Streiks vor nächster Verhandlungsrunde

Foto: Joe E. Roettgers

In Tageszeitungs-Redaktionen von Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein wurde am Freitag gestreikt. Es ist der Auftakt zur zweiten bundesweiten Warnstreikwelle im Tarifkonflikt der 13.000 Tageszeitungsjournalist_innen als Reaktion auf das „provozierend niedrige Arbeitgeberangebot“. Am 9. April werden die Verhandlungen in Frankfurt/Main fortgesetzt. Es wird mit einer deutlichen Ausweitung der Aktionen gerechnet.

In Baden-Württemberg sind es Redakteur_innen der Gemeinschaftsredaktion von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten, der Esslinger Zeitung, des Schwarzwälder Bote, der Südwest Presse Ulm und der Heilbronner Stimme, die heute und fürs Wochenende ihre Arbeit niedergelegt haben.  Im Norden gingen Beschäftigte der Kieler Nachrichten, der Lübecker Zeitung und der Segeberger Zeitung auf die Straße.

„Wir haben den Gehaltstarifvertrag mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gekündigt, um für unsere Mitglieder ein Ziel zu erreichen: 4,5 Prozent mehr Geld und für den journalistischen Nachwuchs eine überproportionale Mindesterhöhung von 200 Euro. In nunmehr drei Runden haben die Verlegervertreter versucht, die Verhandlungen auf ein Nebengleis zu führen und uns einen Preis für eine Erhöhung der Gehälter und Honorare abzutrotzen“, kritisierte der Verhandlungsführer der dju in ver.di, Matthias von Fintel. „Unsere Antwort darauf ist klar und wird von der Mehrheit unserer Kolleginnen und Kollegen mitgetragen und durch Streiks verdeutlicht: Wir wollen keine Scharmützel auf Nebengleisen, sondern endlich unser Ziel erreichen.“

Von Fintel erwartet daher für die Verhandlungen ein deutlich besseres Angebot seitens des Verlegerverbandes BDZV, der bislang lediglich eine Erhöhung der Gehälter um zweimal 1,3 Prozent jeweils ab 1. August 2018 und 2019 bei einer Tarifvertragslaufzeit von 30 Monaten anbietet. „Zu viele Nullmonate und nicht mal ein Inflationsausgleich für die Zeit bis Mitte 2020 bedeuten Reallohnverluste, die die Redaktionen einmal mehr von der allgemeinen Tarifentwicklung abhängen“, stellte von Fintel fest. „Wir brauchen ein Angebot, das zu spürbar höheren Gehältern und Honoraren für die fest angestellten und freien Kolleginnen und Kollegen führt. Den Verlagen geht es gut, sie haben sich nicht zuletzt durch Personalabbau auf die veränderten Rahmenbedingungen in der Verlagswirtschaft eingestellt. Sie setzen endlich auf Bezahlinhalte für die digitale Zukunft der Branche. Dafür brauchen sie die besten journalistischen Köpfe und entsprechend attraktive Bedingungen, denn sonst verdingt sich grade der Nachwuchs in anderen Bereichen“, warnte von Fintel.

 

nach oben

weiterlesen

DW-Freie erstreiten Festanstellung

Es war ein Riesenerfolg, als es ver.di 2015 nach mehreren erfolgreichen Klagen auf Festanstellung gelungen ist, mit dem Bayerischen Rundfunk einen Tarifvertrag abzuschließen, durch den nicht programmgestaltende, bis dahin freie Mitarbeiter_innen in feste Arbeitsverhältnisse überführt werden konnten. Nun hat auch die Deutsche Welle über ver.di bereits drei Klagen auf Festanstellung verloren. Zugleich hat die Gewerkschaft den deutschen Auslandssender zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Damit könnte eine individuelle Klagewelle verhindert werden.
mehr »

Hamburg: Warnstreik bei Computer Bild

„Faire Tarife – nicht nur für unsere Smartphones“ – dies ist das Motto des Warnstreiks bei der Computer Bild Digital GmbH in der Hamburger Hafencity am 13. Juli. Die Beschäftigten der bekannten Zeitschrift aus dem Springer-Konzern fordern einen Haustarifvertrag und wollen so bezahlt werden wie ihre Kolleg_innen in den tarifgebundenen Verlagen. Die Verhandlungen werden von der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten Union (dju) in ver.di und dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) geführt.
mehr »

Tarifflucht bei Ippen in Hessen

Der Münchener Großverleger Dirk Ippen, sein Neffe Daniel Schöningh und ihre hessischen Statthalter Max und Jan-Eric Rempel fackeln nicht lange. Zum 1. April haben sie die Frankfurter Neue Presse (FNP) und die Frankfurter Rundschau (FR) samt der Frankfurter Societäts-Druckerei von der Fazit-Stiftung übernommen. Am 29. Juni verkündeten sie den Abschied der FNP aus dem Flächentarifvertrag für Redakteurinnen und Redakteure. Die wehren sich jetzt gegen die Verschlechterung. Ebenso die Verlagsangestellten, die bereits unter den alten Eigentümern die Tarifflucht ihres Arbeitgebers erleben mussten.
mehr »

Funke: Ringen um die „Extrawurst“

Es ging um die Wurst, als der Betriebsrat des Hamburger Abendblatts am 4. Juli zur kämpferischen Mittagspause in die Bäckerei neben dem Verlagseingang eingeladen hatte. Dass die Betriebsratsmitglieder dabei kostenlose Knackwürste verteilten, diente nicht nur der Motivation der Kolleginnen und Kollegen, sondern als Symbol: Die Beschäftigten der Hamburger Standorte der Funke-Medien-Gruppe kämpfen derzeit um den Erhalt ihres Rationalisierungsschutzabkommens. Das gilt in der Funke-Welt als „Hamburger Extrawurst“ und der Verlag lässt es auslaufen.
mehr »