Schon entdeckt? „Journalistik“ pur

Schon entdeckt? Journalistik

Engagierte Medien abseits des Mainstreams gibt es zunehmend mehr. Sie sind hoch­interessant, aber oft wenig bekannt. Deshalb stellt M in jeder gedruckten Ausgabe und auf M Online einige davon vor.

Eine neue Fachzeitschrift will eine Lücke in der deutschsprachigen Wissenschaft der Journalistik schließen. Dabei ist der Name Journalistik ebenso klar und einfach gewählt wie das Layout. Journalistik will den Autor_innen und Leser_innen eine Publikation bieten, bei der allein die Journalismusforschung dominiert. Die soll sich den Platz nicht mit anderen kommunikations- und medienwissenschaftlichen Fragestellungen teilen müssen.

Die neue Zeitschrift Journalistik zeigt sich thematisch konzentriert und grafisch puristisch.
Foto: Screenshot journalistik.online

„Diese Wissenschaft begleitet den Journalismus wie die Medizin den Arztberuf“, erklärte der Initiator Professor Horst Pöttker zur Vorstellung der Online-Zeitschrift, die seit dem 1. Februar im Netz zu finden ist. In den deutschsprachigen Ländern fehle bisher eine solche Publikation, während es in den angelsächsischen Ländern eine ganze Reihe von Fachzeitschriften zu „Journalism Studies“ gebe. Die Idee zu Journalistik habe er bereits seit Jahren gehabt, doch die Umsetzung gelang erst mit der Förderung durch die Stiftung Presse-Haus NRZ und den Herbert von Halem-Verlag.

Um den von den Herausgebern ausgewählten wissenschaftlichen Aufsätzen aber eine Bühne über die deutsche Sprache – auf die man nicht verzichten wollte – hinaus zu bieten, erscheint Journalistik parallel auch auf Englisch. Die fünf Herausgeberinnen und Herausgeber Horst Pöttker (Hamburg), Gabriele Hooffacker (Leipzig), Petra Herczeg (Wien), Tanjev Schultz (Mainz) und Bernhard Debatin (Athens/Ohio) stehen für die Güte der ausgewählten Aufsätze mit ihrem guten Namen ein, eine anonymisierte Begutachtung findet nicht statt. Redakteurin ist die Journalistin und Wissenschaftlerin Christina Kiesewetter, wissenschaftliche Einsendungen sind willkommen.

Mindestens drei Mal im Jahr, so Mitherausgeberin Hooffacker, solle die Online-Zeitschrift erscheinen, und zwar als kompakte Ausgabe, die auch als PDF mit Seitenzahlen zitierbar ist. Die erste deutsche und englische Download-Datei wird in wenigen Tagen auf der Online-Seite zu finden sein. Gedacht ist Journalistik aber nicht nur als Bühne für die deutschsprachige Journalismusforschung, sondern sie soll ab der zweiten Ausgabe auch internationale Aufsätze zu „Journalism Studies“ auf Deutsch und Englisch bieten.

Die erste Ausgabe befasst sich mit dem „konstruktiven Journalismus“ als neuem Berichterstattungmuster (Klaus Meier), der Frage, was Journalisten von Erich Kästner lernen können (Gunter Reus) und der Zukunft des Journalismus. Die Studie von Nina Steindl, Corinna Lauerer und Thomas Hanitzsch zu Situation und Selbstverständnis der wachsenden Zahl von freien Journalistinnen und Journalisten war auch in „M Online“ bereits ein Thema.

In einem Essay geht Friederike Herrmann Gründen für eine „langweilige Europa-Berichterstattung“ nach. Petra Herczeg und Horst Pöttker debattieren „Wann darf die Nationalität von Straftätern genannt werden?“ und vergleichen journalistische Antidiskriminierungsregeln und den Migrationsdiskurs in Deutschland und Österreich. Fünf Rezensionen runden die erste Ausgabe ab, die auch auf Facebook beworben wird. Das Echo auf die Premiere von Journalistik in den sozialen Medien sei sehr positiv gewesen, berichtete Gabriele Hooffacker im Gespräch mit M Online.

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