Platzt oder hält der ARD-Renten-Kompromiss?

Am 12. September geht es um alles: Ende Juli wurde bekanntlich ein Tarifergebnis zur Umstellung der Altersversorgung bei ARD, Deutschlandradio und Deutscher Welle erzielt. Doch jeder Senderverband muss zustimmen. Zünglein an der Waage ist die Deutsche Welle. Bei der dritten Verhandlung in Berlin steht und fällt deshalb der gesamte Kompromiss.

Fünf Jahre wurde verhandelt, bevor die Neuregelung verabredet werden konnte. Sie war notwendig geworden, weil die ARD die Versorgungstarifverträge (VTV) gekündigt und eine Altersversorgung für Neueinstellungen von Einschnitten in die Dynamisierung der Betriebsrenten der Kolleginnen und Kollegen abhängig gemacht hatte. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hatte den Druck ihrerseits erhöht. Die Sender hatten ihn an die Beschäftigten weitergegeben und Tariferhöhungen generell von Einschnitten für die Altersversorgung abhängig gemacht. Der im Sommer erzielte Verhandlungskompromiss sichert, dass der gekündigte VTV erneut abgeschlossen wird und niemand aus der Altersversorgung fällt. Der VTV gilt nun sogar für einen Großteil der befristet Beschäftigten und sichert künftig geringere Abschläge bei vorzeitigem Ruhestand.

ver.di besteht allerdings darauf, dass ARD und Deutschlandradio eine einheitliche Lösung für eine langfristige, sichere Zukunft der Altersversorgung ihrer Beschäftigten gewährleisten. Die neuen Regelungen müssten für alle ARD-Anstalten gelten, auch für die Deutsche Welle (DW), die von Anfang an an den Verhandlungen beteiligt war. Die DW-Geschäftsführung jedoch beharrte bisher auf weitere Verschlechterungen für ihre eigenen Beschäftigten. Von der Zustimmung der Deutschen Welle am 12. September hängt das Inkrafttreten des gesamten Ergebnisses für die ARD und Deutschlandradio ab.

Rentenlose wurden am 7. September in Bonn ausgeteilt.
Foto: ver.di

Der ver.di-Betriebsverband bei der Deutschen Welle kritisiert aktuell eine „beschämende Desinformationskampagne“ durch den eigenen Verwaltungsratsvorsitzenden Peter Clever. Mit Information und Humor auch gegen diese ‚Fake News‘ anzugehen, war Ziel von ver.di-Aktionstagen in Bonn und Berlin am 7. und 8. September.

In Bonn verteilten ver.di-Aktive im Sender ‚Rentenlose an Rentenlose oder die, die ihre Rente verschlechtert bekommen sollen‘. Eine Umfrage brachte in einer weiteren Aktion keine Hinweise darauf, dass der Verwaltungsratsvorsitzende mit seiner These einer ‚Luxus‘- oder ‚Überversorgung‘ der Mitarbeiter richtig liegen könnte.

Ein Cent ist schnell verdient, für eine ordentliche Altersversorgung müsse man aber etwas mehr tun, hieß es am 8. September vor der Deutschen Welle in Berlin.
Foto: Klaus Barm

„Was das riskante Festhalten der DW an der von ihr geforderten Sonder-Schlechterstellung der eigenen Belegschaft angeht, bleibt zu hoffen, dass nicht zuletzt der Aktionstag Informationen zu Hintergründen und möglichen Folgen des Russischen Roulettes gegeben hat“, hieß es im ver.di-Betriebsverband. Am Berliner Standort wurde zusätzlich für eine Protestaktion vor dem Verhandlungstermin mobilisiert.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Peru: Investigativ, kritisch, gefährdet

Ojo Público heißt das investigative Online-Magazin aus Lima. Das hat in den letzten zehn Jahren zu einem anerkannten Medium wurde. Die Redaktion ist auf rund 20 Menschen angewachsen und recherchiert nicht nur in Peru, sondern auch in Nachbarländern wie Ecuador.
mehr »

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

"Volle Portion für alle“ – mit großem Engagement wollen die Mitarbeitenden der tariflosen Tochtergesellschaften von Ostsee-Zeitung (Rostock) und Lübecker Nachrichten der Zweiklassen-Gesellschaft ein Ende bereiten. Die Redakteur*innen der Lübecker Nachrichten Media GmbH sind daher nun für zwei Tage in einen Warnstreik getreten.
mehr »

Umfragen, die ins Weltbild passen

Junge Männer wollen, dass Frauen ihnen gehorchen? Meinungsforschungsinstitute vermarkten geschickt ihre zweifelhaften Umfrageergebnisse - und Medien folgen unkritisch der vorgegebenen Interpretation. Wie sich Geschlechterrollen auch in der Berichterstattung verfestigen können.
mehr »

Kritisch, regional und investigativ

„Regionaljournalismus – wichtiger denn je“ war das Forum der Initiative Qualität im Journalismus im Presseclub Nürnberg überschrieben. Die Initiative, bei der auch die dju in ver.di mitarbeitet, diskutierte über die in der Region besonders große Dichte von Privatradios, das Berichten über Rechtsextremismus und Deepfakes.
mehr »