Streiks vor nächster Verhandlungsrunde

Der Slogan "Gute Leute, gute Arbeit, gutes Geld" gilt für die Redakteur_innen an Tageszeitungen auch 2018 - sie lehnen den Tarifabschluss zwischen DJV und BDZV als zu gering ab
Foto: Joe E. Roettgers

In Tageszeitungs-Redaktionen von Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein wurde am Freitag gestreikt. Es ist der Auftakt zur zweiten bundesweiten Warnstreikwelle im Tarifkonflikt der 13.000 Tageszeitungsjournalist_innen als Reaktion auf das „provozierend niedrige Arbeitgeberangebot“. Am 9. April werden die Verhandlungen in Frankfurt/Main fortgesetzt. Es wird mit einer deutlichen Ausweitung der Aktionen gerechnet.

In Baden-Württemberg sind es Redakteur_innen der Gemeinschaftsredaktion von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten, der Esslinger Zeitung, des Schwarzwälder Bote, der Südwest Presse Ulm und der Heilbronner Stimme, die heute und fürs Wochenende ihre Arbeit niedergelegt haben.  Im Norden gingen Beschäftigte der Kieler Nachrichten, der Lübecker Zeitung und der Segeberger Zeitung auf die Straße.

„Wir haben den Gehaltstarifvertrag mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gekündigt, um für unsere Mitglieder ein Ziel zu erreichen: 4,5 Prozent mehr Geld und für den journalistischen Nachwuchs eine überproportionale Mindesterhöhung von 200 Euro. In nunmehr drei Runden haben die Verlegervertreter versucht, die Verhandlungen auf ein Nebengleis zu führen und uns einen Preis für eine Erhöhung der Gehälter und Honorare abzutrotzen“, kritisierte der Verhandlungsführer der dju in ver.di, Matthias von Fintel. „Unsere Antwort darauf ist klar und wird von der Mehrheit unserer Kolleginnen und Kollegen mitgetragen und durch Streiks verdeutlicht: Wir wollen keine Scharmützel auf Nebengleisen, sondern endlich unser Ziel erreichen.“

Von Fintel erwartet daher für die Verhandlungen ein deutlich besseres Angebot seitens des Verlegerverbandes BDZV, der bislang lediglich eine Erhöhung der Gehälter um zweimal 1,3 Prozent jeweils ab 1. August 2018 und 2019 bei einer Tarifvertragslaufzeit von 30 Monaten anbietet. „Zu viele Nullmonate und nicht mal ein Inflationsausgleich für die Zeit bis Mitte 2020 bedeuten Reallohnverluste, die die Redaktionen einmal mehr von der allgemeinen Tarifentwicklung abhängen“, stellte von Fintel fest. „Wir brauchen ein Angebot, das zu spürbar höheren Gehältern und Honoraren für die fest angestellten und freien Kolleginnen und Kollegen führt. Den Verlagen geht es gut, sie haben sich nicht zuletzt durch Personalabbau auf die veränderten Rahmenbedingungen in der Verlagswirtschaft eingestellt. Sie setzen endlich auf Bezahlinhalte für die digitale Zukunft der Branche. Dafür brauchen sie die besten journalistischen Köpfe und entsprechend attraktive Bedingungen, denn sonst verdingt sich grade der Nachwuchs in anderen Bereichen“, warnte von Fintel.

 

nach oben

weiterlesen

Neuer Tarifvertrag für Filmschaffende

Nach fünfmonatigen Verhandlungen gibt es einen Tarifabschluss für die rund 25.000 Filmschaffenden in Deutschland, der ab September gilt. Die ver.di FilmUnion erreichte gemeinsam mit der Schauspielgewerkschaft BFFS in Verhandlungen mit der Produzentenallianz Verbesserungen bei Arbeitszeiten, Freizeitphasen während der Dreharbeiten, Zuschlägen am Wochenende und bessere Bedingungen für Arbeitsverträge von Schauspieler*innen. Außerdem soll ab September über die Erhöhung der Gagen verhandelt werden.
mehr »

RBB-Freie: „Ohne uns wird‘s langweilig“

Am Tag der Arbeit demonstrierten mehr als 300 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Berliner Masurenallee vor dem Sendezentrum des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Denn sie wollen ihre Arbeit behalten, sie wollen Bestandsschutz, faire Honorare und Respekt für ihren qualifizierten Beitrag zum Programm der Zwei-Länder-Anstalt, die mal wieder den Rotstift ansetzt. Ganze Sendeformate sollen wegfallen. 75 Freien der Sendung „ZiBB“ wurde bereits das Ende ihrer Mitarbeit angekündigt.
mehr »

Bei Papier und Pappe 3,9 Prozent mehr Geld

Nach zähem Ringen wurde am 25. April in der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie ein Tarifergebnis erzielt. Die Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Stufen um insgesamt 3,9 Prozent. Dieses Ergebnis konnte, so ver.di, gegenüber den Arbeitgebern vom Hauptverband Papier und Kunststoffverarbeitung (HPV) nur durch die gute Warnstreikbeteiligung durchgesetzt werden.
mehr »

Freie raus aus dem Schleudersitz!

Das Timing war perfekt: Das Ende des Freienkongresses fiel taggenau mit der Verabschiedung des novellierten Bundespersonalvertretungsgesetzes zusammen, die vom ARD-Freienrat als „Meilenstein“ für die Interessenvertretung gesehen wird. Der Kongress tagte coronabedingt nicht in Saarbrücken, sondern vom 20. bis 22. April 2021 im Netz. Drei gut besuchte Veranstaltungen zu den Themen Rundfunkfreiheit, Arbeitsrecht und Mitbestimmung boten Stoff zu Diskussion und Möglichkeiten zur Vernetzung für alle Freien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk über Sendergrenzen hinweg.
mehr »