Neue Plattform für Interessierte U27

Screenshot: youmecon.de

Zum ersten Mal startete am 11. November 2021 die Youth Media Convention (YouMeCon) in Berlin und digital. Als Weiterentwicklung der Jugendmedientage, die zuletzt 2019 stattfanden, zeigt die Veranstaltung in vielfältigen Programmpunkten Interessantes rund um die Medienlandschaft in Deutschland und der Welt. Doch die YouMeCon will mehr sein als eine Messe. Die Jugendpresse Deutschland sieht ihr neues Format als Plattform für junge Medieninteressierte.

Die viertägige YouMeCon richtet sich an junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren, die mehr über Medien lernen möchten, gerade eine Ausbildung oder ein Studium zum Thema Medien absolvieren oder sogar schon einen Beruf in der Kommunikationsbranche ausüben. Sie Veranstaltung will eine Diskussionsplattform für alle sein, die „gern die ausgetretenen Pfade zugunsten neuer Ideen verlassen möchten“. Unter dem Motto „Beyond Media“ wurde in Berlin nun den Fragen nachgegangen, wie viel Aktivismus die neuen und etablierten Medien vertragen können, inwieweit die Phänomene wie Slacktivism den Medienaktivismus prägen und ob eine engagierte Medienarbeit sich mit den Grundsätzen wie Neutralität und Unparteilichkeit verträgt. Passend zum diesjährigen Motto gab es vier Themenblöcke: Journalismus, Politik, Bildung und Kreativindustrie.

Leitgedanke Aktivismus

In Themenpanels wurde über Fragen wie die mediale Unabhängigkeit oder Vielfalt in den deutschen Medien diskutiert. In technischen Workshops konnten Teilnehmer*innen sich über verschiedenste Aspekte medialer Arbeit informieren, angefangen beim Kurzfilmdreh, über Klimajournalismus bis hin zu Twitterbots. Von klassischen Radioworkshops über TikTok bis zur Einführung in Design Thinking waren viele Themen abgedeckt. Zudem gab es virtuelle und reale Räume der Begegnung. In Form von Erzählcafés und Dialoginseln wurde geplaudert und diskutiert. Alle Panels, Dialoginseln und auch der Journalismus-Slam konnten via Livestream empfangen werden. Auf einer digitalen Eventplattform wurde ein Messeplatz errichtet. Mit Hochschulen, Stiftungen, Ministerien, Magazinen, Medienprojekten und der dju in verd.di konnte man dort live ins Gespräch kommen.

Medientouren ermöglichten einen praktischen Einblick in die Berufswelt. Besuche bei zum Beispiel der „taz“ („Die Tageszeitung“) zeigten die Arbeit in einer Redaktion und ihre Haltung zu Themen wie „kritischem Journalismus“ und „Positionierung in den Medien“.

Den roten Faden bei dem umfangreichen Programm bildete das Thema Aktivismus. Bei vielen Veranstaltungen ging es um neue Tendenzen der digitalen Gesellschaft und um Fragen zu demokratischen Meinungsbildungsprozessen Wie viel Haltung dürfen wir als Journalist*innen einbringen? Wie weit geht Aktivismus und wie verändern Soziale Medien diesen Bereich?

Bereits im Eröffnungspanel stellten die Teilnehmer*innen eine vermeintliche Neutralität von Medien und Journalismus in Frage. Eine Haltung, die auf demokratischen Prinzipien beruhe, sei schließlich auch von einem Wertegerüst geprägt.

Neu sei auch ein Journalismus mit eindeutiger Agenda nicht. So erinnerte Medienjournalist Stefan Niggemeier („Übermedien“) an klassische Politmagazine, die schon immer auch einen kommentierenden Charakter gehabt hätten. Was sich jedoch geändert habe, sei die Möglichkeit zum Publizieren. Auch Aktivist*innen sei es heute möglich, viel Reichweite im Netz zu erzeugen und damit gehört zu werden, sagte Niggemeier.

Ein Vakuum auffüllen

Die verwischten Grenzen erkennen auch die Macher*innen der YouMeCon. „Zwischen professionellem Journalismus und einer klaren Haltung liegt ein Vakuum, dem sich lange niemand annehmen wollte. Mit der fortschreitenden Verlagerung der Diskussionen in die digitalen Sphären wird die Notwendigkeit, das Vakuum mit Regelwerk und Leitlinien auszufüllen, größer“, schreiben sie auf ihrer Seite.

Eine Notwendigkeit für mehr Aktionismus in den Medien kann sich aber auch aus den politischen Rahmenbedingungen ergeben. Wo Pressefreiheit nicht gewährleistet ist und kritische Medienschaffende bedroht oder gar verfolgt werden, wie wir es etwa aktuell in Belarus oder Kolumbien sehen, müssen Journalist*innen manchmal zwangsläufig aktivistisch werden. Im Themenpanel „Wenn Journalismus zum Aktivismus wird“ sprachen Joanna Maria Stolarek (Heinrich-Böll-Stiftung, Warschau) und Clemens Schöll (BJS Berliner Journalistenschule) über die Pflicht zur transparenten Berichterstattung in autokratischen Gesellschaften und die Frage, wie viel Aktivismus in unabhängigem Journalismus stecken darf.

Die sowohl technisch als auch inhaltlich gut umgesetzte Konferenz soll der Beginn einer neuen Vernetzung werden. Die wichtigste Veränderung, die das neue Konzept der Jugendpresse für die Zukunft vorsieht, ist der Plattformcharakter, der über die Veranstaltungstage hinaus eine Möglichkeit bieten soll, weiterhin gemeinsam zu lernen, zu wirken und sich auszutauschen. Die Convention soll künftig in wechselnden deutschen Städten stattfinden.

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