Es reicht: dju votiert für Urabstimmung

Streikaktion am 29. Mai am Neckar in Heilbronn: Tarifbindung und Qualität sollen nicht baden gehen.
Foto: Andreas Gugau

Die Tarifauseinandersetzung für die rund 13.000 Tageszeitungsjournalistinnen und -journalisten eskaliert: Nach einer weiteren erfolglosen Verhandlungsrunde mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Vortag soll nun eine Urabstimmung über die Intensivierung des Arbeitskampfs bis hin zu unbefristeten Streiks eingeleitet werden. So hat es die Bundestarifkommission der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di am 5. Juni beschlossen.

„Nach intensiven Streiks in den vergangenen Wochen und Monaten bedarf es offenbar einer weiteren Eskalation, um die Verleger zu einer echten Reallohnsteigerung zu bewegen“, stellte der Verhandlungsführer der dju in ver.di Matthias von Fintel fest. Das Votum der dju-Tarifkommission zeige die Entschlossenheit der Kolleginnen und Kollegen, für mehr Geld und damit auch eine angemessene Wertschätzung zu kämpfen. „Die Verleger lassen uns keine Alternative zur Verschärfung des Arbeitskampfes. Nach sechs Verhandlungsrunden wollen sie noch nicht mal die Inflationsrate wirklich ausgleichen“, kritisierte er.

In den zum Streik aufgerufenen Verlagen soll so bald wie möglich gemeinsam mit dem DJV mit der Urabstimmung begonnen werden. Danach könnten nach dem Willen der dju-Tarifkommission die Verhandlungen mit dem BDZV wieder aufgenommen werden. Die dju in ver.di fordert für die freien und angestellten Journalistinnen und Journalisten 4,5 Prozent mehr Geld, für den journalistischen Nachwuchs aber mindestens 200 Euro. Zuletzt, so die ver.di-Verhandlungskommission, sei man im Interesse einer Einigung „bis an die Schmerzgrenzen gegangen“.

Talente der Zukunft und ihr Wert

Die sechste Verhandlungsrunde über Gehälter und Honorare dauerte am 4. Juni bis spät in die Nacht. Begleitet wurden die Verhandlungen erneut von Warnstreiks. Diesmal beteiligten sich Redakteurinnen und Redakteure in Niedersachsen-Bremen und in Baden-Württemberg. In Stuttgart gab es eine landesweite Streikversammlung, in Hannover demonstrierten die streikenden Journalist_innen vor dem Madsack-Gebäude. Bereits zuvor hatten Kolleg_innen in vielen Teilen der Bundesrepublik, speziell auch im Norden, mit originellen Aktionen und Ausständen ihren Willen bekräftigt, die gewerkschaftlichen Tarifforderungen auch durchzusetzen. Nach Redaktionen in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen gingen in der letzten Maiwoche Redakteur_innen und freie Mitarbeiter_innen in Thüringen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg auf die Straße. In Bielefeld veranstalteten streikende Journalist_innen einen Flash-Mob. Am Neckar zeigten Streikende der Heilbronner Stimme: „Die Qualität geht baden!“. In Ulm funktionierten Redakteur_innen eine Kunstaktion um.

„Mit Elan und Einfallsreichtum protestieren sie gegen die zugestandenen Almosen der Verleger und forderten stattdessen eine reale Lohnerhöhung“, erklärt dju-Verhandlungsführer Matthias von Fintel. Er macht zugleich deutlich: „Der Zeitungsbranche geht es insgesamt gut. Sie braucht die Kreativität und das Know-how der Berufseinsteiger, um den Erfolg mit attraktiven digitalen Angeboten fortzuschreiben. Ausgerechnet hier erkennen die Verleger nicht, welchen Wert die journalistische Arbeit und das Werben um die Talente der Zukunft für diesen Erfolg hat.“

 

nach oben

weiterlesen

Neuer Tarifvertrag für Filmschaffende

Nach fünfmonatigen Verhandlungen gibt es einen Tarifabschluss für die rund 25.000 Filmschaffenden in Deutschland, der ab September gilt. Die ver.di FilmUnion erreichte gemeinsam mit der Schauspielgewerkschaft BFFS in Verhandlungen mit der Produzentenallianz Verbesserungen bei Arbeitszeiten, Freizeitphasen während der Dreharbeiten, Zuschlägen am Wochenende und bessere Bedingungen für Arbeitsverträge von Schauspieler*innen. Außerdem soll ab September über die Erhöhung der Gagen verhandelt werden.
mehr »

RBB-Freie: „Ohne uns wird‘s langweilig“

Am Tag der Arbeit demonstrierten mehr als 300 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Berliner Masurenallee vor dem Sendezentrum des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Denn sie wollen ihre Arbeit behalten, sie wollen Bestandsschutz, faire Honorare und Respekt für ihren qualifizierten Beitrag zum Programm der Zwei-Länder-Anstalt, die mal wieder den Rotstift ansetzt. Ganze Sendeformate sollen wegfallen. 75 Freien der Sendung „ZiBB“ wurde bereits das Ende ihrer Mitarbeit angekündigt.
mehr »

Bei Papier und Pappe 3,9 Prozent mehr Geld

Nach zähem Ringen wurde am 25. April in der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie ein Tarifergebnis erzielt. Die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Stufen um insgesamt 3,9 Prozent. Dieses Ergebnis konnte, so ver.di, gegenüber den Arbeitgebern vom Hauptverband Papier und Kunststoffverarbeitung (HPV) nur durch die gute Warnstreikbeteiligung durchgesetzt werden.
mehr »

Freie raus aus dem Schleudersitz!

Das Timing war perfekt: Das Ende des Freienkongresses fiel taggenau mit der Verabschiedung des novellierten Bundespersonalvertretungsgesetzes zusammen, die vom ARD-Freienrat als „Meilenstein“ für die Interessenvertretung gesehen wird. Der Kongress tagte coronabedingt nicht in Saarbrücken, sondern vom 20. bis 22. April 2021 im Netz. Drei gut besuchte Veranstaltungen zu den Themen Rundfunkfreiheit, Arbeitsrecht und Mitbestimmung boten Stoff zu Diskussion und Möglichkeiten zur Vernetzung für alle Freien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk über Sendergrenzen hinweg.
mehr »