Fotojournalismus ist keine Ware

Foto: Hermann Haubrich

Der Verkauf und die geplante Einstellung vieler Titel aus dem Verlagshaus Gruner + Jahr, sorgten Anfang Februar auch bei der laif-Genossenschaft für Entsetzen. Allein in Hamburg droht der Abbau von mindestens 700 Arbeitsplätzen. „Hunderte Kolleg*innen in Redaktionen und Verwaltungen, mit denen wir als Agentur über Jahre vertrauensvoll und engagiert zusammengearbeitet haben, werden vor die Tür gesetzt. Mit ihnen stehen vermutlich ebenso viele für G+J tätige freie Autor*innen, Grafiker*innen, Bildredakteur*innen und Fotograf*innen, vor einer äußerst ungewissen Zukunft“, heißt es in einer Stellungnahme.

„Diese radikale Zerschlagung und der Weg dorthin sind eine besonders augenfällige verlegerische Bankrotterklärung. Letztendlich ist es aber nur eine konsequente Folge der seit Jahren fortschreitenden Ökonomisierung der freien Presse. Getrieben von Renditezielen, Akkumulations- und Konzentrationszwang kann marktwirtschaftlich finanzierter Journalismus seiner Aufgabe als Vierte Gewalt ganz offensichtlich nicht mehr gerecht werden,“ kritisierten die drei Vorstände der laif-Genossenschaft Christoph Bangert, Andreas Herzau und Manfred Linke.

Der im privatwirtschaftlichen Medienbetrieb vorgegebene Kostendruck schaffe derart prekäre Arbeitsbedingungen für Text- und Fotojournalist*innen, dass qualitativ hochwertiges Arbeiten praktisch unmöglich gemacht werde. Dem Aufbau alternativer Finanzierungsmodelle für den Erhalt und die Weiterentwicklung journalistischer Angebote, komme daher eine immer größere gesellschaftliche Bedeutung zu.

Deshalb übernahm die „laif Genossenschaft“ im vergangenen Jahr die Agentur, die 2015 von den damaligen laifGesellschafter*innen an die „ddp media GmbH“ verkauft worden war. Dieser Schritt solle es ermöglichen, dass die Fotoagentur laif als Premiummarke erhalten bliebe und die Fotograf*innen die Kontrolle über die Nutzung und Honorierung ihrer Bilder behielten. Ihr Geschäftsmodell erweist sich in Zeiten des Kahlschlags als krisenfest und demokratisch.

„Die Bedingungen für guten, unabhängigen Journalismus verschlechtern sich zunehmend, Bilder werden nur noch zu möglichst billigen Konditionen genutzt und als reine Ware betrachtet“, sagt Andreas Herzau, Vorstand der laif-Genossenschaft, dem Medienmagazin M. „Für uns als laif Genossenschaft ist (Foto)-Journalismus zu wichtig für die Gesellschaft und die Demokratie, als diesen den sich selbst regulierenden Mechanismen des Marktes zu überlassen, dem wollen wir mit der Gründung der Genossenschaft entgegenwirken.“

Damit Fotograf*innen und Fotojournalis*innen künftig gute und sichere Arbeitsbedingungen haben, braucht es deshalb stabile Medienhäuser, organisierte Betriebe oder gut aufgestellte Genossenschaften. Doch die Frage, wie Medienvielfalt effektiv gesichert werden kann, ist auch eine medienpolitische.

Seit 40 Jahren dokumentieren die Fotograf*innen der Agentur laif das Weltgeschehen. Laif macht unabhängigen Fotojournalismus und hat Vertretungen in mehr als 25 Ländern. Sie vertritt heute rund 400 Fotograf*innen weltweit, darunter zahlreiche, die mit dem World Press Photo Award oder dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurden. Auf den Fundus mit 16 Millionen Bildern greifen neben inländischen Zeitungen und Magazinen zunehmend auch Organisationen wie die Bundeszentrale für politische Bildung, Unicef oder Greenpeace zurück.

Auch interessant: Ausstellung feiert 40 Jahre laif – M – Menschen Machen Medien (ver.di) (verdi.de)

 

 

 

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