Klare Erwartungen an die nächste Runde

Verleger müssen sich ernsthaft nach vorn bewegen

Ohne Ergebnis waren die Verhandlungen für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure, Pauschalisten und Freie bei Tageszeitungen am 26. März unterbrochen worden. Am 17. April geht es nun in die zehnte Runde (kurz nach Andruck der M) und ver.di erwartet, dass die Verleger sich zu einem Einkommensplus bekennen.

Stuttgart: Eine Hochburg des Widerstandes in dieser Tarifrunde Foto: Joachim E. Röttgers / GRAFFITI
Stuttgart: Eine Hochburg des
Widerstandes in dieser Tarifrunde
Foto: Joachim E. Röttgers / GRAFFITI

Rund 1.500 Streikende haben in den Tagen vor der neunten Verhandlung in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern deutlich gemacht, dass sie nicht bereit sind, ein tarifliches Minusgeschäft einzugehen. Am Verhandlungsort in Berlin demonstrierten Kolleginnen und Kollegen aus dem Norden ihr Bekenntnis zum Flächentarifvertrag. Auch nach dem 26. März fanden in Ostwestfalen-Lippe und in Baden-Württemberg weitere Streiks statt. Auf sehr gut besuchten Streikkonferenzen wie zum Beispiel in Köln wurde über den Verlauf der Tarifauseinandersetzung diskutiert.
Bis zuletzt hätten die Verleger leider kompromisslos auf Kürzungen beharrt, kritisierte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende und Verhandlungsführer, Frank Werneke. Die Gewerkschaften hingegen hätten sich intensiv um eine Lösung im Tarifkonflikt bemüht. „Wir haben dem BDZV mehrere unterschiedliche Modelle vorgelegt, die am Ende zu einem leichten Plus für unsere Mitglieder geführt hätten, den Forderungen der Verlegervertreter aber dennoch entgegengekommen wären“, unterstrich Werneke. Der BDZV habe nach wie vor darauf bestanden, die Jahresleistung und das Urlaubsgeld stufenweise über die kommenden fünf Jahre von jetzt 1,75 auf 1,5 Monatsgehälter abzusenken und den Urlaubsanspruch zu verschlechtern. Die Kürzungen von Jahresleistung und Urlaubsgeld sollten nach dem Willen des BDZV für Neueinstellungen und im Norden sofort greifen.
Die dju-Tarifkommission hat in ihrer Sitzung am 4. April die Richtung der eigenen Verhandlungskommission bekräftigt und die Fortsetzung der Verhandlung mit der Formulierung von klaren Erwartungen an den BDZV verbunden. Der Verlegerverband muss zunächst klären, für wen er überhaupt noch ein Mandat hat. Offensichtlich verliert der BDZV zunehmend seine Tariffähigkeit. Die Verlegerverbände im Norden lassen bisher offen, ob sie noch einen Tarifvertrag mittragen. Reihenweise werden derzeit tariflose Redaktionsgesellschaften gegründet – auch in Verlagen prominenter Verbandsrepräsentanten. Der BDZV redet vom Flächentarifvertrag und zerstört ihn gleichzeitig durch tägliches Handeln (M S. 23, 25, 26). Die dju in ver.di fordert neben einer Gehalts- und Honorarsteigerung von 5,5 %, die Einbeziehung von Onlinern und externen Redaktionsgesellschaften in den Geltungsbereich des Tarifvertrages sowie die Übertragung von Tarifsteigerungen auf Pauschal-Honorare für freie Journalistinnen und Journalisten.
Für den Fall dass mit der BDZV-Verhandlungskommission kein tragfähiges Tarifergebnis zu erzielen ist, hat die dju-Tarifkommission ihre Verhandlungskommission dazu mandatiert, die Bildung von regionalen Tarifkommissionen – oder auch Tarifkommissionen für einzelne Verlage und Verlagsgruppen vorzubereiten. In jedem Fall werde die dju in ver.di über ein möglicherweise erzieltes Tarifergebnis vor dessen Abschluss eine Mitgliederbefragung durchführen, so eine weitere Festlegung. Sollte der BDZV auf einem nach Bundesländern differenziertem Tarifergebnis beharren, dann werden auch die dju-Mitglieder in den betroffenen Ländern separat zum Tarifergebnis befragt.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Tarifverhandlungen: dju will 12 Prozent 

Am 27. Mai haben die Tarifverhandlungen zwischen der dju in ver.di und dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) begonnen. Die dju in ver.di fordert zwölf Prozent mehr für Gehälter und Honorare. Außerdem will sie den Einsatz von Systemen generativer Künstlicher Intelligenz (KI) regeln, „die zur stärkeren Autonomie der Zeitungsjournalistinnen und -journalisten beim Einsatz der Instrumente, mehr Mitbestimmung beim KI-Einsatz und Beteiligung an den zu erwartenden Effizienzerlösen führen sollen“.
mehr »

Schlaffe Tarifangebote bei der ARD

Programmeinschnitte, Sparmaßnahmen und minimale Tarifangebote der ARD. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kritisiert die Haltung der Sender und kündigt Proteste an. Im Rahmen der Tarifverhandlungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk habe es zwar erste Angebote vom Bayerischen Rundfunk (BR) und vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) gegeben. Die Angebote blieben aber laut ver.di weit hinter den berechtigten Forderungen der Mitglieder zurück. Sie liegen auch weit unter den Tarifabschlüssen anderer Branchen oder dem öffentlichen Dienst.
mehr »

Top Tarifergebnis im Kino

In den Tarifverhandlungen mit der Kino-Kette UCI (United Cinemas International GmbH) wurde am 19. Februar 2024 ein Tarifergebnis erzielt, das an vielen Stellen die ver.di-Forderungen erreicht, so auch den Einstiegslohn von 14 Euro. In der anschließenden Befragung der Mitglieder bis zum 4. März gab es keinerlei Ablehnung. Somit beschloss auch die ver.di-Tarifkommission einstimmig die Annahme des Tarifergebnisses.
mehr »

Einschüchterungsversuche der Hohenzollern

Eine Studie der Universität Leipzig hat am Beispiel der deutschen Adelsfamilie Hohenzollern untersucht, wie kritische Berichterstattung und Forschung durch gezielte Anwaltsstrategien beeinflusst oder behindert werden sollen. Die Kommunikationswissenschaftler*innen haben dabei die Wirkung von SLAPPs (Strategic Lawsuits Against Public Participation) aus Sicht der Betroffenen nachvollzogen. Verunsicherung und Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sind direkte Folgen bei ihnen.
mehr »