Journalisten mit Pegasus ausgespäht

Foto: Pixabay

Von einem Paukenschlag spricht die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di angesichts der Enthüllungen eines internationalen Recherchekonsortiums, nach denen offenbar hunderte Journalist*innen und Menschenrechtsaktivist*innen weltweit von der Spähsoftware Pegasus überwacht worden seien, darunter auch zwei regierungskritische ungarische Investigativjournalisten.

„Die Ergebnisse der Recherchen belegen eindeutig den Zusammenhang zwischen den Ausspäh-Angriffen und der Unterdrückung der Zivilgesellschaft. Autoritäre Staaten nutzen Pegasus, um kritische und oppositionelle Stimmen zum Schweigen zu bringen“ erklärte die Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di, Monique Hofmann in einer Medieninformation.

Sie forderte die internationale Gemeinschaft auf, harte Regeln für den Export von Überwachungstechnologie aufzustellen. Erst in diesem Jahr habe die Europäische Union mit der Reform der Dual-Use-Verordnung die Chance auf eine solche starke Regulierung verpasst. „Ausspäh-Software darf nicht an Staaten geliefert werden, in denen immer wieder Menschenrechte verletzt werden. Sonst machen sich die ausführenden Länder zum Handlanger“, so Hofmann.

Medienberichten vom letzten Sonntag zufolge sollen Geheimdienste und Polizeibehörden mehrerer Länder die Spähsoftware „Pegasus“ des israelischen Unternehmens NSO Group missbraucht haben, um damit die Mobiltelefone anzuzapfen.

Die internationale Recherchegruppe konnte eigenen Angaben zufolge ein Datenleak der Organisationen Forbidden Stories und Amnesty International mit mehr als 50.000 Telefonnummern auswerten, die mutmaßlich seit 2016 durch NSO-Kunden überwacht worden waren. An den Recherchen beteiligt waren „Süddeutsche Zeitung“, „Zeit“, NDR, WDR aus Deutschland sowie 15 weiteren Redaktionen aus zehn Ländern, darunter „Washington Post“, „Guardian“ und „Le Monde“.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Peru: Investigativ, kritisch, gefährdet

Ojo Público heißt das investigative Online-Magazin aus Lima. Das hat in den letzten zehn Jahren zu einem anerkannten Medium wurde. Die Redaktion ist auf rund 20 Menschen angewachsen und recherchiert nicht nur in Peru, sondern auch in Nachbarländern wie Ecuador.
mehr »

Medizinische Hilfe wird verweigert

Willkürlich inhaftiert zu sein ist das eine, in der Haft krank zu sein und die dringend erforderliche medizinische Versorgung nicht zu erhalten ist das andere. Genau das müssen gerade mehrere Journalist*innen in Aserbaidschan erleiden.
mehr »

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

"Volle Portion für alle“ – mit großem Engagement wollen die Mitarbeitenden der tariflosen Tochtergesellschaften von Ostsee-Zeitung (Rostock) und Lübecker Nachrichten der Zweiklassen-Gesellschaft ein Ende bereiten. Die Redakteur*innen der Lübecker Nachrichten Media GmbH sind daher nun für zwei Tage in einen Warnstreik getreten.
mehr »

Duell, Triell, Bagatell

Medien beeinflussen die Wahlentscheidungen der Bürger*innen zwar nur gering, aber wenige Prozente können das politische Spektrum in Deutschland verschieben. Grund genug, die Wahlkampfberichterstattung aus demokratischer Sicht genauer unter die Lupe zu nehmen – ihre Knackpunkte und ihre Perspektiven.
mehr »