Filmfrauen fordern Parität bei Förderung

Foto: 123rf

„Wenn es diversere, paritätischere Sets beim Film gibt, geht es allen besser“, sagte Schauspielerin Nina Kronjäger bei der Pressekonferenz von „Pro Quote Film“. Um wirklich „Mehr Vielfalt im Film“ zu erreichen, plädierte Sara Fazilat vom Vorstand für die Verankerung der Parität bei der Mittelvergabe im Filmförderungsgesetz. Ihre Forderungen hatten die Filmfrauen vorher der Kulturstaatsministerin Claudia Roth überreicht, die zur Berlinale-Eröffnung ähnliche Positionen vertreten hatte.

Die Frauen von „Pro Quote Film“ waren bei ihrer Pressekonferenz mit Videos der Satirikerin Rigoletti in der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin nicht allein mit ihrer Forderung nach mehr Teilhabe: France-Elena Damian von Pro Quote Bühne erinnerte daran, dass Theaterintendanzen immer noch zu 78 Prozent mit Männern besetzt sind. Die gespielten Stücke stammen zu 76 Prozent von Männern. Regie wird erst zu einem Drittel weiblich geführt, obwohl mehr als die Hälfte der Abschlüsse in diesem Studienfach von Frauen erreicht wird.

Rachel Kohn vom Berliner Frauenmuseum sprach für den in Gründung befindlichen Verein „Pro Quote Kunst“, der mehr Geschlechterparität bei den Kunstankäufen von öffentlichen Einrichtungen fordert. Sie ermutigte einerseits die Künstlerinnen, mehr Selbstbewusstsein zu zeigen und höhere Honorare zu verlangen. Bislang seien Kunstwerke von Frauen auf dem Kunstmarkt schlechter bezahlt als Kunstwerke von Männern. Zum anderen forderte sie, dass der Wiedereinstieg von Künstlerinnen nach einer Babypause gefördert werden müsse und es bei Stipendienaufenthalten möglich sein müsse, Kinder mitzubringen.

Den Blick über die Geschlechterproportionalität hinaus öffnete Ferda Ataman von den „Neuen deutschen Medienmacher*innen“, die mehr Diversität in den Medien der deutschen Einwanderungsgesellschaft fordern. 27 Prozent der Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund, oder auch „Migrationsvordergrund“, wie Ataman betonte, bei den Jugendlichen seien es 40 Prozent, in den Großstädten sogar die Hälfte. Dennoch liege die Zahl der Medienschaffenden mit Einwanderungsgeschichte nur bei höchstens zehn Prozent. Nur sechs Prozent der Chefredakteur*innen kennen Migration aus der eigenen Familie. Zehn Jahre habe man bei NdM ohne eine Forderung nach Quoten gearbeitet, unterstrich Ataman, doch inzwischen sei man überzeugt, ohne Quote ändere sich zu wenig und zu langsam.

Dass die Forderung nach einer paritätischen Beteiligung auf Widerstand bei Männern stoße, zeige der Blick nach Österreich, meinte Fazilat. Dort gelte jetzt eine Quote in der Filmförderung, und schon beschwerten sich Männer über Benachteiligung. In Berufsverbänden führten die Forderungen nach Parität etwa in der Regie zu ernsthaften Auseinandersetzungen, auf dem Set werde Kamerafrauen von Männern zu wenig Respekt erwiesen oder Frauen werde von überwiegend männlichen Gremien zu wenig Führungskompetenz unterstellt, hieß es auch im Publikum. Dass die Abwehr mit auch abstrusen Argumenten geführt werde, hatte Rigoletti in einem ihrer Videos vorgeführt: Kameras mit bis zu 18 Kilogramm Gewicht seien zu schwer für Frauen, heiße es. Aber kleine Kinder tragen? „Dass dürfen dann nur noch die Väter“, folgerte die Satirikerin.

 

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