachhaltigkeit und Umwelt zu schreiben. Gemeinwohlorientierte Unternehmen und Organisationen bekommen die Chance, ihre Themen über ihre eigenen Zielgruppen hinaus zu kommunizieren. Die cooppa-Website bietet zwei Arten von Artikeln: Zunächst gibt es Aktuelles zum Thema Nachhaltigkeit. Am 5. Juli erschien etwa ein Konferenzbericht, in dem es um die Rolle von Wissenschaft, Kunst und Religion für eine zukunftsfähigere Wirtschafts- und Lebensweise geht. In die zweite Kategorie fallen „Themen der Mitglieder“ – Berichte über ihre Produkte oder Veranstaltungen. Beispiel dafür ist ein Beitrag über den sozial-ökonomischen Betrieb R.U.S.Z. (Reparatur- und Service-Zentrum) in Wien. Auf die Frage, ob die Mitgliedschaft von Privatunternehmen nicht die Gefahr einer PR-Berichterstattung berge, meint Ronzheimer, eine „partnerschaftliche Zusammenarbeit stellt Schwachpunkte zurück“, es gäbe da eine „gewisse Abhängigkeit“, aber man könne „an anderen Stellen kritischer rangehen“.

Die Autor_innen würden fair bezahlt, versichert Gewerkschaftsmitglied Ronzheimer. Für einen Artikel (ca. 4000 Zeichen) erhielten sie 200 Euro. Nächste Verdienstchance biete die internationale Konferenz „Wachstum im Wandel“ im November in Wien. Das österreichische Umweltministerium habe cooppa beauftragt, im Vorfeld eine „Themenstaffel“ zu schreiben und während der Tagung eine Konferenzzeitung zu publizieren.

 www.cooppa.de und www.cooppa.at

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Spanien: Strafe für Berichterstattung?

Die spanische Datenschutzbehörde will Zeitungen bestrafen, weil sie illegal in soziale Bewegungen eingeschleuste Polizisten enttarnt oder darüber berichtet hatten. Bislang sind Gerichte nicht tätig. Die Vorgänge drohen zu einem Präzedenzfall zu werden, warnen die betroffenen Medien und Menschenrechtsorganisationen.
mehr »

Kahlschlag bei DuMont in Köln

Die dju in ver.di kritisiert den Kahlschlag der Regionalredaktionen von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau. Zum 30. September endet die Tätigkeit der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft (RRG). 57 tarifgebundene Vollzeitstellen entfallen. Die betroffenen Beschäftigten müssen sich jedoch auf neu zugeschnittene Stellen bewerben. Eine Übernahmegarantie gibt es nicht.
mehr »

AI Act legt KI-Kennzeichnung fest

Petra Schwegler fasst für die Webseite der Medientage München die seit dem 2. August 2026 geltenden Bestimmungen zur KI-Kennzeichnung zusammen. Der AI Act gilt: Wer KI-generierte oder -manipulierte Inhalte veröffentlicht, muss das kennzeichnen. Die Regel gilt für Chatbots, für Deepfakes, für Werbespots, für alles künstlich Generierte.
mehr »

Katapult-Magazin im Wahlkampf

„Mecklenburg-Vorpommern steht schlecht da, Sachsen-Anhalt auch. Wir reagieren.“ So lautet der erste Satz des Editorials zur Ankündigung, ein „Magazin für Konservative und Rechte“ im Vorfeld der Landtagswahlen zu produzieren. Die etwas reißerische Vorschau kommt von KATAPULT, dem Greifswalder Wissenschaftsmagazin, das aus Statistiken und Studien allgemein verständliche Info-Grafiken baut und sich darüber hinaus im Medienkanon als kräftige Stimme für Demokratie und Toleranz profiliert hat.
mehr »