Briefe an M 7-8/2002

Ein nicht unbedeutender Widerspruch

„Mehr Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit“ in M 6 / 2002

Ich las in unserem Mitgliedermagazin ganz interessiert die Beiträge „Mehr Ehrlichkeit…“ (Seite 9) und „Prinzipienstreit um Peanuts“ (Seite 12) und finde da einen nicht unbedeutenden Widerspruch. Einerseits wird kritisiert, dass Reiseredaktionen es wie selbstverständlich hinnehmen, „dass ihnen … laufend Einladungen zu bezahlten Reisen … auf den Schreibtisch flattern“ und diese Angebote auch angenommen werden. Kaum drei Seiten weiter wird kritisiert, dass ein als Verein organisiertes Institut Geld für eine – mit 41 Seiten durchaus umfangreiche – Studie verlangt. Ja, wie hätten wir es denn gerne? Müssen alle, die „froh sein können, wenn über sie berichtet wird“, Journalisten ihre Produkte schenken? Und dürfen andererseits Tourismuskonzerne ihre Produkte, und nichts anderes sind Reisen, nicht gratis zur Verfügung stellen, weil das Bestechung ist? Unabdingbare Voraussetzung ist natürlich, dass die Teilnahme an Pressereisen nicht mit Auflagen verknüpft wird, wie es in einem von Norbert Suchanek genannten Beispiel der Fall war….

Marius Leweke, per E-Mail


Unbestellt und unverlangt …

„Objektiv oder käuflich?“ in M 6 / 2002

…schickt die dpa-Tochter news aktuell „PR-Material von Firmen“ in „die Computer“ der Redaktionen, schrieb Gabriele Hooffacker in M 6/2002. Schön, wenn das wirklich so einfach wäre. Glaubt Ihre Autorin tatsächlich, man könne ungefragt Pressetexte in die Redaktionssysteme von Zeitungen, Radio- und TV-Sender beamen? Kein Nachrichtentechniker, kein CvD sei mehr Herr der Informationen, die sein Redaktionssystem bevölkern? So viel sei dazu gesagt: Ein hocheffizientes Verteilnetzwerk wie der Originaltextservice (ots) von news aktuell kann nur dann funktionieren, wenn die angeschlossenen Redaktionen mitspielen. …

Jens Petersen, Head of Media Communications news aktuell


Tipps für den Arbeitsbetrieb fehlen

„PR und Journalismus“ in M 6/2002

Wie in jedem Monat habe ich auch diesmal die Zeitschrift „M“ in die Hand bekommen, und wie in jedem Monat habe ich mich darüber geärgert. Ich bin seit 15 Jahren Journalist und glaube, die redaktionelle Qualität einer Zeitschrift beurteilen zu können. In der M fehlen mir schlicht die konkreten Informationen und Tipps für den alltäglichen Arbeitsbetrieb. In meinem Fall beispielsweise ist der Markt konjunkturbedingt zusammengebrochen. Ich hätte gerne darüber im Blatt gelesen und mir von meiner Gewerkschaft Tipps erwartet, mit dieser Situation umzugehen. Stattdessen muss ich langwierige Ergüsse über das Verhältnis PR und Journalismus an sich lesen, langweile mich über moralisierende Beiträge zum Thema Reisejournalismus (eine Frechheit!) und erfahre einfach nichts neues….

Hubertus Heuser, per E-Mail


Gesunkener Punktwert betrifft nur Fernsehleute

„Wieder Rekordergebnis bei VG WORT“ in M 6 / 2002

Dem im Interesse von uns Urhebern sehr agilen Rüdiger Lühr widerspreche ich nur äußerst ungern, zumal er zu den gewählten Delegierten der Berufsgruppe Journalisten / Autoren gehört, die die große Schar der ‚Wahrnehmungsberechtigten’ der VG WORT in deren Mitgliederversammlung vertreten. Aber beim Jahresergebnis 2001 im Bereich Hörfunk / Fernsehen ist nachzubessern: der von Lühr genannte, in der Tat binnen Jahresfrist von 2.20 DM auf 0.50 EUR stark gesunkene Punktwert gilt allein für’s Fernsehen. Denn dem Wunsch auf Autorenseite folgend hat die Mitgliederversammlung im letzten Jahr die Bewertung der FS-Werkkategorien bei den kommerziellen Sendern und den Dritten gleichgezogen mit ARD und ZDF. Das war ein im Prinzip längst fälliger Akt der Binnengerechtigkeit, hat jedoch die Zahl der gemeldeten Punkte innerhalb dieses einen Jahres von rund 34,5 Mio. auf 60.053.430 hochkatapultiert – das ist ein Plus von 73,7 Prozent. Da der Fernseh-Inkasso-Kuchen aber nicht größer geworden ist, mussten notgedrungen die einzelnen Stückchen in diesem außergewöhnlichen Fall sehr viel schmaler werden. Dabei stieg auch noch die absolute Zahl der zu berücksichtigenden Fernsehautoren/innen von 8626 auf 9099. Ganz anders beim Hörfunk: Hier ist nicht nur die Zahl der Beteiligten leicht gesunken (anhaltende ‚Entwortung‘ der Radio-Programme!), sondern auch die Zahl der gemeldeten Punkte. Ergo konnte der Punktwert auf stolze 1.80 EUR anziehen.

Lutz Franke Vorsitzender des Verwaltungsrates VG WORT


Unsachgemäße Aufwertung

„Effekthascherei auf neuestem technischen Stand“ in M 6 / 2002

Der Passus „verbunden mit der vollständigen Digitalisierung des Trägermediums Film“ ist nicht nur missverständlich, sondern ganz schlicht und einfach falsch, da das Bild erst nach der D/A-Wandlung auf den Film aufbelichtet wird, also „statistisch verteilte … unregelmäßige Kornanhäufungen“ (Schröder: Technische Fotografie, S. 101) des Trägermaterials die Qualitätsmängel, die sich durch die A/D-D/A-Wandlung ergeben, auffangen. Ihre Formulierung deutet jedoch an, dass der Film als Trägermedium durch die Digitalisierung modifiziert werden könnte, was m. E. die Digitalisierung unsachgemäß aufwertet….

Andreas Schleppers, Diplom-Fotoingenieur, Köln


Bedauerlicher Fehler

„Im Spiegel der Leinwand“ in M 6 / 2002

In dem Artikel „Im Spiegel der Leinwand“ ist ein bedauerlicher Fehler beim Bearbeiten unterlaufen. Von den zehn Filmen, die der Eichstätter Diplom-Journalist Michael Harnischmacher untersucht und nach Marktanteil und Zuschauerzahlen in Deutschland ausgewählt hat, stammten nicht zwei aus US-amerikanischer Produktion, sondern nur zwei nicht aus US-amerikanischer Produktion.

Die Redaktion

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Zwiespältig: Springer und die Plattformen

„Totale Transparenz endet immer totalitär“ – mit diesem starken Spruch warb Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner Ende Januar bei EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen um Unterstützung gegen Google, Amazon, Facebook & Co. Sein Anliegen: Europa müsse die Daten-Absaugerei der US-amerikanischen (und chinesischen) Tech-Giganten stoppen. Kritiker registrierten schon da eine gewisse Widersprüchlichkeit in Döpfners Begehr.
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Die dju – ein Angebot zur Mitgestaltung

Mit dem neuen Jahrtausend kam auch für die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di einiges an Neuem. Noch bevor sie ihren 50. Geburtstag feierte, knackte sie im Jahr 2000 die 20.000-Mitglieder-Marke. 2001 kam ver.di und die dju feierte ihr halbes Jahrhundert im Retro-Look im Kölner Gürzenich. Zur 60-Jahr-Feier waren die Kolleginnen und Kollegen von Rundfunk, Fernsehen und audiovisuellen Medien in der neuen Fachgruppe Medien mit dabei. Und nun, zum 70. Geburtstag, steht der dju in ver.di wieder etwas Neues ins Haus: Ein Feiertag in Pandemiezeiten.
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Aus für Freelancer in Presse und Kultur

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Schon entdeckt? Qamar

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