Fair Pay und freier Datenfluss

„Fair Pay“ ist eine Grundforderung von ver.di für alle Arbeitenden. Das Ringen um einen Mindestlohn gehört ebenso dazu wie die Verhandlungen um eine angemessene Vergütung für Selbstständige. Nach fast sieben Jahre konnten solch bessere Honorare für freie Journalisten an Tageszeitungen vereinbart werden. (M 1–2/ 2010 berichtete) Sie gelten für alle Verlage als auf dem Urheberrechtsgesetz aufbauende Richtschnur: Mehr noch, mit dem Gesetz im Rücken können diese Honorare eingeklagt werden. Aber natürlich werden seit Inkrafttreten der Regelungen am 1. Februar nicht sofort überall diese häufig höheren Honorare gezahlt. Anfragen von Freien bei ihren Auftraggebern führten gar zur Abwehr: Gerade in diesem Verlag träfe dies nicht zu! Die dju in ver.di hat deshalb eine Kampagne „Fair Pay für angemessene Honorare“ gestartet. Wer Unterstützung braucht, kann sich an die dju in ver.di vor Ort wenden. Das Ziel der Gewerkschaften einer fairen Bezahlung ist mit diesen nunmehr ausgehandelten Honoraren, denen hoffentlich bald weitere – etwa für Fotografen – folgen werden, längst nicht erreicht. Aber es zeigt ein Vorwärtskommen auf dem Weg dahin.
Von Fair Pay kann sicher auch nicht die Rede sein, wenn zwei Agenturen zusammengehen und die jeweiligen Mitarbeiter unterschiedlich bezahlt werden wie es bei ddp und der einstigen AP Deutschland der Fall ist. Aber die Reallöhne der nach Tarif bezahlten APler dann nach unten zu schrauben, ist wohl das Gegenteil von fair. Daran ändert auch eine kleine Zulage für die ddpler nicht viel.
Neben den oft viel zu dünn fließenden Geldströmen sind derzeit verschiedenste Datenströme im Fokus von Bürgern im Allgemeinen und Medienschaffenden im Besonderen. Ein Highlight für den Rechtsstaat und die Pressefreiheit war Anfang März das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung. Das Gesetz wurde für grundgesetzwidrig und damit für nichtig erklärt. Alle bisher gespeicherten Daten müssen gelöscht werden. Aber schon wird nach einem neuen Regelwerk gerufen. Wachsamkeit und Widerstand sind gefordert, damit keine neue missbräuchliche Vorratsdatensammlung gesetzlich fixiert wird. Und auch die maßgebliche EU-Richtlinie, die das hohe deutsche Gericht nicht angriff, sollte zur Disposition stehen.
Welch großes Potenzial die Datenschätze des Internets zum Beispiel für die Recherche von Journalisten oder für Webentwickler bieten, versucht M im Titelthema des aktuellen Heftes zu beleuchten. Eine neue Open-Data-Politik bricht sich Bahn, zumindest in Großbritannien und Amerika. Interessante Informationen bieten viele Internetdienste auch im Lokalen an – eine Fundgrube für journalistische Geschichten. Als Synonym für Meinungsfreiheit gilt vielen Journalisten die Onlineplattform Wikileaks. Hier werden jegliche eingereichte Dokumente veröffentlicht. Mehr als 1,2 Millionen sind bereits hinterlegt. Datenschützer sehen die fehlende redaktionelle Kontrolle bei Wikileaks kritisch. Auch deshalb sind vor allem Journalisten in der Pflicht, Brisantes herauszufiltern, die Authentizität der Unterlagen zu prüfen und diese dann in den entsprechenden Kontext zu stellen. Jedoch bremst Deutschland mit seinen eingeschränkten Informationsfreiheiten die Datenrecherche bisher noch weitgehend aus. Das Informationsfreiheitsgesetz ist häufig nur schwer durchsetzbar.

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Die dju – ein Angebot zur Mitgestaltung

Mit dem neuen Jahrtausend kam auch für die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di einiges an Neuem. Noch bevor sie ihren 50. Geburtstag feierte, knackte sie im Jahr 2000 die 20.000-Mitglieder-Marke. 2001 kam ver.di und die dju feierte ihr halbes Jahrhundert im Retro-Look im Kölner Gürzenich. Zur 60-Jahr-Feier waren die Kolleginnen und Kollegen von Rundfunk, Fernsehen und audiovisuellen Medien in der neuen Fachgruppe Medien mit dabei. Und nun, zum 70. Geburtstag, steht der dju in ver.di wieder etwas Neues ins Haus: Ein Feiertag in Pandemiezeiten.
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Aus für Freelancer in Presse und Kultur

Clasificador Nacional de Actividades Económicas (CNAE), Register für ökonomische Aktivitäten, heißt die Liste mit 2110 Tätigkeiten, die in Kuba seit dem 5. Februar für die freiberufliche Arbeit erlaubt sind. Eine Reform mit revolutionärem Potenzial, denn bislang durften nur 127 Berufe selbständig ausgeübt werden. Auf der vier Tage später erschienenen Verbotsliste sind jedoch jedwede freiberufliche Presse-Arbeit sowie etliche Berufe in der unabhängigen Kunstszene der Insel aufgeführt.
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Schon entdeckt? Qamar

Es sei „höchst an der Zeit mit, statt über Muslim*innen zu reden“, findet Muhamed Beganović. Die übliche Medienberichterstattung sei „reißerisch und eng fokussiert auf Themen wie Terror, Ehrenmord, Clan-Kriminalität oder die Kopftuch-Debatte“. Er hat mit Qamar (arabisch: Mond) deshalb ein neues, ästhetisch ansprechendes Gesellschafts- und Kulturmagazin von Muslim*innen für Muslim*innen gegründet. Es richtet sich an junge Leser*innen zwischen 15 und 35 Jahre im deutschsprachigen Raum und soll vor allem eines: Inspirieren.
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Aktion für Sherwan Sherwani, Nordirak

Am 7. Oktober 2020 kamen gleich sechs Polizeifahrzeuge zum Haus des Journalisten Sherwan Sherwani in Erbil. Die kurdischen Sicherheitskräfte durchsuchten das Haus, stellten den Laptop des Reporters, eine Kamera, sein Telefon und einige Dokumente sicher. Dann zerrten sie ihn in Handschellen und mit vorgehaltener Pistole aus dem Haus.
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