SLAPP-Richtlinie in Gefahr

Justitia Foto: Hermann Haubrich

Ein zivilgesellschaftliches Bündnis aus Gewerkschaften, Menschenrechts- und Nichtregierungsorganisationen warnt vor einer drohenden Verwässerung der geplanten EU-Richtlinie zum Schutz vor Einschüchterungsklagen. Sogenannte SLAPPs (Strategic Lawsuits against Public Participation) sind strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung – eine rechtsmissbräuchliche Form von Klagen, mit denen kritische Stimmen eingeschüchtert und ihre Kritik aus der Öffentlichkeit verbannt werden sollen.

Auch die dju in ver.di war bereits von SLAPP betroffen. Sie ist Mitglied des Bündnis und forderte die Bundesregierung schon im vergangenen Jahr zum Handeln auf. Dass das Problem mit strategischen Klagen gegen öffentliche Beteiligung europaweit zunimmt, hat die Europäische Kommission erkannt und im April 2022 einen Richtlinienentwurf eingebracht, der SLAPPs eindämmen soll (Anti-SLAPP-Richtlinie). Im jüngsten Kompromissvorschlag des Europäischen Rates wurden jedoch entscheidende Schutzmaßnahmen für Betroffene von SLAPPs wieder gestrichen und der Anwendungsbereich der Richtlinie stark verkürzt.

Die dju in ver.di kritisiert den Kompromissvorschlag. Die vormals angedachten Schutzmechanismen dürften nicht nivelliert werden. „Der nun vorliegende Kompromissvorschlag zur Anti-SLAPP-Richtlinie stellt für die Betroffenen keine Verbesserungen beim Schutz vor abschreckenden Gerichtsverfahren dar. Dies macht diejahrelange Arbeit zahlreicher zivilgesellschaftlicher Akteure im Kampf gegen europaweit zunehmende SLAPPs weitgehend zunichte. Im Koalitionsvertrag hat die Ampel-Koalition Maßnahmen gegen SLAPPs angekündigt, nun muss die Bundesregierung dies einlösen und eine Verwässerung der Richtlinie verhindern.“ sagt die dju-Vorsitzende Tina Groll.


Mehr zum No-Slapp-Bündnis und dem aktuellen Positionspapier

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Umfragen, die ins Weltbild passen

Junge Männer wollen, dass Frauen ihnen gehorchen? Meinungsforschungsinstitute vermarkten geschickt ihre zweifelhaften Umfrageergebnisse - und Medien folgen unkritisch der vorgegebenen Interpretation. Wie sich Geschlechterrollen auch in der Berichterstattung verfestigen können.
mehr »

Kritisch, regional und investigativ

„Regionaljournalismus – wichtiger denn je“ war das Forum der Initiative Qualität im Journalismus im Presseclub Nürnberg überschrieben. Die Initiative, bei der auch die dju in ver.di mitarbeitet, diskutierte über die in der Region besonders große Dichte von Privatradios, das Berichten über Rechtsextremismus und Deepfakes.
mehr »

Tschüss Papier, hallo Pixel

Ab heute ist die überregionale Tageszeitung nd-Der Tag, nach 80 Jahren, nur noch online zu lesen. Die gedruckte Wochenendausgabe bleibt bestehen. Seit dem 1. Januar 2022 hat die Zeitung die Rechtsform einer Genossenschaft.
mehr »

Immer Ärger mit der Obrigkeit

In seinem aktuellen Buch „Meinungsfreiheit“ analysierte Ronen Steinke deren aktuellen Zustand. Der promovierte Jurist und leitende Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung spricht mit M über seine Schlussfolgerungen.
mehr »