Bereit für einen heißen Streiksommer

Klaus Schrage, Redakteur für die Nürn­berger Nachrichten, versandte mit Heinz Wraneschitz, beide dju-Sprecher in Bayern, das Schreiben an die Parteien.
Foto: Jan-Timo Schaube

Wie hältst Du’s mit dem Streik? Vor diese Frage sind in diesen Tagen unsere Mitglieder in den Streikbetrieben der Zeitungsbranche gestellt worden. Anlässlich der Urabstimmung wurde ihre Bereitschaft erkundet, für das Durchsetzen der Forderungen unserer Gewerkschaft bei Bedarf auch an einem unbefristeten Arbeitskampf teilzunehmen. Das Ergebnis ist eindeutig: Fast 90 Prozent der befragten dju-Mitglieder haben sich dafür ausgesprochen.

Unsere Kolleginnen und Kollegen wollen geschlossen dafür eintreten, dass die Gehälter und Honorare in zwei Schritten um jeweils 2,8 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten erhöht werden. Außerdem soll es Mindesterhöhungen der Gehälter für Berufseinsteiger_innen um 150 € sowie von 100 € für Volontärinnen und Volontäre im ersten Laufzeitjahr geben.

Am Beginn der Tarifrunde Anfang dieses Jahres war nicht abzusehen, dass es zur Urabstimmung und einem möglicherweise längeren Arbeitskampf kommen könnte. Unsere Tarifforderung von 4,5 Prozent war moderat. Sie sollte ein Signal an die Verhandler des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) sein, dass man diese reine Gehaltsrunde rasch über die Bühne bringen könnte. Dieser Gedanke hat unsere Gegenseite offenbar intellektuell überfordert. Dort wurde unsere vergleichsweise bescheidene Ansage offenbar als vorauseilende Kapitulationserklärung verstanden. Wohl nur so war es möglich, dass die BDZV-Vertreter die Zeitungsverlage – gemessen an ihrem Angebot – als notleidendste Branche Deutschlands dargestellt haben, zugleich aber auftraten, als könnten sie den Abschluss diktieren.

In mehreren Verhandlungsrunden verbesserten die BDZV-Verhandler ihr Angebot nur in kleinsten Schritten. Und auch nach sechs Treffen haben sie noch immer nicht verstanden, dass ihr sogenanntes „Angebot“ einer faktischen Entgeltkürzung für die dju inakzeptabel ist. Noch immer wurde uns signalisiert, dass eine inflationsbereinigte Tariferhöhung für die Zeitungsverleger nicht in Frage kommt. Es wurde gejammert, gedroht oder mit purem Zynismus argumentiert. Etwa mit dem Hinweis, dass die Jobs in tariflosen Betrieben doch auch alle angenommen würden. So wichtig sei das Geld doch gar nicht.

Von unseren Mitgliedern in den Redaktionen wurde das Verhalten der BDZV-Vertreter wahlweise mit Kopfschütteln, Sarkasmus oder Wut kommentiert. Desillusioniert ob des stocksteifen Auftretens der Arbeitgeber-Vertreter reagierte eine Gruppe von Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten, die in einem beeindruckenden Manifest ihre Erwartungen an die Verleger formulierten. Zur Diskussion über die Zukunft waren die BDZV-Verhandler nicht bereit.

Unsere Geduld ist nun am Ende. Und das ist auch richtig so. Mit unserer großen Bereitschaft zum Streik machen wir den Verlegern klar: Nur, wenn sie sich bei der nächsten Verhandlung einen echten Ruck geben, kommen wir zum Ziel. Ansonsten erlebt unsere Branche einen heißen Sommer. Wir sind dazu bereit!

nach oben

weiterlesen

Tarifrunde bei den Privatradios gestartet

Für die rund 1.000 Beschäftigten in Privatradios, die im Tarifverband Privater Rundfunk (TPR) zusammengeschlossen sind, haben die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutsche Journalistenverband (DJV) am 12. Oktober 2021 Tarifverhandlungen gestartet. ver.di fordert für die redaktionellen, technischen und kaufmännischen Beschäftigten einen Festbetrag in Höhe von 175 Euro, für Volontär*innen von 100 Euro und für Auszubildende von 50 Euro für eine Laufzeit über die kommenden zwölf Monate. Die Arbeitgebervertreter haben ihrerseits kein konkretes Angebot gemacht.
mehr »

RBB-Freie in Aktion: „Bloß nicht geizen“

„#Wirsindnichtda“ heißt die Aktion der RBB-Freien in der Woche vor der Bundestagswahl, zu der sich bereits über 360 Kolleg*innen eingetragen haben. Zum Auftakt gab es eine Demonstration vor dem RBB-Fernsehzentrum in der Masurenallee wie schon am 1. Mai zur Aktion „#FreiimMai“. Nach wie vor geht es vor allem um Beschäftigungs- und Honorarsicherung für die vielen freien Mitarbeiter*innen, ohne die ein gutes Programm beim RBB nicht möglich ist.
mehr »

Medienpolitik quo vadis?

Wer trägt die Verantwortung dafür, dass in Deutschland jedes Jahr „rund 100.000 ungeborene Kinder getötet“ werden? Geht es nach dem kruden Weltbild der AfD, so finden sich die Killer indirekt unter anderem in den Medien, die es versäumen, ausreichenden „Respekt vor dem Leben und ein positives Bild von Ehe und Elternschaft“ zu vermitteln. „Freier Funk für freie Bürger“ bedeutet nach dieser Logik: Kahlschlag beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk hin zu einem „schlanken Heimatfunk“ mit „ca. einem Zehntel des bisherigen Umfangs“, etwa durch Abschaffung von „Zwangsbeiträgen“ und Werbung. Am nächsten kommt dieser Position noch die FDP, die den Rundfunkbeitrag…
mehr »

Sachsen-Anhalt mit Demokratieproblem

Es ist nicht allzu schwer zu erraten, wer hinter dem Denkzettel steckt, den immerhin acht von 56 Abgeordneten der „Deutschland“-Koalition im ersten Wahlgang (noch drei im zweiten Wahlgang) dem CDU-Mann Reiner Haseloff bei der Wiederwahl zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt verpassten. Offenbar sollten hier alte Rechnungen beglichen werden. Rechnungen, die auch etwas mit der Medienpolitik im Lande zu tun haben.
mehr »